Eine Glanzleistung hingelegt

Die 30. ,,Deutschen Literaturtage in Reschitza“ fanden off- und online statt

Ausgabe Nr. 2689

Der Veranstalter und Moderator Erwin Josef Țigla mit Bianca Barbu bei deren Buchvorstellung am Samstag.                                          Foto: DFFB

Die 30. Auflage der „Deutschen Literaturtage in Reschitza” hat vom 4. bis 6. September d. J. in Reschitza stattgefunden. Die meisten Autorinnen und Autoren waren online zugeschaltet, einige schickten Videoaufnahmen. Der Initiator und Hauptveranstalter Erwin Josef Ţigla und sein Team vor Ort haben eine Glanzleistung hingelegt.  Im Innenhof der Deutschen ,,Alexander Tietz“-Bibliothek war ein kleines Studio eingerichtet worden und Ţigla moderierte an den drei Tagen mehr als 12 Stunden. Die Aufzeichnungen kann man auf Youtube unter https://www.youtube.com/channel/UC_kYvj3wj9oGipq7pmZoS_g? oder auf der Facebook-Seite: https://www.facebook.com/Demokrati sches.Forum.der.Banater.Berglanddeutschen abrufen und in aller Ruhe genießen.

 

Nostalgie und vielleicht auch ein bisschen Wehmut kam wohl bei allen auf, als die von Alex Calcan von der deutschen Sendung auf TVR zusammengestellte Dokumentation „30 Auflagen ‚Deutsche Literaturtage in Reschitza’“ zum Auftakt am Freitagnachmittag ausgestrahlt wurde. Die bisherigen 29 Auflagen der einzigen regelmäßig der rumäniendeutschen Literatur gewidmeten Veranstaltungen hatten ja in Reschitza selbst stattgefunden, unter der Teilnahme zahlreicher Autorinnen und Autoren, die aus Rumänien aber auch aus Deutschland, Ungarn, Slowenien u. a. angereist waren.  Alle wussten die ausgezeichnete Gastfreundschaft der Veranstalter zu schätzen und hatten die Möglichkeit, sich auszutauschen und jeweils die Lesungen, Buchvorstellungen und Vernissagen in geselliger Runde ausklingen zu lassen. Dies war in diesem Jahr nicht möglich. Eigentlich hatte die 30. Auflage Ende März stattfinden sollen, doch da funkte die Pandemie dazwischen und der rührige Erwin Josef Ţigla musste anders zu planen beginnen. So kam es zu der ,,gemischten“ Veranstaltung.

Schließlich waren dann doch eine Autorin und zwei Autoren aus Temeswar live dabei. Es handelt sich um Bianca Barbu, die ihr vor kurzem im Banatul Montan-Verlag in Reschitza als 92. Buchveröffentlichung des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins ,,Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ erschienenes Buch ,,Beiträge zur deutschsprachigen Kultur in Orawitza (1717-1944). Mit besonderer Berücksichtigung der Volksliteratur und des Theaters“ vorstellte. Țigla überreichte ihr zunächst einen Blumenstrauß. Nicht, weil sie anwesend war, sondern weil sie vor kurzem Geburtstag hatte. In dem Buch bietet die Autorin einen Einblick in die Kultur des Banater Berglands, das, so Țigla ,,vielsprachig, interkulturell und plurikonfessionell“ ist. Einer der bekannteren Orawitzaer Persönlichkeiten, dem Arzt, Dichter und Kulturförderer Dr. Friedrich Bach (1817-1865) ist aus Anlass dessen 155. Todestages auch ein Sonderbriefumschlag und ein Sonderstempel gewidmet,  die am Sonntag vorgestellt wurden.

Der zweite im Bunde der Anwesenden war Lucian Vărșăndan, der frühere Intendant des Deutschen Staatstheaters Temeswar, der seinen dritten Gedichtband – ,,unter vier augen“ – vorstellte, der in diesem Jahr im Temeswarer Cosmopolitan Art-Verlag ,,just vor Ausbruch der Pandemie“ erschienen ist. Seinen Erstling – ,,Als das Wort zu Ende war“ – für den er 2008 den Debütpreis der Zweigstelle Temeswar des Rumänischen Schriftstellerverbandes erhielt, hatte er ebenfalls in Reschitza vorgestellt. Bemerkenswert und passend zu der Veranstaltung die Verse: ,,auf deinem weg/von da nach dort/merkst du nicht, dass/das, was du suchst/dazwischen liegt“.

Ebenfalls ein Mitglied des Temeswarer Literaturkreises ,,Die Stafette“ war der dritte im Bunde: Arnold Schlachter las aus seinem Erstling – ,,Ein Jahr“ – vor, der in diesem Jahr im Temeswarer Brumar-Verlag erschienen ist und persönliche, chronologisch geordnete Eindrücke von seiner Heimatstadt, von Begegnungen enthält.

Vielleicht wundern Sie sich, dass ich in meinem Bericht nicht auf alle Lesungen und Videoaufzeichnungen eingegangen bin, die ein buntes Bild nicht nur der rumäniendeutschen sondern auch der ungarndeutschen und sogar der sloweniendeutschen Literatur geboten haben. Keine Sorge, wie eingangs erwähnt, ist alles aufgezeichnet und ins Netz gestellt worden. Viel Spaß beim Schauen und (Nach)Erleben!

Beatrice UNGAR

 

Ein europäisches Gemeinschaftswerk deutscher Literatur

 

Die XXX. Jubiläumsauflage der „Deutschen Literaturtage in Reschitza“ ist inzwischen Geschichte geworden…

Was in fast einem Monat lang organisatorischer Aufbauarbeit geleistet wurde, ist im Nu vergangen, doch viele schöne Augenblicke bleiben uns allen in Erinnerung… In Erinnerung für die Zukunft werden die Aufzeichnungen auf YouTube und auf Facebook bleiben, aber auch das hier in Reschitza, ob in den Innenräumlichkeiten oder im Hof der Deutschen „Alexander Tietz“-Bibliothek live Erlebte!

Was bleibt, ist auch die Tatsache, dass, wenn ein starker Wille besteht, man auch in diesen pandemischen schwierigen Zeiten nicht den Hut am Kleiderhänger legt und resigniert, sondern gemeinsame Wege finden kann, weiterzugehen, Zukunft, auf dem Fundament der Vergangenheit zu gestalten.

All jenen, die um mich herum im Aufbau und Entwicklung, in der tatsächlichen Ausführung standen, einen innigsten Dank dafür! Ein großer Dank gebührt auch all jenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Slowenien, aus Ungarn und aus Rumänien (aus Siebenbürgen und aus dem Banat), die uns Vertrauen in uns und unser Vorhaben schenkten und das Nötige unternahmen, damit alles im Online klappt, nicht zuletzt den Gästen, die persönlich nach Reschitza gekommen sind, um das mitzuerleben, was das Flair an Ort und Stelle verleiht.

Nicht zuletzt geht mein persönlicher Dank an die Mitglieder unserer Reschitzaer Gemeinschaft, die dabei waren an dem technischen und administrativen Team um mich, ohne deren Einsatz nichts geklappt hätte, genauso wie auch all jenen, die finanziell dazu beigetragen haben, dass alles so organisiert werden konnte, wie es im Programm stand.

Und nun eine Bitte an alle, die Online oder persönlich dabei waren: Hiermit ersuche ich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, uns den vorgetragenen Text (ob literarische Texte oder Vorträge) bis zum 30. September per Mail zuzusenden, damit wir alles in einem Band wie üblich herausbringen können. Schon jetzt Dank dafür!

Das positive Feedback im sozialen Netzwerk, anhand von Telefonaten, persönlichen Mitteilungen und Mails Bekommene gibt uns die Kraft, nach 30 Jahren „Deutsche Literaturtage in Reschitza“ weiterzumachen. Und das werden wir 2021 gewiss mit aller Hilfe und Unterstützung tun, dazu wurden wir von weit und breit verpflichtet!

Reschitza hat in diesen drei Tagen, zwischen dem 4. und dem 6. September 2020 Literatur-Geschichte geschrieben. Aus meiner Sicht war es ein europäisches Gemeinschaftswerk deutscher Literatur!

Danke!

Erwin Josef ȚIGLA

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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