Fünf Streicher und eine Sinfonie

Das Ensemble Wiener Kammersymphonie gastierte in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2662

Die Fünf von dem Ensemble Wiener Kammersymphonie (v. l. n. r.): Mátyás András, Lukas Medlam, Nebojsa Bekcic, Damian Posse und Sergio Mastro begeisterten das Hermannstädter Publikum.               Foto: die Verfasserin

Im Mozartjahr 2006 gegründet und im Beethovenjahr 2020 zum ersten Mal in Hermannstadt war das Ensemble Wiener Kammersymphonie am Samstag mit einem von dem Österreichischen Kulturforum geförderten Konzert auf der Bühne des Thalia-Saals zu Gast. Das Streicherquintett machte seinem Namen Ehre, indem es zwei für große Orchester komponierte Werke von Ludwig van Beethoven – die Ouvertüre der Oper ,,Coriolan“ und die 8. Sinfonie – interpretierte aber auch zwei Werke österreichischer Komponisten der Gegenwart, Johanna Doderer bzw.  Stefan Pelzl.

 

In der Zusammensetzung zwei Violinen, Bratsche, Cello und Kontrabass eine Sinfonie zu spielen, die für ein Orchester mit 80 Musikern geschrieben worden ist, fordert den vollen Einsatz jedes einzelnen der fünf Streicher. Für das Hermannstädter Publikum war es ein Erlebnis der besonderen Art. Bei der Interpretation der 8. Sinfonie von Ludwig van Beethoven konnte man zuweilen auch ein Blasinstrument hören, doch es war wohl die Bratsche oder die Violine.

,,Eine schöne Überraschung für uns war, dass der Manager der Philharmonie während unserer Probe dazukam und uns berichtete, dass der Saal ausverkauft ist. Das freut uns besonders“, sagte der künstlerische Leiter des Ensembles, der Cellist Sergio Mastro der Hermannstädter Zeitung in einem Gespräch im Vorfeld des Konzertes, das tatsächlich sehr gut besucht war.

Das Ensemble wirbt mit Konzerten in der ganzen Welt für die Wiener Musik aber, wie Mastro feststellt: ,,Niemand von uns ist ein echter Wiener, wir wohnen in Wien und wir versuchen immer, ein kosmopolitisches Konzept im Ausland anzubieten, vor allem, was die Wiener Musik anbelangt. Wir sind viel unterwegs, die österreichischen Behörden unterstützen uns dabei, weil sie wissen, dass wir eine gute Arbeit leisten. Wir werden zu viel in Anspruch genommen, aber lieber zu viel als zu wenig.“

An einem Konzert zum 250. Geburtstagsjubiläum des Titanen der Wiener Musikgeschichte arbeitet das Ensemble – Mátyás András (Violine) kommt aus Ungarn, Lukas Medlam (Violine) aus Großbritannien, Nebojsa Bekcic (Bratsche) aus Serbien, Damian Posse (Kontrabass) aus Spanien und Sergio Mastro (Cello) aus Italien – schon seit mehr als zwei Jahren, sagte Mastro. Dabei stellen die Konzertveranstalter immer wieder die Frage in den Raum, wie ein Streicherquintett eine Sinfonie aufführen kann. ,,Warum nicht?“ fragt seinerseits Mastro und stellt fest, es sei eigentlich gut, wenn im Vorfeld eines Konzerts eine gewisse Skepsis da sei, da könne das Ensemble punkten. Schließlich habe die Interpretation nichts mit der Lautstärke zu tun, sagt Mastro, sondern mit der Präsenz. Eine Sinfonie mit fünf Streichern zu spielen, das sei eine große Herausforderung. Was den Satz betrifft, hätten sie ein ,,Hybrid“ geschaffen zwischen alt und neu, es habe schon zu Beethovens Zeiten Sätze für Streicherquartette gegeben. Sie hätten nun bloß den Kontrabass als ,,Bassstimme des Orchesters hinzugefügt“. Das Ergebnis ließ sich hören.

Zu dem Ensemble sagte Mastro noch, es sei eigentlich ein ,,klein besetztes Streichorchester“. Was die Musikliteratur für diese Besetzung betrifft, müsse man viel recherchieren, denn es gibt kaum etwas. Mastro erwähnte George Onslow, der als ,,französischer Beethoven“ gilt und der mindestens zehn Werke für Streicherquintett komponiert hat. Allerdings spiele Onslow die Rolle des ,,Aschenbrödels“, da die Konzertveranstalter es vorziehen, Werke bekannter Komponisten auf das Programm zu setzen.

Das Ensemble Wiener Kammersymphonie versucht, diese Gewohnheit zu durchbrechen, indem es immer auch unbekannte oder zeitgenössische Werke in das Programm aufnimmt.

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

 

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