Lesenswertes über Werte

Zum dritten Band der Reihe ,,Leseproben einer Seelenverwandtschaft“

Ausgabe Nr. 2686

Erna Hennicot-Schoepges/Beatrice Ungar: Werte haben keinen Preis. Leseproben einer Seelenverwandtschaft III. Honterus Verlag Hermannstadt, 2020. 96 S., ISBN 978-606-008-051-0.

Unter dem Titel „Werte haben keinen Preis“ ist vor Kurzem ein Buch erschienen, in dem die beiden Autorinnen Beatrice Ungar und Erna Hennicot-Schoepges nun in einer dritten Folge „Leseproben einer Seelenverwandtschaft“ veröffentlichen. Wieder treffen hier Luxemburg und Siebenbürgen im Gespräch aufeinander und entdecken über sprachliche und geschichtliche Gemeinsamkeiten hinaus sehr vieles an gedanklichem Gleichklang und geistiger Übereinstimmung. Es liegt hier auf knapp hundert Seiten eine ganze Axiologie, eine philosophisch-soziologische Werte-Theorie in vielen Facetten vor, die den Leser und die Leserin tiefe Einblicke in die heutige geistige Situation in Europa und in der ganzen Welt tun lassen.

Es geht den Autorinnen dabei weniger um materielle und wirtschaftliche Gegebenheiten, sondern um existenzielle geistige Werte, die sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft in ihrem Wesen bestimmen und in gewisser Weise prägen. Für jeden einzelnen, aber auch für das Zusammenleben in der großen Völkergemeinschaft innerhalb der Europäischen Union ist die Beachtung gemeinsamer Werte von allergrößter Bedeutung. Europa braucht eine gemeinsame Seele. Das, was dieses Gemeinsame ausmacht, sind die Werte, die aus dem geschichtlichen Kulturerbe stammen, dessen Quellen bis auf die griechisch-römische Antike, aber später auch auf das Christentum zurück gehen.

In seinem Geleitwort, das unser Parlamentarier Ovidiu Ganț dem vorliegenden Buch vorausschickt (S. 5-7), unterstreicht er die große Erfahrung, die Frau Hennicot-Schoepges als langjährige Europa-Politikerin hat. Sie vertritt schon in ihrer Person die Werte, um die es im Zusammenleben geht, und das sind neben der eigenen Identität vor allem Moralität, Vertrauen, Integrität, Ehrlichkeit und Freundschaft. Auch der Luxemburger Außenminister Jean Asselborn betont in seinem Vorwort (S.9-10), wie wertvoll es ist, dass durch grenzübergreifende Kulturprojekte neue Partnerschaften und Freundschaften entstehen. Zusammenwachsen, Zusammenleben, einander verstehen, sind heute in Europa wichtige Werte, die es auszubauen gilt.

Erna Hennicot-Schoepges/Beatrice Ungar: Von Schubert bis Praid. Leseproben einer Seelenverwandtschaft. Honterus Verlag Hermannstadt, 2011. 90 S., ISBN 973-973-1725-70-3.

Das Buch besteht eigentlich aus insgesamt siebzehn Gesprächen, die eine breite Palette von Gedanken über europäische Ideale und Zielvorstellungen entfalten. Die Anregerin dieser Dialoge und damit deren gedankliche Führerin ist Beatrice, die sehr ideenreich Fragen  aufwirft, die dann Erna Gelegenheit geben, aus dem großen Schatz ihrer Erfahrungen und ihres Wissens oder ihrer profunden Weisheit weitgreifende Antworten und ansprechende Überlegungen auszubreiten. Der Leser hat den Eindruck, in ein Kaleidoskop zu blicken oder die Reflexe eines geschliffenen Diamanten wahrzunehmen. Die Themen sind nicht systematisch geordnet, sondern ergeben sich in immer neuen Konstellationen, bilden aber dann doch ein abgerundetes Ganzes. Da geht es, wie die Überschriften, bzw. die Stichworte zeigen, um fundamentale Rechte, um Dialogbereitschaft, um kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit, um Bewahrung der Identität, Kulturpluralismus, Vertrauen und Zuverlässigkeit, Entfaltungsgleichheit, ehrliches, aufrichtiges Verhalten, gemeinsames Verstehen der Geschichte und der zeitbedingten Veränderungen, um verstehenden Ausgleich von Verschiedenheiten – mit einem Wort – es geht um die geistigen Grundlagen einer anstrebenswerten Lebensordnung. Dabei steht der europäische Gedanke, die Solidarität der Partner, das Kennenlernen und Geltenlassen der anderen, Toleranz und Offenheit, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit im Vordergrund. Ebenso die Rechtsstaatlichkeit als Grundlage der Demokratie, das Achten auf Menschenrechte und auf die Unantastbarkeit der Würde des Menschen. Die ethischen Probleme in der Wirtschaft und im Zusammenleben, sei das in der Familie oder im eigenen Wohngebiet, die Chancengleichheit für alle, das Überwinden von Protektionismus oder nationale Selbstüberschätzung werden bedacht. Ebenso wird der Wertewandel im Verlauf der großen technischen und wirtschaftlichen Veränderungen ins Auge gefasst, wobei aber die sittlichen Grundwerte ihre Gültigkeit bewahren. Darauf weist bereits die auf der Titelseite des Buches abgebildete Inschrift in altertümlicher Frakturschrift: „Öffne dich der Veränderung, aber vergiss nicht deine Werte.“ Auf den Seiten 48 und 49 wird auf die Grundrechte-Charta der Europäischen Union hingewiesen, die am 7. Dezember 2000 in Nizza feierlich unterzeichnet worden ist, und die in sechs große Kapitel unterteilt ist: Die Würde des Menschen, Freiheiten,  Gleichheit, Solidarität, Bürgerrechte und justizielle Rechte. Interessant und sehr aktuell sind am Ende des Buches die Überlegungen über die Europäische Union in Krisenzeiten. Hier wird das Verhalten in der Lage der Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen und ihren verheerenden Wirtschaftsfolgen bedacht, aber auch auf die nötige Bewährungsprobe gemeinsamer Solidarität und Verantwortung aufmerksam gemacht.

Erna Hennicot-Schoepges/Beatrice Ungar: Erfolgsgeschichte mit Folgen. Leseproben einer Seelenverwandtschaft II. Honterus Verlag Hermannstadt, 2015. 111 S., ISBN 978-606-8573-40-3.

Es sei hier noch auf das sehr ansprechende Äußere des Buches hingewiesen. Außer sachbezogenen etwa 15 Fotografien mit Persönlichkeiten und Institutionen aus der Europäischen Union erscheinen auch Schwarzweiß-Bilder aus dem Luxemburger kirchlichen Bereich  (der Altar mit dem Kruzifixus und die betende Muttergottes über dem Portal der Heisdorfer Kirche und die schöne Ansicht des Klosters Echternach) wobei im Text sonst keine Bezugnahmen auf religiöse bzw. kirchliche Inhalte enthalten sind. Sehr beeindruckend sind die etwa zehn ganzseitigen farbigen Bilder mit Landschaften und zur meditativen Betrachtung einladenden Natur- und Pflanzenmotiven bzw. mit Darstellungen verfallender Architektur. Das Buch ist eine kleine Kostbarkeit, regt zum Nachdenken und auch zur Betrachtung an und kann möglichst vielen Interessierten als lesenswert empfohlen werden.  Es ist ein Baustein nicht nur für die Verbindung zwischen Siebenbürgen und Luxemburg, sondern für das Bewusstwerden und die Pflege echter europäischer Werte.

Hermann PITTERS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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