Bogenlampen und Fallrückzieher im Sand

Neue, unbekannte Sportarten (III) / Von Cynthia PINTER

Ausgabe Nr. 2667

In Schwäbisch Gmünd findet seit mehreren Jahren die European Footvolley League statt. Dieses Jahr soll die fünfte Auflage des Wettbewerbs vom 28. bis 31. Mai organisiert werden.Foto: Playa de Gamundia

Fußball, Basketball, Boxen, Tennis, Schwimmen oder Eishockey. Das sind einige der bekanntesten Sportarten der Welt.

Aber es entstehen immer wieder neue Sportarten. Meistens sind es Abwandlungen alter Sportarten, manchmal aber auch total neue Disziplinen. In dieser Reihe stellen wir einige der im letzten und diesen Jahrhundert erschienenen Sportarten vor.

Heute geht es um Footvolley.

Wenn man an Rio de Janeiro, die bekannteste Stadt Brasiliens, denkt, hat man oft den Zuckerhut, die berühmte Jesus-Statue, Samba, den Karneval und den Copacabana-Strand im Sinn. Und genau hier am Copacabana entstand einer der trendigsten und spektakulärsten Fußballabwandlungen des vergangenen Jahrhunderts: Footvolley. Ein Sport wie gemacht für Brasilianer. Footvolley ist Technik, Athletik, Akrobatik, alles mit einem Ball und Sand.

In den 1960er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte diese Sportart an den Stränden von Rio ihre Ursprünge. Die Besten der Welt kommen natürlich von hier. Die Sportart hat viele Anhänger, etliche bekannte Ex-Fußballer wie Romario oder Bebeto spielten Footvolley. Mittlerweile gibt es auch Weltmeisterschaften. Wer die meistens gewinnt, ist wohl auch klar.

Jakob Domke und Lukas Kicherer haben Deutschland bei der Europameisterschaft 2019 in Luzern vertreten und belegten im Finale Platz 6 des Rankings.                               Foto: Playa de Gamundia

Die Regeln des Footvolley basieren auf denen des Beachvolleyballs. Zwei Mannschaften mit jeweils zwei Spielern stehen sich auf einem Beachvolleyball-Feld (16 m x 8 m; 8 m x 8 m pro Feld) gegenüber, das durch ein 2,20 m hohes Netz (Damen: 2,10 m) geteilt ist. Der Untergrund sollte mit feinem Quarzsand (0,1–0,7 mm Körnung) gefüllt sein, frei von Steinen und eine Mindesthöhe von 35 cm haben.

Ziel des Spiels ist es, den Ball regelgerecht über das Netz auf den Boden der gegnerischen Spielfeldhälfte zu bringen und zu verhindern, dass er in der eigenen Spielfeldhälfte zu Boden fällt. Wie beim Fußball darf der Ball nicht mit den Armen oder Händen berührt werden, weshalb mehr Aktive aus dieser Sportart als vom Beachvolleyball zum Footvolley kommen. Der Ball wird ins Spiel gebracht, indem ein Spieler ihn von einem maximal einen Meter hinter der Grundlinie errichteten Sandhügel über das Netz hebt. Spätestens mit dem dritten Kontakt muss der Ball über das Netz gespielt werden, ohne dieses zu berühren. Wenn dies nicht gelingt, erhält der Gegner einen Punkt. Es werden zwei Gewinnsätze gespielt. Für einen Satzgewinn sind 18 Punkte mit mindestens zwei Punkten Vorsprung nötig, die nach dem Rally-Point-System gezählt werden. Ein Satz ist auf maximal 21 Punkte begrenzt.

Es ist spektakulär, was die Spieler jeweils auf ihrem acht mal acht Meter großen Feld so fabrizieren können. Unmöglichste Bälle werden noch per Fallrückzieher, Kopf- oder Schulterball gerettet, Ballannahmen mit der Brust werden zu Bogenlampen und die Schmetterbälle, die vollbracht werden, da traut man seinen Augen kaum.

Der bekannteste Footvolley-Spieler war Romario, der als Jugendlicher auf den Stränden von Rio diesen Sport praktizierte und erst später, mit 20 Jahren zum Fußball wechselte. Auch andere berühmte Fußballer lieben Footvolley, darunter Beckham, Ronaldo, Edmundo, Ronaldinho, Junior und Robinho.

Footvolley findet seit den 1990-er Jahren auch außerhalb von Brasilien Anklang. Seit 2003 gibt es die European Footvolley Federation (EFVF). Im vergangenen Jahr gewann Portugal die Europameisterschaft.

Im Jahre 2009 fand der erste Footvolley-Wettkampf in Rumänien statt, der von Pepsi  organisiert wurde. Die Qualifikationsrunden wurden in Temeswar und  Bukarest veranstaltet, das Finale fand auf dem Strand von Mamaia statt.

Bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro wurde Footvolley als Demonstrationssportart gespielt.

 

 

 

 

 

 

 

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