Von Hörnern, Flöten und Folklore

Instrumentenmacher begeisterten Besucher im Jungen Wald

Ausgabe Nr. 2688

Die Gemeinschaft aus dem Ort Vinerea/Landkreis Alba gab Volkslieder aus der Region zum Besten.                          Foto: Fred NUSS

Zum 15. Mal wurde am vergangen Wochenende, dem 29. und 30. August, das „Festival der Blaskapellen und Tarafs“ im ASTRA-Freilichtmuseum im Jungen Wald gefeiert. Auf der Bühne am Dorfmarkt führten Musiker und Tänzer aus Băbiciu, Dobroteşti, Vinerea und dem Idicel-Tal Volksmusik und -tänze auf. Mit dabei waren auch heuer wieder die Neppendorfer Blaskapelle sowie Instrumentenmacher. Im Anschluss an jede Aufführung diskutierten die Künstler und Handwerker gemeinsam über ihre Lieder, Tänze und Instrumente und gaben dem Publikum so Einblicke in ihre Traditionen. 

Marian Pană aus Dobrotești ließ die Werkstücke aus der Hand Marin Albus erklingen.                                                 Foto: Tobias LEISER

 

Es herrschte reges Treiben im Jungen Wald. Rund 7000 Besucher strömten über das Wochenende verteilt durch das Freilichtmuseum, und die Holzbänke am Dorfmarkt waren fast immer voll besetzt. Gespannt wurde das Spiel des Ensembles „Vasile Muscurici Enoiu Taraf“ aus dem Kreis Gorj verfolgt.

„Taraf“ bezeichnet eine rumänische Gruppe, die Folklore spielt. Sie musizieren bei traditionellen Hochfesten und auf privaten Feiern wie Hochzeiten. Die Lieder variieren von ruhigen Balladen bis hin zu Trinkmusik mit Polka-Rhythmen. Ein besonderes Merkmal der Taraf-Musik ist der Verzicht auf Noten; die Volkslieder werden stets den Überlieferungen entsprechend gespielt und je nach Launen der Musiker durch unterschiedliche Instrumente ergänzt.

Links neben der Bühne erfreuten sich zwei Stände brennender Begeisterung. Im Schatten der Sägemühle saß Marin Albu aus Dobrotești samt Hut und Tracht und präsentierte seine Arbeiten. Er ist Holzblasinstrumentenmacher in zweiter Generation und ein Meister seines Fachs. „Mein Vater stellte schon vor mir Instrumente aus Holz her,“ erzählte er. „Vor etwa 20 Jahren habe ich den Betrieb von meinem Vater übernommen.“

Im Schatten der Sägemühle präsentierte der Holzblasinstrumentenmacher Marin Albu aus Dobrotești seine Arbeiten.   Foto: Tobias LEISER

Mittlerweile stelle er auch Holzspielzeug her, doch auf seinem Tisch lag an diesem Wochenende – ganz im Zeichen des Festivals – eine große Auswahl seiner Instrumente aus: Neben einfachen Flöten fanden sich dort auch filigran verzierte „Cavali“ (Längsflöten mit fünf Löchern, die einst von Hirten gespielt wurden), kleine Pfeifen, Panflöten und „Ocarinale“ (kleine Gefäßflöten aus Ton). „Ich arbeite vorwiegend mit Haselnuss-, Holunder- und Pflaumenholz.“ Für einige Flöten verwende er aber auch Akazie oder Eberesche.

Albu arbeitet jedoch nicht nur mit Holz, sondern stellt unter anderem auch rumänische Dudelsäcke her. Ein Instrument, das aus seinen Arbeiten besonders hervorstach, war der „Tâlv“: „Diese Flöten fertige ich aus Zierkürbissen.“ Die Kürbisse werden ausgehöhlt, getrocknet und mit Verzierungen versehen. Sie dienen als Mundstück und Resonanzkörper; die eigentliche Flöte wird unterhalb des Kürbis angebracht. Der Klang der Kürbisflöte ähnelt dem des Dudelsacks, und ihre Bauform variiert je nach Wuchs des Kürbis.

Fero Egyed aus Großwardein/Oradea, einer der beiden Instrumentemacher an seinem Stand.                                              Foto: Tobias LEISER

Wenige Meter weiter ertönte am zweiten Stand der „Tulnic“, eine Art Alpenhorn, das einst von den Bewohnern rumänischer Bergdörfer zur Kommunikation untereinander genutzt wurde. Fero Egyed aus Großwardein/Oradea holte tief Luft und stieß erneut in das rund 150 Zentimeter lange Holzinstrument.

Auf Egyeds Tisch lagen „Tulnici“ in unterschiedlichen Größen und „Țilincale“. Eine „Țilinca“ ist eine traditionelle Flöte, die vorrangig in der Folklore des nördlichen Rumäniens und in der Ukraine verbreitet ist. Egyed erklärt: „Sie hat nur ein Loch für einen Finger am unteren Ende. Das Loch hat allerdings nur wenig Einfluss auf den Ton; die unterschiedlichen Töne entstehen eigentlich durch den jeweiligen Druck, mit dem die „Tilinca“ gespielt wird. Geübte Spieler können sogar zwei dieser Flöten gleichzeitig spielen.“

Die Neppendorfer Blaskapelle war die einzige Blaskapelle, die an dem Festival teilgenommen hat. Aufgetreten ist sie am Sonntagnachmittag.         Foto: Fred NUSS

„Ich habe 2005 angefangen, meine eigenen Instrumente herzustellen – einfach weil es mir Spaß macht,“ sagte Egyed mit einem Lächeln. „Ich arbeite meist mit Haselnussholz, aber der ,Tulnic‘ ist aus Fichtenholz. Dafür habe ich einen ganzen Stamm verwendet. Der Stamm wird in zwei Teile gespalten, und die Hälften werden ausgehöhlt und ausgebrannt. Am Ende setze ich beide Teile einfach zusammen.“ Seine Blasinstrumente stelle er alle auf diese Weise her.

Wie Marin Albu arbeitet Fero Egyed ebenfalls mit verschiedenen Materialien; er baut auch Alpenhörner aus Wurzeln von Akazien und Ebereschen und Trommeln mit Holzkorpussen und Fellen aus Ziegenhaut. Ein einzigartiges Werkstück ist das Horn, das er aus dem Geweih eines Karpatenbüffels gefertigt hat. Kaum bewunderte man es, nahm Egyed es in die Hand und stieß mit aufgeplusterten Backen in das Büffelhorn.

Später wurden die Arbeiten der Instrumentenmacher auch auf der Bühne vorgeführt. Marian Pană aus Dobrotești präsentierte die Werkstücke aus der Hand Marin Albus. Allein spielte er erst den „Tâlv“ und erläuterte dem Publikum das Instrument. Im Anschluss gab Pană gemeinsam mit Fero Egyed und Artur Sas aus Oradea weitere Volkslieder zum Besten.

Egyed begleitete die beiden Flötenspieler an der „Drymba“, einer Maultrommel; die fertigt der Instrumentenmacher allerdings nicht selbst, sondern kauft sie bei einem Schweizer Hersteller.

Tobias LEISER

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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