Industrie 4.0 – eine große Chance

Streiflichter vom zweiten DWS-Mitgliedertreffen in diesem Jahr

Ausgabe Nr. 2662

Werner Braun, der Geschäftsführer des Deutschen Wirtschaftsclubs Kronstadt (DWK) bei seiner Präsentation.                             Foto: der Verfasser

Am vergangenen Mittwoch fand das zweite Mitgliedertreffen des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) in diesem Jahr statt, wobei es wieder interessante Vorträge zu verschiedenen Themen gab. Cristian Lupeș, der neue Manager der Hermannstädter Staatsphilharmonie stellte seine Vorhaben vor, Rafael Mahl sprach über die private Charlotte Dietrich-Schule, die Neumitglieder Mihai Viorel Helju Geschäftführer und Eigentümer von Optima Real Estate Investment sowie Sebastian Baier, Geschäftsführer von re7consulting, stellten die Firmen, die sie vertraten, vor. Als Gast dabei war dieses Mal auch Werner Braun, Vorsitzender des Deutschen Wirtschaftsclubs Kronstadt (DWK), der auf das Thema Industrie 4.0 einging. Zu diesem Thema wird nämlich eine Karawane veranstaltet, in deren Rahmen am 26. März eine Konferenz auch in Hermannstadt stattfinden wird. Industrie 4.0 sei eine große Chance, da gute IT-Infrastruktur, gutes IT-Know-how vorhanden seien, andererseits werde es durch die steigenden Gehälter immer schwieriger für Unternehmen.

 

Cristian Lupeș stellte die Institution vor, die er leitet sowie das Angebot und einige Neuigkeiten. Das Ziel ist, das Publikum zu erweitern. Zu den Neuigkeiten zählt u. a. eine Jazz-Konzertreihe im Erdgeschoss. Außerdem ist man im Gespräch mit den Vertretern der evangelischen Stadtpfarrkirche für eine Barock-Spielzeit.

Die private deutsche Charlotte Dietrich Schule, wo nach dem Lehrplan aus Baden-Würtemberg gearbeitet wird, ist  eine Alternative zu staatlichen Schulen, vor allem für Expat-Kinder, Rückkehrer und nicht nur diese. Schulleiter Rafael Mahl ging auf einige Herausforderungen ein, die sich für die Schule ergeben.  Da die Schule die Eltern Schulgeld kostet, sind Stipendien oder Spender natürlich immmer willkommen. Eine Herausforderung ist vor allem, Lehrkräfte zu finden, die qualifiziert sind und Deutsch können. Schwierigkeiten bestehen aber auch darin die Schule vom deutschen und  vom rumänischen Staat anerkennen zu lassen. Einerseits wolle der deutsche Staat das deutsche Auslandsschulwesen nicht weiter ausdehnen, da in Deutschland Lehrermangel herrsche, andererseits erkenne der rumänische Staat die Schule nicht an, solange der deutsche Staat sie nicht anerkennt. Die Schule soll übrigens in das Gebäude der ehemaligen evangelischen Mädchenschule in der Salzgasse/Constituției, dem späteren Kinderpalast umziehen, die Frage ist, ob später wenn die Schule zu voller Kapazität anwachsen wird, hier genug Platz sein wird.

Zu den neuen Mitgliedern des DWS gehörte auch Mihai Viorel Helju, Geschäftsführer und Eigentümer von Optima Real Estate Investment. „Wir verstehen uns als einen Dienstleister für Greenfieldprojekte und zwar für diejenigen, die im Raum Hermannstadt in Industrieprojekte investieren wollen”, sagte Helju. Innerhalb von zehn Jahren wurden 300.000 Quadratmeter Industriefläche zur Verfügung gestellt. Weitere 600.000 Quadratmeter Fläche in der Gegend der Industriezone West, sollen in Zukunft für Industrieprojekte, Logistikprojekte u. a. zur Verfügung gestellt werden.

Zu den Neumitgliedern gehört auch Sebastian Baier, Geschäftsführer der Digitalagentur re7consulting in Rumänien.  Die Firma wurde 2011 in Deutschland gegründet, seit 2015 ist sie auch in Bukarest anwesend und möchte nun auch  in Hermannstadt aktiv werden. Die Firma kümmert sich um die online-Strategien ihrer Kunden, bietet aber auch Schulung und Beratung für Unternehmen im online-Bereich an.

Ein weiteres Thema im Rahmen des DWS-Treffens war Industrie 4.0.  Im Dezember hatte  bereits eine Konferenz zu diesem Thema in Kronstadt stattgefunden und am 26. März wird eine Veranstaltung auch in Hermannstadt stattfinden. Dieses Mal möchte man den Schwerpunkt auf die praktischen Anwendungen legen, wobei Best-Practice-Beispiele präsentiert werden sollen. „Wir wollen eine Community schaffen, zusammen arbeiten und hauptsächlich verstehen, wie Industrie 4.0 in Rumänien angewendet werden kann“, sagte Werner Braun. Bei den etwa 900 Firmen, die Mitglieder der deutschen Wirtschaftsclubs in Rumänien sind, sei es schade, wie wenig man zusammenarbeite.

„Eine große Chance“ sieht Braun in der Industrie 4.0, da hier eine gute IT-Infrastruktur und gutes IT-Know-how vorhanden seien. Andererseits sei man in der Produktion stark abhängig von Lohnarbeit, und durch die ständig steigenden Gehälter werde es für Unternehmen immer schwieriger. „Ich bin der Meinung, dass zur Zeit die unqualifizierten Mitarbeiter überbezahlt sind und das kann sich so nicht weiterentwickeln“, sagte Braun. Man müsse diese Arbeitskräfte qualifizieren und eine „andere Richtung einschlagen“, damit man zu hochqualifizierten Produktionsprozessen komme. Viele Firmen, vor allem große Unternehmen hätten das bereits gemacht, die Mittelständler müssten aber noch nachziehen. Außerdem gebe es hier, anders als im Westen, noch viele manuelle Arbeitsplätze, so bestünden hier auch ganz andere Anforderungen.

Dass Firmen aufgrund der Lohnstruktur schon abwandern, bemerke man im Automotivebereich bei den Kabelherstellern, die als Erste in Ländern mit niedrigerem Lohnniveau abwandern, stellte der DWS-Vorsitzende Harald Friedrich fest.

„Das ist schon das zweite erfolgreiche Projekt, das wir gemeinsam machen und ich bin ganz froh, dass die Wirtschaftsclubs mehr Interesse daran zeigen, zusammen zu arbeiten. Zusammen kann man einfach mehr bewegen“,  sagte Friedrich im Hinblick auf die kommende  „Industrie 4.0 Camp“-Konferenz, die vom DWK und DWS zusammen mit der Lucian Blaga-Universität am 26. März in Hermannstadt veranstaltet wird.

Werner FINK

 

 

 

 

 

 

 

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