„Rumänien ist ein Land mit starken Frauen“

Gespräch mit der Autorin Dr. Monika Herrmann

Ausgabe Nr. 2674

Dr. Monika Herrmann

Die Rezension des Buches „Abenteuerreisen mit Usch“ von Dr. Monika Herrmann ist schon vor bald einem Jahr in der HZ erschienen. Die Rezensentin, Ljuba Osatiuc, hat inzwischen in Bonn ein Interview mit der früheren Leiterin des Referats Frauenpolitik bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn von 1990 bis ca. 2000, mit dem Schwerpunkt „Osteuropa und ehemalige DDR“, geführt und dabei erfahren, dass sie an einem neuen Buch arbeitet, in dem sie nach eigener Angabe ,,mutige Frauen“ zu Wort kommen lässt.

 

Sie haben in den 1990er Jahren viele Konferenzen und Veranstaltungen mit osteuropäischen Frauen durchgeführt, z. B. in Berlin, Bukarest, Budapest, Prag.  Zu welchen Frauen hatten Sie Kontakt und welchen Eindruck haben sie von ihnen gewonnen?

Das waren Vertreterinnen sozialdemokratischer bzw. sozialistischer  Parteien, Präsidentinnen der Frauenorganisationen der Parteien, Abgeordnete, Wissenschaftlerinnen und Gewerkschafterinnen.

Aus Rumänien nahm z. B. Smaranda Dobrescu, Präsidentin der Frauenorganisation der Sozialdemokratischen Partei (PSDR), teil.  An den  Konferenzen beteiligten sich auch Abgeordnete aus dem Europäischen Parlament, z. B. Christa Randzio-Plath, und Bundestagsabgeordnete, z. B. Inge Wettig-Danielmeier, damals Schatzmeisterin der SPD. Ich habe viele engagierte, aktive und mutige  Frauen aus Osteuropa kennengelernt. Ich kann mich sehr gut an die Teilnehmerinnen aus Rumänien erinnern. Sie waren entschlossen, ihre Lage in ihrem Heimatland zu ändern bzw. zu verbessern. Dieses Land hatte immer schon viele gut ausgebildete und hochprofessionelle Frauen, seien es Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen oder Gewerkschafterinnen.

Sie waren gewillt, die herkömmliche Devise  „Men manage and women work“  endgültig hinter sich zu lassen. Aber verstehen Sie, das war nicht so einfach, da die Frauen sich erst mal überlegen mussten, wie sie ihre Kinder ernähren konnten.  Für ein Engagement in der Politik oder in der Frauenbewegung blieb leider viel zu wenig Zeit.

Wollen Sie damit  sagen, dass Männer sich wenig um die Kinderbetreuung gekümmert haben?

Ja, und das hing mit dem Frauenbild im Kommunismus zusammen. Es war widersprüchlich. Während einerseits die Erwerbstätigkeit der Frau gefordert wurde, verherrlichte der Kommunismus andererseits die Frau als Mutter, als Hüterin der Familie und des Haushaltes. Die staatliche Politik der Nachkriegszeit setzte auf die Doppelbelastung der Frau, die einerseits als Arbeitskraft in dem wirtschaftlichen Entwicklungsprozess als „Heldin der Arbeit“ unentbehrlich war, andererseits war sie alleinzuständige Mutter und Hausfrau. Der Mann fiel als Partner beim Schlangestehen, bei der Hausarbeit oder Kindererziehung aus. Dieses Frauenbild war stark in den Köpfen verankert. Nach der Wende wollten Frauen ihre Lage ändern.

Hat es geklappt?

Zunächst gab es nur wenig Verbesserungen. Nach Meinung von Smaranda Dobrescu  sogar so gut wie keine – abgesehen von den erleichterten Möglichkeiten der Geburtenkontrolle. In gewisser Weise nahmen die Existenzsorgen der Frauen eher zu. Kinder in die Welt zu setzen war ein großes wirtschaftliches Risiko für sie geworden.

Unstrittig ist aber, dass es nach der Wende für Frauen mehr politische Freiheiten gab, die auch von vielen Frauen aktiv genutzt wurden. Vor allem die Fördermaßnahmen der Europäischen Gemeinschaft, über die auf den Konferenzen berichtet wurde, stießen auf große positive Resonanz.

Was ist Ihnen besonders an den Diskussionen mit osteuropäischen Frauen in Erinnerung geblieben?

Es hat mich immer wieder beeindruckt, dass sie nicht bereit waren, auf ihre aktive Rolle im Erwerbsleben zu verzichten und großen Wert auf Fort- und Weiterbildung legten. Viele Frauen, die wir getroffen haben, bekannten sich zu einem aktiven gesellschaftlichen Engagement, damit der Übergang zur Marktwirtschaft auch ihre Bedingungen und Probleme berücksichtigt.

Warum haben Sie sich für ein neues Buch entschlossen?

Ich habe erlebt, wie die Frauen in der ehemaligen DDR und in Osteuropa unter der politischen Wende haben leiden müssen. Die überstürzte und oft rücksichtslose Umstrukturierung der Wirtschaft führte oft zu hoher Arbeitslosigkeit und Dequalifizierung, wovon Frauen besonders betroffen waren. Über das Schicksal der Frauen machten sich aus meiner Beobachtung Politik und Arbeitgeber nur wenig Gedanken. Angesichts fehlender alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten für meist gut ausgebildete Frauen wollte man ihnen gerne die traditionelle Hausfrauenrolle wieder schmackhaft machen. Umso mehr bewundere ich immer wieder ihren Mut, ihre Entschlossenheit, ihre Ausdauer, ihren Kampf- und Widerstandsgeist.

In meinem Interview-Buch geht es mir darum, diese mutigen Frauen zu Worte kommen und ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Das ist mein Manifest an Frauen, wenn Sie so wollen. Ich habe mit vielen Frauen gesprochen. Die Herzlichsten kommen aus Osteuropa.

Danke für das Gespräch.

 

 

 

 

 

 

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