„Mehr erreicht, als zu erwarten war“

Unternehmer Andreas Huber vertritt seit 30 Jahren Liqui Moly in Rumänien

Ausgabe Nr. 2670

Der Unternehmer Andreas Huber, seines Zeichens auch Österreichischer Honorarkonsul für Siebenbürgen, (rechts) und sein Sohn Andreas Huber Junior – hier im Schauraum der Liqui Moly-Produkte – teilen sich die Geschäftsführung der Firma Limorom.                          Foto: Werner FINK

Der erfolgreiche Unternehmer Andreas Huber, ein gebürtiger Großauer, vermarktet seit 30 Jahren Liqui Moly-Produkte wie Motorenöle, Additive oder  Schmierstoffe in Rumänien. Inzwischen baute Huber auch das Autohaus Huber auf und wurde auch österreichischer Honorarkonsul in Hermannstadt. Eine ausgiebige Jubiläumsfeier konnte im Rahmen seiner Firma Limorom wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden, allerdings gewährte Huber dem HZ-Redakteur Werner F i n k zu diesem Anlass und zu seinem Werdegang in Rumänien folgendes Interview:

 

Was bedeutet 30 Jahre Liqui Moly in Rumänien?

Wir sind der alleinige Importeur von Liqui Moly-Produkten seit 1990.

Warum gerade Liqui Moly?

Ich habe mein Motorenöl immer selber gekauft. Damals hat man oft auch in Deutschland den Ölwechsel privat gemacht, beim Freund oder Schwager, wenn er Automechaniker war oder sich auskannte. Ich hatte stets Liqui Moly-Öl verwendet, es ist ein gutes deutsches Produkt und so kam mir die Idee, dieses Produkt auch in Rumänien zu verkaufen. Ich bin nach Ulm zu Liqui Moly gefahren, wo meine Idee begrüßt wurde. So habe ich 1990 angefangen, Liqui Moly in Rumänien zu verkaufen, zuerst über ein Einzelhandelsgeschäft und dann ab 1994 exklusiv Liqui Moly-Produkte über den Großhandel.

Wie kam es dazu, dass Sie sich entschieden haben, nach Rumänien zurück zu kommen und hier unternehmerisch tätig zu werden?

Ich bin in Großau geboren und bin dann Anfang der 1980-er Jahre nach Deutschland ausgewandert und 1990 wieder „heruntergekommen“. Bereits im Dezember 1989 habe ich einen Hilfstransport nach Hermannstadt gebracht und 1990 habe ich auch weitere Hilfstransporte begleitet. Ich war der Initiator und habe die Hilfstransporte in Partnerschaft mit dem Roten Kreuz in Sindelfingen und mit Hilfe der Sponsoren, wobei mein größter Sponsor Mercedes-Benz war, organisiert. Ich hatte aber auch viele andere Sponsoren, darunter auch Menschen, deren Eltern,  Großeltern oder sie selber, aus Siebenbürgen, aus der Bukowina oder aus dem Banat ausgewandert waren. Aus diesen Hilfstransporten ist dann sehr schnell die Idee entstanden, hier in Rumänien etwas aufzubauen.

Waren Sie damals schon Unternehmer?

Nein, ich hatte zur Zeit der Hilfstransporte bei Mercedes in Sindelfingen in der Qualitätskontrolle gearbeitet. Ehrenamtlich war ich auch tätig. Ich bin lizenzierter Jugendtrainer im Fußball und hatte damals in Sindelfingen nebenbei Kinder- und Jugendmannschaften trainiert.

Wie haben Sie es geschafft, damals hier Fuß zu fassen?

Von 1990 bis 1994 hatten wir ein Einzelhandelsgeschäft neben dem Brukenthalmuseum, wo wir von der Nähnadel bis zu Motorenöl und zur Autobatterie, die ganze Lebensmittelpalette, Zucker, Mehl, Grieß, Kaffee, Kaugummi, anboten. Bis 1992 haben wir auch Devisen verkauft, darunter  D-Mark, Dollar und auch andere Devisen. Wir waren drei Partner und eine Sekretärin. Dann kam noch die Verkäuferin dazu, ein Lagerverwalter und dann zwei, drei Außendienstmitarbeiter dazu. Ab 1994 haben wir zum Großhandel gewechselt. So hatten wir dann ungefähr 10-15 Verkäufer im ganzen Land und in der Buchhaltung zwei Personen. Das hat sich dann stetig entwickelt, vor allem nach 2000. Jassy, Bacău, Galatz, Bukarest, Konstanza, Ploiești, Craiova, Hermannstadt, Klausenburg, Arad, Temewar wurden die Stützpunkte, wo die Verkäufer dann die Kunden generiert haben. Heute haben wir ungefähr 30 Verkäufer und 5-6 Wiederverkäufer, Großhändler wie Materom, Bardi, Augsburg, Intercar oder Conex  u. a.

Andreas Huber ist auch selbst sportlich tätig, er macht beim Skipokal mit, joggt regelmäßig und fährt Rad. Unser Bild: Im letzten Sommer erfüllte er sich einen Traum und überquerte per Fahrrad die Südkarpaten auf der Transalpina und auf der Transfogarascher Hochstraße.          Foto: Privat

Wie war die Entwicklung im Laufe dieser 30 Jahre?

Die Entwicklung war am Anfang sehr zäh, sehr langsam. Anfang der 1990-er Jahre bis 1996-1998 war eine sehr schwierige Zeit. Auch in Rumänien gab es damals eine sehr hohe Inflation. Von heute auf morgen gab es neue Wechselkurse. In den ersten zehn Jahren ging es sehr schwer vorwärts.  Ich glaube 1992 war es, als ich praktisch pleite war. Da war über Nacht der Devisenkurs von 1 DM = 20 Lei auf 1 DM = 100 Lei gestiegen. Ich hatte meinen ganzen Verkauf auf Lei eingestellt und konnte nur noch 10 Prozent von den Devisen kaufen. Liqui Moly hat es verstanden und hatte Vertrauen in Rumänien und mich gehabt und hat mir weiterhin Ware geliefert. Innerhalb eines Jahres habe ich die Schulden dann abbezahlt und so ging es dann weiter.

Es gab also reichlich Herausforderungen zu überwinden?

1994 mussten wir das Einzelhandelsgeschäft  aufgeben. Mittlerweile waren die Läden wie Pilze aus dem Boden geschossen. Wir haben uns infolgedessen nur noch auf den Import von Motorenölen und auf den Großhandel konzentriert. Außerdem hatten es die Geschäftsleute aufgrund der wässrigen Gesetzgebung schwer, sich zurechtzufinden, bedingt auch durch die ganzen Kontrollen vom Finanz-, Arbeitsamt usw., die durch ihre eigene Interpretation der wässrigen Gesetzgebung die Geschäftsleute in Schwierigkeiten brachten.

Es gab aber auch positive Umstände?

Von Vorteil war, dass der Rumäne deutsche Produkte mag, was uns beim Aufbau des Kundennetzes sehr geholfen hat. Liqui Moly ist das einzige Motorenöl, das in Rumänien verkauft und das exklusiv in Deutschland hergestellt wird. Da heute noch unsere Motorenöle zum oberen Preissegment in Rumänien gehören, sind wir eher ein Nischenanbieter, weil die Menge, die wir verkaufen doch relativ sehr klein ist  in Anbetracht des Marktes.  Der Rumäne hat es aber geschätzt und es gekauft.

Die Wirtschaftskrise 2008 haben Sie aber gut überstanden?

Ich muss sagen, die Zahlungsmoral unserer Kunden war nach der Wirtschaftskrise 2008 katastrophal. Wir haben viel Geld verloren. Die Firmen haben alle Insolvenz angemeldet und haben dann eine andere Firma gegründet, nur damit sie ihren Lieferanten nicht zahlen, was zum Teil auch wegen diesen schwachen Gesetzen, die es damals immer noch gab, geschah. Wir haben an dieser Sache fast zehn Jahre lang ,,geknabbert“, bis wir wieder richtig in Schuss gekommen sind.

In  welchem Maße wiederspiegelt sich die Corona-Pandemie in der Tätigkeit einer Firma wie Limorom,die Motorenöle vertreibt?

Es ist nicht anders als in den anderen Gebieten. Die Firma ist praktisch geschlossen, wir sind auf Sparflamme. Die Mitarbeiter sind bis zum 30. April im Urlaub, bis auf meinen Sohn und mir. Einige werden ab dem 1. Mai in Kurzarbeit wieder tätig werden,  sie arbeiten aber wie bislang von Zuhause aus.

Wir verkaufen so gut wie nichts mehr. Viele Kunden haben uns schon per Mail um eine Zahlungsaufschiebung bis zu einem Jahr,  das heißt bis April 2021 gebeten. Das ist natürlich eine Riesenherausforderung für uns, denn wir müssen unsererseits alle gelieferten Liqui Moly-Waren bezahlen. Das ist also Corona. Wir haben mächtig daran zu knabbern, sind aber finanziell, wenn es nicht noch ewig  so weitergeht, gut aufgestellt. Ich schätze, dass wir im Mai und Juni finanziell über die Runden kommen, was die Gehälter betrifft.  Zahlungen an das Staatsbudget haben wir ausgesetzt, weil das Geld nicht reicht.

Welche waren die größten Errungenschaften im Laufe dieser 30 Jahre?

Wir haben hier Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die seit über 25 Jahren in der Firma tätig sind, manche von diesen sogar seit fast 30 Jahren. Das finde ich eine große Errungenschaft, Mitarbeiter zu finden und dann an die Firma zu binden, die sich dann auch mit der Firma identifizieren und dann dementsprechend auch ihre Arbeit abgeben.

Die Mitarbeiter, die seit Anfang der 1990-er Jahre bei mir sind, haben heute ihrerseits Kinder, die mittlerweile die Hochschule absolviert haben. Viele meiner Mitarbeiter haben sich in der Zwischenzeit Wohnungen gekauft, Häuser gebaut usw. Das zähle ich auch zu einer Errungenschaft, dass diese Mitarbeiter durch ihren Arbeitsplatz die Möglichkeit und die Konditionen hatten, eine Familie zu gründen und finanziell gut dazustehen.

2000 habe ich in Hermannstadt das Bürogebäude gekauft, ebenfalls 2000 habe ich das Autohaus Huber in Hermannstadt und 2007 in Deva aufgebaut, ehemals Opel-, heute Suzuki-Vertretungen. In Deva bieten wir zusätzlich noch Ssangyong-Wagen an. Das ist ein südkoreanischer Autohersteller und derzeit ein Nischenprodukt. Zusätzlich zur Händlervertretung verfügen wir auch über die Kfz-Werkstatt, die für alle Kategorien von Fahrzeugen zur Verfügung steht.

Die hier erzielten Errungenschaften waren mehr als zufriedenstellend und  das ist mehr, als zu erwarten war.

Gibt es Ziele, die Sie mit Liqui Moly in der Zukunft erreichen möchten?

Nun, unser größtes Ziel und unser größtes Anliegen ist, dass wir Liqui Moly-Waren und nicht nur diese hier verkaufen und dass wir unsere Kunden zufrieden stellen. Und daran arbeiten wir jeden Tag, dass wir besser werden, dass die Kunden das erwiesene Vertrauen auch bestätigt bekommen, über die Qualität der Produkte, die wir vermarkten, die exklusiv in Deutschland hergestellt werden, und über unsere Dienstleistungen. Es ist eine der wenigen Firmen im Bereich Motorenöle und Werkstattprodukte, die einen eigenen Vertrieb hat. Das heißt, unsere Mitarbeiter gehen in den Betrieb und betreuen direkt den Kunden und schulen diesen. Außerdem kommt der Liqui Moly-Techniker  zwei-, dreimal im Jahr nach Rumänien, um seinerseits noch tiefgründigere Schulungen zu machen und den Anwendungsbereich der Produkte noch ausführlicher zu erläutern.

Das Ziel ist, den  Mitarbeitern einen guten und sicheren Arbeitsplatz zu bieten, wo sie dementsprechend ihren Lebensunterhalt verdienen können.

Als einer der ersten deutschen Geschäftsleute, der nach der Wende in Hermannstadt aktiv geworden ist, haben Sie auch maßgeblich zur Entstehung der Gemeinschaft der deutschen Investoren in Hermannstadt beigetragen.

Ich bin einer der ersten Rückkehrer nach Hermannstadt und innerhalb der nächsten drei-fünf Jahre kamen auch andere Geschäftsleute mit siebenbürgischem Hintergrund. Die erste deutsche Firma, die sich hier ansiedelte war Mitte der 90er Jahre Bilstein. Gemeinsam mit dem damaligen deutschen Generalkonsul Ralf Andreas Breth haben wir einen Stammtisch der deutschen Investoren gegründet, aus dem dann 1998 der Deutsche Wirtschaftsclub Siebenbürgen hervorgegangen ist. Hier war ich bis 2014 Vizepräsident. Bis zu meinem Ausscheiden aus dem Führungsgremium hatten wir über 200 Mitglieder im Wirtschaftsclub, und haben eine wichtige und große Pionierarbeit geleistet. Für die meisten Investoren, die heute hier sind, waren wir der erste Anlaufpunkt, wo sie sich informieren konnten. Wir waren auch der Ansprechpartner der staatlichen Institutionen wie Präfektur, Kreisrat, Bürgermeisteramt für die deutsche Wirtschaft hier. Damals kamen die Gastredner hauptsächlich von Institutionen wie  Zoll, Finanzamt, Rechnungshof oder Arbeitsamt, weil sich in diesen Bereichen ja die ganze Gesetzeslage sehr schnell und oft verändert hat, und so haben wir mit den deutschen Investoren hier zu diesen Institutionen eine Brücke gebaut und die Zusammenarbeit bedeutend erleichtert. Das war meine erste ehrenamtliche Tätigkeit.

Sie haben sich im Laufe der Zeit aber auch auf andere ehrenamtliche Tätigkeiten fokussiert, wie kam es dazu?

2010 habe ich mich zur Wahl gestellt und bin zum Bezirkskirchenkurator in Hermannstadt gewählt worden und bin auch heute noch Bezirkskirchenkurator, acht Jahre lang habe ich den Hermannstädter evangelischen Kirchenbezirk im Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien vertreten. 2010 bin ich zum Österreichischen Honorarkonsul in Hermannstadt und Zentralsiebenbürgen ernannt worden. Die Tätigkeit als Honorarkonsul habe ich dann 2011 im Juni offiziell aufgenommen. Das sind die größeren ehrenamtlichen Tätigkeiten, die ich ausübe und die sich eigentlich ganz gut in Einklang bringen lassen mit meiner unternehmerischen Tätigkeit.

Warum vertreten Sie gerade Österreich als Honorarkonsul?

Der damalige Botschafter, Herr Dr. Martin Eichtinger, hatte mich 2009 in diesem Zusammenhang kontaktiert. Unter mehreren Kandidaten ist die Wahl auf mich gefallen, höchstwahrscheinlich auch weil ich zur landlerischen Minderheit, die auch aus Österreich kommt, gehöre.

Sie sind inzwischen aber auch Vorsitzender des Verbandes der Honorarkonsuln in Rumänien.

2014 hat mich Präsident Dr. Wolfgang Breitenthaler von der Europäischen Vereinigung der Honorarkonsuln (FUECH) angeschrieben und gefragt, ob ich nicht geneigt wäre, einen Verband der Honorarkonsuln in Rumänien zu gründen und mit diesem dem Verband der Europäischen Honorarkonsuln beizutreten. Ich habe dann die ganzen Recherchen eingeleitet. Ich habe gesehen, dass es in Rumänien um die 70 Honorarkonsuln gibt. Diese habe ich alle angeschrieben und 2015 hatten wir die Gründungssitzung der UCOR (Uniunea Consulilor Onorifici din România)  im Hilton-Hotel in Hermannstadt, bei der auch Vertreter vom Rumänischen Außenministerium dabei waren und wo ich zum UCOR-Präsidenten gewählt und mittlerweile wiedergewählt wurde.

Zurück zu Liqui Moly, wer das Liqui Moly-Logo sieht, muss unwillkürlich an Motorsport denken…

Mitte 1990 hatten wir sieben-acht Jahre lang ein eigenes Autorennen-Team. Jedes Jahr sind wir die rumänische Rallyemeisterschaft in der Abteilung Amateure gefahren und haben viele Pokale gewonnen. Einer meiner Mitarbeiter hatte sogar den ersten Platz geschafft. Die Rallyes haben wir mitveranstaltet und mitfinanziert.

Bei vielen anderen Veranstaltungen war und ist das hier in Hermannstadt schon populäre Liqui-MolyLogo auch zu sehen.

Zwischen 1998 und 2001 habe ich vier Auflagen des Hermannstädter Bierfestes organisiert. Das war damals immer ein Riesenevent, die Leute haben es immer super angenommen. Anwesend waren auf dem Großen Ring sechs bis acht Bierhersteller und die größten und bedeutendsten Musikbands Rumäniens haben gespielt.

Seit 2011 organisiere ich in meiner Funktion als Honorarkonsul von Österreich den Skipokal des Konsulats auf der Hohen Rinne. Dieses Jahr erfreute sich die zehnte Auflage mit 150 Teilnehmern aus dem ganzen Land einer großen Beteiligung. Über das Autohaus Huber sind wir überdies der Sponsor der Hermannstädter Radtour. Wir stellen hier die Fahrzeuge zur Verfügung.

Wie schaffen Sie es, sich um all diese Tätigkeiten zu kümmern? Haben Sie bereits Aufgaben an die jüngere Generation übertragen?

Die Firmen haben alle eine Firmenstruktur, und an der Spitze haben sie je einen Geschäftsführer. Das Autohaus Huber hat einen Geschäftsführer in Deva, einen in Hermannstadt und bei Limorom bin zur Zeit ich der Geschäftsführer. Die Aufgaben im professionellen Bereich sind aufgeteilt und die Mitarbeiter erledigen ihre Aufgaben größtenteils selber über die Firmenstruktur. Seit 2005 ist einer meiner Söhne, Jürgen Huber, in Rumänien. Er hilft mir hier bei der Arbeit und ist zuständig für das Autohaus in Hermannstadt. Seit Januar 2020 ist auch mein anderer Sohn, Andreas Huber Junior, hier und ist mit mir zusammen Geschäftsführer, wir nennen ihn Junior-Chef, bei Limorom.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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