Sie erhellen den grauen Alltag

Lange Nacht der Galerien in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2693

In der „Dragoste Gallery“ des Organisators Dan Raul Pintea drehte sich (fast) alles um die Liebe.                                    Foto: Jemina HERMANN

„Kunst schenkt uns die Möglichkeit, den grauen Alltag zum Geschenk des Lebens  werden zu lassen.“ Getreu diesem Zitat von Marion T. Douret, wurde vergangenes Wochenende der graue  Alltag vieler durch mehrere Kunstaustellungen erhellt. Genauer gesagt, der graue Alltag wurde zur langen Nacht der Galerien (kurz Nag) die vom 2. bis zum 4. Oktober in Hermannstadt stattfand. An drei Abenden bzw. in drei Nächten konnte man an verschiedenen Orten in Hermannstadt Werke von diversen Künstlern entdecken und bewundern.

 

Ihren Ursprung hat die lange Nacht der Galerien in Bukarest, wo sie von Suzana Dan, der Vorsitzenden des Ephemair-Vereins, ins Leben gerufen wurde. Dort hatte man sich zum Ziel gesetzt, Projekte zu entwickeln, die rumänische und internationale zeitgenössische Kunst fördern und deren Präsenz in der Öffentlichkeit verstärken würden. Aus diesem Grund realisierte man die Idee der langen Nacht der Galerien, die sich 2016 landesweit ausbreitete. Nun vereint die Nag auch die zeitgenössische Kunstszene hier in Hermannstadt. Organisator dieser Veranstaltung in Hermannstadt ist Dan Raul Pintea, der bei dieser Gelegenheit das erste Mal in seiner eigenen Galerie, der „Dragoste Gallery“ (dt. ,,Galerie der Liebe“) ausstellte, die er am Valentinstag 2020 eröffnet hatte.

Andrei Popa stellte im Keller der römisch-katholischen Kirche gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom Verein ,,Brukenthal von Studio“ aus. Foto: Beatrice UNGAR

Dan Raul Pintea begann seine eigene Karriere als Künstler am 26. Mai 2007 in Bukarest, wo er bei der ersten Auflage der Nag zum ersten Mal ausstellte. Die lange Nacht der Galerien liegt Pintea aber nicht nur am Herzen, weil er selbst im Zuge dieser Veranstaltung das erste Mal seine Werke präsentierte. Es ist ihm ein Anliegen, den lokalen Behörden bzw. den städtischen Verwaltungsorganen zu zeigen, wie wichtig Kunst und damit die Unterstützung dieser Szene ist. Denn die meisten der vertretenen Künstler hätten nur jenes Wochenende, um ihre Werke auszustellen. Laut Pintea könne man kaum auf die finanzielle Zuwendung der Stadt bauen, weswegen die Nag mit Hilfe von Sponsoren – der BRD Groupe Societe Generale, Printcenter.round Ephemair, finanziert wurde. Zwar nahm Pintea selbst auch an der Veranstaltung mit seiner eigenen Galerie teil, bewundern ließen sich aber nicht nur die Werke des Organisators.

Viele Blicke zogen auch die Kunstwerke auf sich, die von Mitgliedern des  Vereins Brukenthal von Studio, im Keller der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche (früher Habitus-Kulturzentrum) am Kleinen Ring ausgestellt worden sind. Ebenfalls am Kleinen Ring waren Werke von Claudiu Boica, Albert Sofian, Tudor St. Popa und vielen weiteren ausgestellt. Einige davon kann man noch bis zum 18. Oktober unter dem Ratturm im so genannten ,,Orașul artiștilor“ (Künstlerstädtchen) begutachten. Auch an anderen Adressen präsentierten Künstler ihre Arbeit, z. B. im Atelierul de Rame, in der Casa Marchesini oder in der Casa Tuzhely. Der Kleine Ring entpuppte sich jedoch als Hotspot der Kunstentdecker, was wahrscheinlich seiner Lage geschuldet ist.

Besondere Beachtung wurde auch dem Projekt der öffentlichen Kunst „Genesis“ geschenkt, das von Roxana Ionescu, Anca Statica und Ariel Hadnagy in Kooperation mit Kindern aus Holzmengen gestaltet wurde.

Vielleicht konnte sich der ein oder andere durch diese Veranstaltung für Kunst begeistern und man ist dem Ziel, von der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit für die Kunstszene zu erhalten, ein Stück näher gekommen.

Jemina HERMANN

 

 

 

 

 

 

 

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