Ehrungen und Abstimmungen

Pressemitteilung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien

Ausgabe Nr. 2692

DFDR geehrt: Im Vorfeld der DFDR-Vertreterversammlung am Freitag wurde das DFDR mit der Medaille „Centenarul Marii Uniri” zur Jahrhundertfeier der Großen Vereinigung ausgezeichnet, Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis hatte das diesbezügliche Dekret am 25. März d. J. unterzeichnet. Lesen Sie mehr dazu auf Seite 3. Unser Bild (v. l. n. r.): Der DFDR-Kandidat für den Vorsitz des Kreisrats Hermannstadt Gabriel Tischer, Hermannstadts Bürgermeisterin und Vorsitzende des Kreisforums Hermannstadt Astrid Fodor, der DFDR-Landesvorsitzende Dr. Paul-Jürgen Porr (mit Medaille), Josef Hölczli (Regionalforum Nordsiebenbürgen), Antonia Gheorghiu (Buchenland), Martin Bottesch (Siebenbürgen), die Unterstaatssekretärin Christiane Cosmatu, Klaus Fabritius (Altreich), der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț, der Präsidialberater Sergiu Nistor und Johann Fernbach (Banat).                      Foto: Sebastian MARCOVICI

Wegen der Corona-Pandemie traten die Vertreter des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) erst am Freitag, den 25. September, in diesem Jahr erstmals zusammen. Die Zusammenkunft fand im Hof des Teutschhauses in Hermannstadt unter von der Pandemie gebotenen Vorkehrungen statt. Ebenda hatte zuvor der DFDR-Vorstand getagt, sowie die Überreichung der durch Präsidialdekret dem DFDR verliehenen Gedenkmedaille „Das 100. Jubiläum der Großen Vereinigung“ stattgefunden. Die beiden Sitzungen wurden vom DFDR-Vorsitzenden Dr. Paul Jürgen Porr geleitet, teilgenommen haben Vertreter aus allen fünf Regionalforen und des Jugendforums, der Abgeordnete Ovidiu Ganţ und Unterstaatssekretärin im Departement für interethnische Beziehungen Christiane Cosmatu.

 

Bei der Vertreterversammlung waren auch Geschäftsführer von Forums-Stiftungen, sowie zahlreiche Gäste anwesend. Ein Grußwort sprach zu Beginn der Vertreterversammlung Saskia Schmidt, die Leiterin des Kulturreferats der deutschen Botschaft in Bukarest. Sie äußerte ihre Bewunderung für die Leistungen der deutschen Minderheit als Pflegerin und Vermittlerin der deutschen Kultur sowie Brückenbauerin.

Desgleichen wurde Rohtraut Wittstock, der Chefredakteurin der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ), anlässlich ihres Renteneintritts die Ehrennadel in Gold des DFDR verliehen. Die Laudatio sprach ihre 2. Stellvertreterin, Nina May. Anschließend überreichte ihr der DFDR-Landesvorsitzende Dr. Paul-Jürgen Porr die Ehrennadel, das Ehrendiplom und einen Blumenstrauß. Die Geehrte zeigte sich überrascht und erfreut und dankte für dieses Zeichen der Wertschätzung.

In seinem Bericht vor den DFDR-Vertretern teilte Dr. Porr mit, dass seit dem März sämtliche politischen Gespräche online verlaufen sind und in dieser Weise auch die Arbeiten der gemischten rumänisch-deutschen Regierungskommission vorbereitet werden, die am 12. Oktober ebenfalls online tagen wird. An Veranstaltungen konnte die Gedenkfeier anlässlich der 75 Jahre seit dem Beginn der Russlanddeportation im Januar in Reschitza stattfinden, alle anderen mussten abgesagt oder in den virtuellen Raum verlegt werden.

Der DFDR-Vorsitzende lobte die Arbeit von Dr. Renate Klein als Referentin der Schulbuchkommission und das Jugendforum für dessen Einbringen in die Wahlkampagne.

Als Sonderveranstaltung bot das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen (DFBB) nur an diesem Tag eine Ausstellung zum Thema ,,75 Jahre Russlanddeportation“. Unser Bild: Erwin Josef Țigla (1. v. r., stehend) stellte die Ausstellung vor, anwesend waren zwei der Maler: Gustav Hlinka (3. v. r., stehend) und Viorica Ana Farkas (2. v. r., stehend).

Der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț erwähnte den Beitrag des DFDR und der Minderheitenfraktion in der Abgeordnetenkammer des Rumänischen Parlaments zum Regierungswechsel im letzten Herbst und die Erhöhung der den im Parlament repräsentierten Minderheiten zuerkannten Mittel aus dem rumänischen Haushalt um 10 Prozent. Selbst wenn seine parlamentarische Tätigkeit seit dem März von zu Hause aus erfolgt ist, war diese erfolgreich und konnte u. a. zur Verabschiedung von Gesetz 130/2020 beitragen, wodurch auch die Kinder der politischen Opfer entschädigt werden. Auch setzte er sich dafür ein, dass die Organisationen der nationalen Minderheiten in allen Wahlbüros vertreten sind.

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war die Abstimmung über die Kandidatenliste des DFDR für die Parlamentswahlen 2020. Der Vorstand bestätigte die bereits im März d.J. angenommene Liste bestehend aus Ovidiu Ganț, Thomas Șindilariu und Christine Manta-Klemens erneut, sie wurde auch von den Vertretern einstimmig angenommen.

Im weiteren Verlauf diskutierten und befürworteten die Vertreter mehrere personelle Umbesetzungen, die der Vorstand eingebracht hatte: Thomas Șindilariu wurde für das Amt des Unterstaatssekretärs im Departement für interethnische Beziehungen nominiert, da Christiane Cosmatu am Jahresende in Rente treten will.

Verabschiedet wurde die Leiterin der DFDR-Schulkommission Carmen Reich-Sander, die Aufgabe der verrenteten Mathematiklehrerin übernimmt Monika Hay, die Leiterin des Brukenthalgymnasiums, die auch über Erfahrung als Schulinspektorin verfügt. Die Chefredaktion der ADZ übernimmt Nina May für ein Jahr interimistisch, wonach die Stelle ausgeschrieben werden soll.

Der Vorstand hatte in seiner Sitzung die mit den Regionalforen zuvor abgesprochenen Haushaltsumschichtungen angenommen, wobei die für Kulturprojekte veranschlagten Mittel einerseits für Verwaltung und andererseits für Investitionen umgewidmet worden sind. Im Hof des Teutschhauses hatte Erwin Josef Țigla einige Werke zum Thema Russlanddeportation von Viorica Ana Fărcaș, Doina und Gustav Glinka u.a. Künstlern eingerichtet, die bei der Gedenkfeier der Deportation zu sehen gewesen waren.

 

Mit Herz und Verstand

Laudatio auf Rohtraut Wittstock / Von Nina MAY

Rohtraut Wittstock (rechts) bedankte sich sichtlich bewegt bei dem DFDR-Landesvorsitzenden Dr. Paul-Jürgen Porr (links) und dem DFDR-Vorstand für die Ehrung.                                             Fotos: Beatrice UNGAR

Es war Oktober 1976, also ziemlich genau vor 44 Jahren, als Rohtraut Wittstock beim Neuen Weg – heute Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ) – als Redakteurin begann. Prädestiniert für ihre Aufgabe als Journalistin hat sie das Elternhaus: der Vater Schriftsteller, die Mutter Krebsärztin, aber ebenfalls sehr an Literatur interessiert. Drei ältere Brüder – davon ein Schriftsteller, zwei Journalisten. Alle vier Geschwister schreiben. Den Neuen Weg gab es auch damals schon im Hause Wittstock.

Der Journalismus ist ihr sozusagen in die Wiege gelegt. Studium der Germanistik – wen wundert’s?  Berufsbeginn beim Radio in Bukarest. Aber es störte sie, dass die Worte einfach so in den Äther verschwinden…

Das war bei der Zeitung anders. Zeitung ist ein Dokument für gelebte Geschichte. Und in 44 Jahren – ein halbes Leben – da erlebt man schon einiges mit: 24 Jahre erlebte sie mit der Zeitung den Kommunismus, als Kulturredakteurin, dann als Chefin der Kulturabteilung.

Dann kam die Wende. Sie brachte Freiheit zum Mitgestalten und neue Themen. Ein solches war auch der Exodus der Deutschen: Die Zeltstadt, die in der Dorobanților vor der Deutschen Botschaft entstand. Ganze Dörfer wanderten geschlossen aus.  Andere blieben. Der Neue Weg berichtete, brachte stets beide Stimmen. Es war sicher eine spannende Zeit. Gleichzeitig musste man aber auch um die Zukunft der Zeitung bangen.

Die Wende brachte aber auch noch etwas Neues: Verantwortung. Frau Wittstock erzählte mir einmal, wie ein betagter Kollege sie damals ziemlich aufgeregt auf dem Flur der Redaktion gefragt hat: „Aber – wer trägt denn jetzt die Verantwortung?“ „Na, Sie!“, antwortete sie ihm bestimmt. Da war sie aber noch nicht die Chefin.

Wie sie selbst mit der Veränderung zurecht kam? „Du machst einfach, was dein Verstand dir sagt“, erklärte sie mir mit einer Leichtigkeit, die sie auch heute noch auszeichnet. Denn so kenne ich meine Chefin: Pragmatisch, unkompliziert, zielsicher. Wenn etwas logisch ist, dann wird es gemacht. Sonst haben die Mitarbeiter genug Spielraum, selbst Verantwortung zu zeigen und sich einzubringen.

Mit der gleichen Selbstverständlichkeit  und Leichtigkeit hat sie 2008 die Leitung der Redaktion übernommen. Dies, nachdem die ADZ nach mehr als 60-jährigem Bestehen zuerst abgeschafft – und dann, nach einer Flut erboster Leserbriefe – doch weitergeführt werden sollte. Frau Wittstock war damals bereits im Rentenalter, hatte gerade Enkelchen bekommen, war ehrenamtlich sehr engagiert, „man hat ja noch anderes zu tun als die Zeitung“, tröstete sie sich damals.

Doch es sollte anders kommen: An dem Tag, der ihr letzter Arbeitstag sein sollte, hatte sie der heutige Staatspräsident Klaus Johannis überraschend gefragt, ob sie bereit wäre, die Chefredaktion zu übernehmen. Am selben Abend setzte sie sich hin, schrieb eine Rundmail an das längst entlassene Team, trommelte es zusammen und leistete Überzeugungsarbeit. So wurde die ADZ buchstäblich in letzter Minute gerettet.

Wie hat sich die Zeitung entwickelt unter ihrer Leitung? Nun, das durfte ich zehn Jahre lang persönlich miterleben. Und staunen, welche Wirkung so eine kleine Zeitung haben kann. Nicht nur, dass sie heute die einzige deutschsprachige Tageszeitung Südosteuropas ist und mit über 75 Jahren eine Art Archiv für die gelebte Geschichte der Deutschen Minderheit. Sie ist auch Bindeglied und Botschafter: Bindeglied zwischen den einzelnen Gruppen der deutschen Minderheit, zwischen den ausgewanderten und hiergebliebenen Deutschen. Zwischen den Lesern in Rumänien und in den anderen Ländern. Aber auch zwischen Alt und Jung, zwischen Tradition und Moderne.

Die ADZ erreicht heute eine kleine, aber äußert breit gefächerte Leserschaft.

Sie ist Botschafter für ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt, Botschafter für Rumänien im Ausland, sie erinnert an historische Lektionen und berichtet über die heutigen Aktivitäten der Deutschen in Rumänien.

Damit hat sich die ADZ weit über ihre Rolle als Minderheitenzeitung hinaus emanzipiert! Sie vermittelt eine zutiefst europäische Botschaft, wie der deutsche Botschafter Cord Meier-Klodt anlässlich unserer 75. Jubiläumsfeier betonte.

Es gibt sogar Doktorarbeiten über die ADZ: Die jüngste kam zu dem Schluss, die ADZ sei sprachbewahrend, identitätsstiftend, kulturraumverbindend und eigentlich eine Kulturtageszeitung. Na, da sehen wir doch deutlich die Handschrift von Frau Wittstock!

Die Zeitung hat heute einen guten Ruf, sie gilt als sprachlich und inhaltlich qualitätsvoll und vermittelt offenbar die richtigen Werte.

In den 12 Jahren als Chefredakteurin hat Frau Wittstock bewusst gutes Personal aufgebaut. Sie pflegt einen unauffälligen, aber bestimmten Führungsstil. Auch mit Kritik, wo es sein muss – vor allem aber mit viel Offenheit. Bewusst ist sie stets auf die Mitarbeiter eingegangen, die sie, wie sie selbst sagt, nicht nur respektiert, sondern schätzt – und das spürt man. Es ist leicht, mit ihr zu arbeiten, denn sie verinnerlicht keinen Ärger, trägt nichts nach. Ihre Lebenshaltung, sagt sie, lautet: Jeder Tag ist ein neuer Tag.

Das sollten wir ALLE von ihr lernen!

Und es ist sicher auch ihr Verdienst, dass wohl die meisten von uns mit großer Freude und Engagement an der Zeitung arbeiten. Es ist nicht einfach nur ein Job.

Ich habe Frau Wittstock kürzlich gefragt, was sie denn bewogen hat, jetzt in Rente zu gehen. Denn man merkt, dass es ihr immer noch Spaß macht, täglich die Zeitung zu machen. Sie sagte, irgendwann müssten einfach jüngere Leute ran. Sie sagte aber auch: Es fiele ihr jetzt leicht zu gehen, weil die ADZ gute, selbstständig agierende Leute hat und reibungslos funktioniert. So ist es wohl bei ihr wie bei den Spitzensportlern: Es ist weise, am Höhepunkt der Karriere aufzuhören. Damit hinterlässt sie uns ein leichtes Erbe – aber vielleicht auch ein Schweres, denn es ist oft viel einfacher, etwas mit großem Tamtam aus dem Nichts aufzubauen, als etwas Gutes still auf dem bewährten Standard zu halten.

Für mich ist die ADZ eine Zeitung mit Herz und Verstand – genau die richtige Mischung. Und das ist wohl kein Zufall. Denn genau so würde ich auch Rohtraut Wittstock beschreiben: als eine Chefin mit Herz und Verstand. Und dafür, liebe Frau Wittstock, möchte ich Ihnen auch ganz persönlich danken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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