Aktuelle Herausforderungen im Fokus

Zur Jahrestagung des Forschungsinstituts für Geisteswissenschaften

Ausgabe Nr. 2653

Prof. Dr. Rudolf Gräf, Leiter des Instituts, Dr. Dan Dumitru Iacob, wissenschaftlicher Sekretär, und Prof. Dr. Zeno-Karl Pinter, Hauptschriftleiter der Forschungen für Volks- und Landeskunde, bei der Eröffnung der Tagung in der Institutsbibliothek (v. l. n. r.).

Die Jahrestagung des Forschungsinstituts für Geisteswissenschaften Hermannstadt, deren elfte Auflage unter dem Titel ,,Die Geisteswissenschaften zu Beginn des 3. Jahrtausends/ Științele socio-umane la începutul mileniului al III-lea“ am 6. Dezember 2019 stattfand, wurde traditionsgemäß mit einer Vorstellung hauseigener Publikationen eröffnet, der Vorträge in sechs Sektionen (Archäologie und Mediävistik, Geschichte der Vormoderne und Moderne, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Ethnologie, Kulturgeschichte und Germanistik) folgten. An der unter dem Zeichen der Bilanzierung stehenden und thematisch äußerst einladenden Tagung waren 65 Vorträge angemeldet – eine erfreuliche Anzahl, die zweifelsohne auch den soliden Ruf dieser Forschungsstätte und deren Mitarbeiter bestätigt.

 

In seiner Begrüßungsansprache wies der Institutsleiter, Prof. Dr. Rudolf Gräf, auf die Herausforderungen hin, denen sich die (Geistes)Wissenschaften und die Forscher-gemeinschaft in Zeiten des rasanten technischen Fortschritts und der Digitalisierung stellen müssen. Wie vielfältig diese Herausforderungen und die Forschungsschwerpunkte der Institutsmitglieder und -mitarbeiter ausfallen und welchen Stellenwert die wissenschaftliche Zusammenarbeit hat, verdeutlichten die im Plenum vorgestellten Neuerscheinungen und aktuellen Ausgaben der vier an diesem Institut angesiedelten Periodika („Jahrbuch des Instituts für Geisteswissenschaften Hermannstadt”, „Forschungen zur Volks- und Landeskunde“, „Historia Urbana“ und „Studien und Beiträge zur Ethnologie“).

Ein rundes Jubiläum feiert in diesem Jahr nicht nur die Zeitschrift „Forschungen zur Volks- und Landeskunde“ (FVL), die älteste Institutszeitschrift und einzige wissenschaftliche Publikation in deutscher Sprache, die unter der Schirmherrschaft der Rumänischen Akademie erscheint, sondern auch ihr Hauptschriftleiter, der Archäologe und Geschichtswissenschaftler Prof. Dr. Zeno-Karl Pinter. Anlässlich seines 60. Geburtstages widmete ihm Prof. Dr. Sabin Adrian Luca, Leiter des Brukenthalmuseums, das jüngste Heft der Zeitschriftenreihe „Brukenthal. Acta Musei“ (Band  XIV.1). In der Reihe „Monarhia Habsburgică (1848–1918)“ ist kürzlich eine von Dr. Rudolf Gräf herausgegebene, umfangreiche Textanthologie (Band 1; 478 S.) in rumänischer Übersetzung erschienen. Für die Übertragung der Texte zeichnet ein Forscherteam, das Fachleute aus Hermannstadt, Klausenburg und Temeswar vereint.

Prof. Dr. Ilie Moise, der sich auch durch die Verwertung der Archivquellen des Instituts verdient gemacht hat, stellte die neueste Publikation des Fachbereichs Ethnologie vor. Der vierte Band der von ihm herausgegebenen Publikationsreihe zur rumänischen Volkskunde Siebenbürgens (19. Jh.), eine Text-anthologie („Sebeșu de Jos – sub semnul identității, texte stabilite, studiu introductiv, note, anexe și bibliografie de Ilie Moise“), berücksichtigt die gesamte Breite mündlich überlieferter Gattungen aus den 1950er-Jahren.

In der kleinen Sektion Germanistik, die Dr. Sigrid Haldenwang seit Jahren betreut, standen gleichfalls aktuelle Herausforderungen – der Erhalt des wichtigsten Vermächtnisses Sprache – im Fokus: schwindende Sprachloyalität bei den Trägern außereuropäischer Varietäten (Dr. Doris Sava), drohender Sprachverlust und Chancen des Deutschen in Rumänien (Dr. Gerhild Rudolf), die Mühen lexikografischer Großprojekte am Beispiel des kürzlich abgeschlossenen Bandes 11 des Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuchs, das „Herzstück“ dieses Instituts, das seit Jahrzehnten in Dr. Sigrid Haldenwang eine treue Weggefährtin hat, oder die Bewältigung von Trauer in Todesanzeigen (Drd. Cristina Mihail).

In den Eröffnungsansprachen der diesjährigen Auflage wurden nicht nur die runden Jubiläen der Institutsmitglieder oder -publikationen gewürdigt, sondern auch die Bemühungen aller Mitarbeiter von nah und fern. Dass ihr Wirken in Zeiten finanzieller Engpässe durchaus mühevoll und nicht selbstverständlich ist, muss weiter nicht betont werden.

Doris SAVA

 

 

 

 

 

 

 

Posted in Forschung, Aktuelle Ausgabe.