Im Museum getöpfert und gekocht

8. Auflage des Sonder-Töpfermarktes „Schön. Keramisch. Nützlich”

Ausgabe Nr. 2683

Der 8. ,,Schön. Keramisch.Nützlich“-Töpfermarkt hat am Wochenende stattgefunden. Unser Bild: Krineläwend (Krensuppe) kochten Teilnehmenden die Vertreter der Tonal-Werkstatt.    Foto: Fred NUSS

Die andere Art Töpfermarkt – „Schön. Keramisch. Nützlich” – hat an diesem Wochenende im Freilichtmuseum stattgefunden, diesmal allerdings ein bisschen anders als in den Vorjahren, denn wegen der Corona-Pandemie wurde jetzt die Sommerauflage ausschließlich mit Töpfern aus dem Inland organisiert. Eine Herbstauflage soll ebenda vom 18. bis 20. September stattfinden.

 

Knapp 6.300 Besucher haben den Markt am Wochenende besucht. Dabei waren sowohl Touristen, als auch Hermannstädter, die sich freuten, dass die Stadt langsam wieder zum üblichen Leben zurückkehrt, denn die Anzahl der Events in den letzten Monaten war sehr gering.

Auch die Anzahl der Teilnehmer war kleiner als in den vergangenen Jahren, was allerdings auch einen Pluspunkt hatte: Die Töpfer waren übersichtlich und die Kinder schafften es, alle Angebote für sich wahrzunehmen, vom Töpfern einer Schale auf dem Töpferrad, bis zum Modellieren.

Bunte und einfallsreiche Keramik stand im Angebot der Werkstatt von Tonal, die erstmals dabei war.                                            Foto: Fred NUSS

An diesem ersten Teil der 8. Auflage des Marktes nahmen 26 Töpfer aus Hermannstadt, Leschkirch/Nocrich, Abstdorf/Apoș und Mediasch (Kreis Hermannstadt), Marghita (Kreis Bihor), Sathmar, Szeklerburg/Miercurea Ciuc, Korond/Corund (Kreis Harghita), Găleșoaia (Kreis Gorj), Baia Mare (Kreis Maramureș), Saschiz (Kreis Muresch), Bâțanii Mari (Kreis Covasna) teil.

Das Angebot war sehr vielfältig, von traditionellen Sarmale-Töpfen bis zu moderner Keramik war alles dabei. Auch wenn die Zahl der traditionellen Töpfer zurückgeht, entdecken die Organisatoren doch auch immer wieder neue Töpfer, die das Werk weiter führen.

Die Besucher konnten auch lernen, wie man traditionelle Ziegeln herstellt, denn es wurden auch Werkstätten  organisiert. An mehreren klassischen Rädern – inzwischen benutzen viele Töpfer elektrische Räder – versuchten die Kinder und Erwachsene, eigene Schälchen herzustellen.

Viele Zuschauer gab es auch beim Stand von Teracota Mediasch, hier waren zwei  schöne Kachelöfen aufgestellt, aber auch mehrere Kacheln – leider konnte man die nicht kaufen, sondern nur bestellen. Die Aufsteller von Teracota waren auch die einzigen Teilnehmer, die nicht selber kochten, sondern einen geschulten Koch beauftragten, eine Demonstration zu machen, wie man die Kachelöfen zum Kochen verwenden kann.

Das Kochen ist nämlich ein wichtiger Aspekt dieses Marktes, der dieses Event vom Töpfermarkt und auch von den meisten Märkten dieser Art in Rumänien unterscheidet: Die Töpfer müssen beweisen, dass ihre Ware nicht nur keramisch und schön ist, sondern auch nützlich. So kochten die Töpfer der Reihe nach Gerichte aus ihrer Gegend. Dominiert wurde die Szene vom ungarischen Gulasch, den es in allen Varianten gab, und von dem man nicht genug haben konnte: einfach, mit Kraut und mit Bohnen. Die Töpfer durften auch gegenseitig alles ausprobieren – fürs Publikum wurde im Museum extra gekocht – und so lernten manche den Unterschied zwischen Gulasch und einer ungarischen Tocana kennen – eins der Geheimnisse ist der Knoblauch.

Kacheln und Kachelöfen präsentierte die Firma Teracota aus Mediasch.Foto: Fred NUSS

Fleißig wurden jeden Vormittag Zwiebeln geschält, Möhren geschnippelt und Fleisch in mundgerechten Würfelchen geschnitten. Bei den meisten Tischen waren Männer und Frauen dabei, doch einige der Töpfer mussten sich mit wenig Küchenerfahrung alleine durchschlagen. Dafür hatte der eine Töpfer aus Bihor sein Rezept dabei, in der schönen Handschrift seiner Ehefrau: „Man schäle und schneide Zwiebeln (3 Stück), man schäle und hacke den Knoblauch (7-8 Zehen…”. Das Ergebnis überraschte den Autor in solchem Maße, dass er vor dem Ende dieses Marktes bereits Pläne für den nächsten schmiedete – und zwar kulinarische Pläne.

Angeboten wurde auch ein sächsisches Gericht, zwar neu interpretiert, doch nicht weit vom Originalrezept entfernt: ein Kren-Kächen, der in einen Eintopf umgewandelt wurde. Dabei wurde aber mit dem Kren und dem Sauerrahm nicht gespart, da hätte die Autorin des Kochbuches von anno 1897, Elise Fröhlich, bestimmt Nachschlag verlangt. Das Rezept stammt übrigens aus einem Kochbuch, das sicherlich seit 1900 viele Generationen junger Köchinnen begleitet hat „Die siebenbürgische Küche”, die vor kurzem von der Astra-Bibliothek übersetzt wurde.

Schwer hatten es eher die Vegetarier, ein einziges Auberginen-Gericht wurde da angeboten. Für Fleischesser gab es natürlich auch eine Variante, Auberginen mit Lammfleisch, ein „Gedicht”, wie viele fanden.

Alle Gerichte waren ganz besonders, nicht nur durch die Zutaten, sondern auch durch die Art, sie zu kochen, denn die Keramiktöpfe sind mit einem modernen Topf nicht zu ersetzen. „Diese Idee dieses besonderen Marktes hatten wir 2013, als wir einen Töpfermarkt mit Gästen aus dem Ausland organisiert haben, mit Töpfern aus Ungarn, der Republik Moldova und aus Bulgarien.”, erklärte Karla Roșca, die das Organisationsteam des Freilichtmuseums für diesen Markt leitet. „Es wäre auch an der Zeit, ein neues Kochbuch herauszubringen”, erklärte sie. „Die Rezepte, die wir seit der ersten Auflage bis 2018 gesammelt haben, sind bereits in einem Kochbuch erschienen, ,Geschichten aus der Küche des Töpfers‘, inzwischen haben wir noch viele gesammelt. ”

Bis zum Erscheinen des Buches wird bestimmt auch die Herbstauflage des Marktes „Schön. Keramisch. Nützlich” stattfinden, für diejenigen, die diese Sommerauflage verpasst haben, oder auch für diejenigen, die weitere Töpfer kennenlernen wollen.

Im Freilichtmuseum werden im August zwei weitere Märkte organisiert: Mitte August (13.-16.) findet der größte traditionelle Handwerkermarkt des Jahres statt und vom 20. bis zum 23. August das Hungarikum-Festival, das die ungarische Minderheit feiert.

Und für Keramikfans gibt es auch eine Nachricht, die ihre Herzen höher schlagen lässt: Bisher wurde der traditionelle Töpfermarkt Anfang September noch nicht abgesagt, auch wenn es offen bleibt, wo und unter welchen Bedingungen er stattfinden wird – vielleicht ebenfalls im Freilichtmuseum.

Ruxandra STĂNESCU

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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