Roller Derby: Rempeln und Stoßen auf Rollen

Neue, unbekannte Sportarten (I) / Von Cynthia PINTER

Ausgabe Nr. 2665

Die rumänische Nationalmannschaft (rote Trikots) kämpfte bei der WM 2018 gegen Südafrika.     Foto: Marie LEANDER

Fußball, Basketball, Box, Tennis, Schwimmen oder Eishockey. Das sind einige der bekanntesten Sportarten der Welt. Aber es entstehen immer wieder neue Sportarten. Meistens sind es Abwandlungen alter Sportarten, manchmal aber auch total neue Disziplinen. In dieser Reihe möchten wir einige der im letzten und diesem  Jahrhundert erschienenen Sportarten vorstellen. 

 

Rempeln, Stoßen, Drängeln und alles auf Rollen. Ohne blaue Flecken und vollen Körpereinsatz geht es bei der Sportart Roller Derby nicht. Roller Derby ist ein aus den Vereinigten Staaten stammender Vollkontaktsport mit Rollschuhen, der mehrheitlich von Frauen ausgeübt wird. Herren-Roller-Derby wird gelegentlich als Merby (Men’s Roller Derby) bezeichnet.

Ein Roller-Derby-Team besteht aus bis zu 14 Spielern, von denen jeweils fünf gleichzeitig am Spielgeschehen teilnehmen können. Gelaufen wird auf einer ovalen Bahn entgegen dem Uhrzeigersinn, dem sogenannten Track.

Zwei Teams mit jeweils fünf Spielerinnen ab 18 Jahren fahren dabei auf einer ovalen Bahn (Track) in einer Sporthalle. Jedes Team hat vier Blocker, die den sogenannten Jammer des anderen Teams daran hindern müssen, ihr Team zu überholen. Gleichzeitig helfen sie ihrem eigenen Jammer, an den gegnerischen Blockern vorbeizukommen. Für jeden vom Jammer überholten Blocker gibt es einen Punkt für das Team des Jammers.

Ihre Wurzeln hat die Sportart in den USA der 1930-er und 1940-er Jahre. 1935 war Roller Derby ein schlichter Paarlauf. Zwei Journalisten war das zu langweilig. Sie verkürzten die Spieldauer, erlaubten heftigen Körperkontakt und erfanden das Roller Derby damit neu. Diese spektakuläre und rasante Art des Roller Derbys wurde in den darauf folgenden über 40 Jahren in den USA zum Publikumsmagneten. Teams spielten in ausverkauften Stadien vor über 50.000 Fans und wurden als Stars in Funk und Fernsehen gefeiert. Der Sport wurde nur von professionellen Akteuren betrieben, die wie im Wrestling auch abgesprochene, nur scheinbar brutale Aktionen und Handgemenge vorführten.

Marjorie „Toughie“ Brasuhn (rechts) versucht Gerry Murray (Bildmitte) zum Fall zu bringen. Vera Minenko (links) behält nur schwer das Gleichgewicht. Das Match fand am 10. Juni 1948 in den USA statt. Sowohl Brasuhn als auch Murray wurden in die Hall of Fame der Roller Derby Sportart aufgenommen.                         Foto: Ed Feeney, Chicago Tribune

Marjorie Brasuhn gab dem Sport zu dieser Zeit ein Gesicht und trug ihren Teil dazu bei, dass Roller Derby nach dem Zweiten Weltkrieg zum Frauensport wurde: Wegen ihrer leidenschaftlichen Art und ihrer stattlichen Breite wurde Brasuhn von ihren Fans nur „Toughie“ (so viel wie ,,harte Nuss“) genannt. Brasuhns Beispiel inspirierte viele junge Frauen, diesen Sport auszuprobieren – in einer Zeit, in der Profisport hauptsächlich Männern überlassen war. 1969 beendete Brasuhn ihre Karriere und starb wenig später an den Folgen einer Sportverletzung. Mit ihr geriet auch Roller Derby in Vergessenheit.

Als sich 1999 in Texas wieder ein Team gründete, bekam der Sport in den USA neuen Zulauf. Allerdings wurden die Regeln verschärft, um ernsthafte Verletzungen zu verhindern. Rempeln ist nur im Bereich zwischen Schultern und Knien erlaubt. Kopfnüsse, Ellenbogenchecks und Attacken in den Rücken sind verboten und werden mit Zeitstrafen geahndet.

In Deutschland gibt es inzwischen viele Roller Derby Teams. In Rumänien ist Roller Derby kaum bekannt, trotzdem gibt es eine Damen-Nationalmannschaft, die an internationalen Wettkämpfen teilnimmt und die aus im Ausland (USA, Kanada, England und Schweden) lebenden rumänischen Sportlerinnen besteht. 2018 nahm das rumänische Team an der Weltmeisterschaft in Manchester (Großbritannien) teil.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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