Auch die Klone haben… ein Ende

Schreibwettbewerb des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt

Preisverleihung (v. l. n. r. ): Roxana Stoenescu, Andrei Cristian Rigo Ana Maria Vintilă, Sara Maria Marin und Ruxandra Stănescu.  Foto: Elisabeth KÖBER

Ausgabe Nr. 2680

Das Deutsche Kulturzentrum Hermannstadt hat im Frühjahr dieses Jahres einen Wettbewerb für kreatives Schreiben organisiert, am Freitag fand im kleinen Rahmen die Preisverleihung statt. Die 12-14-Jährigen konnten in deutscher oder rumänischer Sprache ihre Geschichten einreichen, die meisten waren allerdings deutsch. Eine schöne Überraschung für die Organisatoren war, dass auch Jugendliche aus anderen Landeskreisen mitgemacht haben.

Sara Maria Marin hat den Preis für die beste Geschichte in deutscher Sprache erhalten und Ana Maria Vintilă für die beste Geschichte in rumänischer Sprache und haben je einen Voucher für Bücher in Höhe von 500 Lei erhalten. Für seine ganz besondere Geschichte hat Andrei Cristian Rigo den Preis der Jurypräsidentin bekommen, einen Voucher in Höhe von 200 Lei und eine handbemalte Tasse. Sandro Palumbo, Lukas Mannhart, Tania Damian und Ruben Darie Haureş haben für ihre Geschichten Harry Potter-Spiele erhalten.
Vorgegeben war der Anfang der Geschichte, die Jugendlichen hatten dann freie Hand. Totenköpfe, lebendige Comicfiguren, Balettschuhe, Haustiere, Briefmarken und ein schwarzer Kater tummelten sich in den Geschichten. Viel Spaß beim Lesen der sehr unterschiedlichen Geschichten hatten Monika Hay, Dana Irod, Iuliana Jammer, Roxana Stoenescu (die Bibliothekarin des Deustchen Kulturzentrums) und Jurypräsidentin Ruxandra Stănescu.
Wegen Corona-Zeiten fand die Preisverleihung in einem sehr kleinen Kreis statt, aufgeregt waren nicht nur die drei Gewinner, sondern auch ihre Eltern, Großeltern und Geschwister, die dabei waren und fleißig fotografierten. Die Harry-Potter-Spiele werden den weiteren Gewinnern per Kurier geschickt werden, denn einerseits kamen einige nicht aus Hermannstadt, andrerseits dürfen sich nicht so viele Menschen auf einmal in einem Raum aufhalten.
Keiner der drei Gewinner will zwar Schriftsteller werden, doch ein guter Anfang zumindest für ein erfolgreiches Hobby ist schon gemacht.
Sara Maria Marin ist 12 Jahre jung und geht in die Brukenthalschule. „Ich habe teilgenommen, weil ich gerne Aufsätze schreibe”, erklärte sie. Sie liest auch gerne und oft findet sie in den Büchern Inspiration für weitere Geschichten. Sie will zwar weiter schreiben, doch eigentlich will sie Tierärztin werden, erklärte die Gewinnerin.
Ana Maria Vintilă ist 12 Jahre jung und hat von ihrem Rumänischlehrer von der Allgemeinschule Nr. 8 von diesem Wettbewerb erfahren. „Ich schreibe gerne für die Schule zu vorgegebenen Themen, denn mir wird schnell klar, was ich damit anfangen kann und dass ich die Geschichte in meinem Sinn weiter führen kann.”, erklärte sie. Zwar will sie Kinderärztin werden, aber sie will auch ein Fantasy-Kinderbuch schreiben.
Von seiner Rumänischlehrerin hat auch der 13-jährige Andrei Cristian Rigo (Schule Nr. 25) vom Wettbewerb erfahren, wobei er gleich mehrere Geschichten geschrieben hat und mit ihr eine ausgewählt hat – offensichtlich die richtige. Er hat bisher, als er „kleiner war”, nicht nur Geschichten, sondern auch Gedichte geschrieben. „Ich glaube nicht, dass ich mal Schriftsteller werden will”, erklärte er und versprach, falls er doch ein Buch schreiben würde, es seinen ersten Fans zu bringen.
Ruxandra STĂNESCU


Es war an einem trüben Samstagmorgen. Meine Eltern schliefen noch und ich saß in der Küche und las in meinem Lieblingscomicbuch. Plötzlich klingelte es an der Tür. Doch als ich nachschauen ging, stand niemand draußen. Als ich die Tür schon zumachen wollte, fiel mir ein Paket auf, das etwas weiter in unserer Auffahrt lag. Neugierig ging ich darauf zu, ohne zu ahnen, dass sich dadurch mein Leben auf den Kopf stellen würde…

Die Vision

von Sara Maria Marin

 

Ich öffnete die Schachtel und urplötzlich befand ich mich in einer Schlucht. Der Grund der Schlucht zog mich wie ein Magnet an. Rund um mich herum waren Lanzen an den Wänden befestigt. Ich schauderte. Alle Wege waren versperrt! Doch was mir die Sprache verschlug, waren die Menschen, die auf den Lanzen lagen… tot und ohne einen Hauch Leben in ihnen. Auf einzelnen Lanzengerüsten lagen die Lebewesen in ihrer Umgebung, in ihrer Zeit: Menschen aller Arten. Aller Völker und Zeiten, aller Stände und Gemeinschaften. Menschen aus den verschiedensten Ecken der Welt. Und auf jeder Lanze konnte ich die verschnörkelte Aufschrift entziffern:

„Für immer und ewig vergessen!“

„Wer kann das machen?“, fragte ich leise. Von unten erklang eine höhnische Stimme: ,,Ich kann das machen. Ich bin der Jabberwocky.“ Ich hielt vor Schreck den Atem an. Ganz starr vor Schreck war ich. Schließlich guckte ich nach unten und dort stand der Jabberwocky, so wahr ich hier stehe. Ich konnte es nicht glauben! Ich hatte Lewis Carrolls Ungeheuer vor den Augen!“, erzählte ich meinen Enkeln.

„Und was hast du gemacht, Omi?“, flüsterte der jüngste.

„Ich bin aufgewacht. Es war schließlich nur ein Traum… dachte ich. Aber eigentlich war es eine Vision. Und meine Aufgabe bestand seit dem Tag an darin, die Menschheit vor dieser Vision zu schützen: Die Welt durfte nicht in Vergessenheit geraten!“

 

In einer Schachtel gefangen

von Ana Maria Vintilă

 

Es schien eine normale, einfache, leere Schachtel zu sein. Ich habe sie in dem Flur abgestellt und  nicht mehr darauf geachtet. „Zurück zu meinen Comics!” sagte ich mir, auf dem Weg zur Küche.

Während ich die Seiten des Buchs durchblätterte, wurde es im Haus plötzlich windig, obwohl alle Fenster geschlossen waren. Der Wind war so stark, dass  er mich zu der Schachtel schub. Die Schachtel sog mich und alles was in dem Flur war auf. Ich befand mich plötzlich in einem bräunlichen Raum, voll mit Gegenständen aus dem Haus.

Von nirgendwo war ein zerknitterter Zettel gefallen. Darauf stand eine 1 und die folgende Meldung: Wer nach oben gucken wird, einen großen Zettel find‘. An der Decke klebte tatschächlich ein Briefumschlag, aber wie würde ich ihn erreichen? In diesem Moment nahm ich einen Stuhl und kletterte drauf. Nach mehreren Versuchen gelang es mit, den Brief zu nehmen, auf dem eine 2 stand. Drinnen fand ich die Botschaft: Bravo! Du hast mich gefunden, zwei Sachen musst erfüllen. Benütze deine Nase, ein Brief ist in der Vase. Da hatte ich aber ein Problem. Die Blumen in der Vase meiner Mutter waren Rosen mit vielen Dornen. Da ich nicht wollte, dass der Brief für immer da blieb, steckte ich die Hand und holte den Brief mit der Nummer 3.  Da stand: „Sprachlos bin ich ja geblieben, denn trotz Schmerz hast du geschwiegen. Der Brief 4 fand sein Versteck, unter eines Teppichs Eck‘! Dort fand ich auch einen Umschlag mit der Nachricht: Ohhh, mir sind die Reime ausgegangen! Für die letzte Aufgabe bitte ich dich, aus den Lego-Steinen neben dir eine Leiter zu bauen. Plötzlich ist neben mir ein großer Haufen Lego-Steine gewachsen, aus denen ich eine Leiter gebaut habe.

Ich kletterte hinauf und stieg aus der Schachtel raus. Alles war wie gewöhnlich, als ob nichts passiert wäre. Sogar die Schachtel war weg. Ich war stolz auf mich, dass ich alle Aufgaben erfüllt habe.

 

Eine Abendgeschichte

von Andrei Cristian Rigo

 

In der Schachtel war eine Zeitschrift. Du wirst lachen, aber was drinnen stand, war für mich wie ein K.O. beim Boxen. Die Zeitschrift „Wissenschaft und Experimente”?!… Ich mag Chemie, Physik oder ähnliche Fächer nicht. Warum habe ich aber diese Zeitschrift erhalten? Ich blätterte ein wenig durch. Überall wurde ein einziges Thema besprochen.

Zwei Forscher haben einen menschlichen Klon entworfen, um zu beobachten, wie er sich in menschenfeindliche Bedingungen verhält. Das Paar war aus Toronto. Wie ich! Und sie hießen wie meine Eltern! Moment mal… das kann wohl nicht wahr sein!  Ich war der Klon!!!

Ich rannte ins Haus und kramte in allen Schubladen. Im Zimmer meiner Eltern fand ich Dokumente mit einem Foto von einem Jungen, der wie ich aussah.

Seitdem hat sich mein Leben verändert. An dem Tag, ohne dass meine Eltern es mitbekamen, bin ich nur mit meinem Geld von zu Hause weggerannt.  Ich wollte nicht mit jemandem zusammenleben, der angab, mich zu lieben, aber Experimente mit mir durchführte. Ich testete mich selbst und… ich war unbesiegbar! Seitdem schütze ich die Stadt vor Gefahren…“.

Das ist es, was mein Herrchen mir – einem schwarzen Kater mit einem scharfen Blick, der ihn perrrfekt versteht – jeden Abend erzählt, seit er in Rente gegangen ist. Ich unterbreche ihn nie, denn nach der Abendgeschichte kommt mein Abendessen…

Und ich werde diese Geschichte noch einige Male hören, auch wenn man bedenkt, dass auch die Klone manchmal ein…

…Ende haben!

 

 

 

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