Eine streitbare Verlegerin

Die Kinderbuchautorin und Verlegerin Hedi Hauser ist tot

Ausgabe Nr. 2686

Hedi Hauser (1931-2020).Foto: Privat

Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T“ sei ihr liebstes Buch, das sie immer wieder las und auf das sie nicht verzichten könnte, verriet Hedi Hauser 2011 der Hermannstädter Zeitung. Doch am meisten hing der Kinderbuchautorin und Verlegerin Hedi Hauser, die am 20. Juli d. J. in Hamburg gestorben ist, ihr Erstlingsbuch am Herzen: „Waldgemeinschaft Froher Mut“. Die erste Auflage ist 1957 im Jugendbuchverlag Bukarest erschienen, als die Autorin gerade mal 26 Jahre alt war. Geschrieben hatte sie es während ihrer ersten Schwangerschaft in Mediasch, im Haus ihrer Schwiegereltern.

 

Die am 26. Januar 1931 geborene Hedwig Bittenbinder begann 1950 in Bukarest ihr Germanistik-Studium, das sie nach einigen Semestern abbrach. Zeitweilig arbeitete sie bei der deutschsprachigen Tageszeitung Neuer Weg als Korrektorin. 1952 heiratete sie Arnold Hauser.

Von 1955 bis 1968 arbeitete Hedi Hauser als Lektorin für deutschsprachige Bücher im Jugendverlag Bukarest. 1969 wurde sie Leiterin der deutschen Abteilung im neugegründeten Kriterion Verlag in Bukarest und betreute daselbst u. a. auch die Redaktionen für Serbokroatisch, Ukrainisch, Slowakisch, Tatarisch, Türkisch und Jiddisch. 1991 zog sie in Hamburg, nachdem sie erfolglos versucht hatte,  diesen Verlag über die Wirren der Nachwendezeit hinüberzuretten. 1990 bereiste die streitbare Verlegerin das ganze Land, versuchte Fäden wieder zu knüpfen, den Verlag mittels einer Stiftung auf Kurs zu bringen. Vergeblich: Alles stand damals im Zeichen der Auswanderung und sie entschloss sich dann auch dazu. Schließlich lebten damals schon zwei ihrer Kinder in Deutschland und ihr Mann Arnold Hauser war Ende 1988 verstorben.  In Hamburg arbeitete sie einige Jahre als Schriftführerin der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft für Norddeutschland (gegründet 1995) und war u. a. ehrenamtliche Mitarbeiterin des rumänischen Honorargeneralkonsulats.

Hedi Hauser: Waldgemeinschaft ,,Froher Mut“. Illustrationen von Wladimir Grestschenko, Jugendverlag Bukarest, 1957, 85 Seiten.

Zur Erinnerung an Hedi Hausers Tätigkeit von 1969 bis 1991 beim Kriterion-Verlag: Ihr ist es zu verdanken, dass in der jungen Talenten vorbehaltenen Reihe „Kriterion Hefte“ der Debütband der Literaturnobelpreisträgerin 2010, Herta Müller, „Niederungen“ herausgebracht wurde.

Zum Literaturnobelpreis sagt Hauser: „Ich freue mich für Herta Müller, aber es macht mich traurig, dass sie ihre Rumänien-Erfahrungen immer nur im Zusammenhang mit der Securitate erwähnt.“ Vielmehr erinnert Hauser daran, dass vor allem die in der Reihe „Kriterion Hefte“ gedruckten Bücher den Neid ihrer Kollegen von den rumänischen Verlagen geweckt hätten, die feststellten, dass man in deutscher Sprache so viel mehr veröffentlichen konnte. Einer sagte sogar: „Mir würde man den Verlag auflösen, wenn ich so ein Buch herausgeben würde.“ Tatsache sei, dass die rumäniendeutschen Autorinnen und Autoren mehr Freiheit hatten, ihre Meinung zu äußern und zu veröffentlichen, als ihre rumänischen Kollegen, bestätigte Hedi Hauser auch in einem Gespräch mit der Siebenbürgischen Zeitung 2011.

In Bezug auf Hermannstadt hatte Hedi Hauser in einem Telefongespräch gegenüber der   Hermannstädter Zeitung 2011 erklärt (in einem Beitrag zu ihrem 80. Geburtstag, der in der Ausgabe Nr. 2220 vom 18. Februar 2011 erschienen ist): „Ich war immer gerne in Hermannstadt, sei es mit Lesungen aber vor allem, um mit den Autorinnen und Autoren, z. B. Georg  Scherg, Joachim Wittstock und Ricarda Terschak, Bucheditionen zu besprechen.“

Möge die Verstorbene in Frieden ruhen!

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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