Siebenbürgische Kunst in Paris

Gespräch mit dem Galeristen Thomas Emmerling vom Kunsthaus 7B

Ausgabe Nr.2647

Frederich Leglise malt in seiner Werkstatt an einem der Bilder, die in seiner Ausstellung im Kunsthaus 7B zu sehen sein werden.                 Foto: Privat

Ganz Paris stand über eine Woche lang nur noch im Zeichen der Kunst für gutbetuchte Sammler und VIPs bei der FIAC (Foire Internationale d’Art Contemporain), dem Supermarkt der Superlative und dann im ,,off” bei anderen Märkten, die zivilere Preise haben, wie ,,Asia Now”, ,,Outsider Art Fair”, ,,Paris Internationale”, letztere mit junger Kunst, oder ,,Galeristes”, einem Zusammenschluss von etwas ,,menschlicheren” Galerien, die der Unerreichbarkeit des FIAC- Grals überdrüssig sind und wo auch Werke von Gherasim Luca zu sehen waren. Daneben gewinnt eine andere Form immer mehr an Gewicht, private Shows, auf persönliche Einladung. So zeigte das Kunsthaus 7B aus Michelsberg in diesem Jahr Werke vom Surrealismus bis zur Gegenwartskunst.

Claus R e h n i g, der Paris-Korrespondent der Hermannstädter Zeitung, sprach mit  dem Leiter der Michelsberger Galerie, Thomas Emmerling, der sehr froh war, in der franko-rumänischen Galerie von Paul Amarica auszustellen zwischen Bernard Buffet aber auch Künstlern aus Kronstadt und anderen Gegenden von Rumänien, wo er sich somit fast zuhause in Siebenbürgen fühlte.

 

Was führte Sie nach Paris?

Es ist natürlich so, dass Paris noch immer die Hauptstadt der Kultur ist und dann vor dem Hintergrund, was hier an kulturellen Aktivitäten passiert, was hier los ist: man muss hier sein! Und gerade jetzt zu Beginn des Herbstes ist genau die richtige Zeit, wo die Menschen sich wieder mit Kunst auseinandersetzen.

Eine kleine Sensation, Sie zeigen einen Victor Brauner…

Das Bild ist auch das erste Mal in Paris zu sehen, es ist ein frühes Werk von Victor Brauner (1903-1966) aus den Jahren 1929/30 mit dem Titel „Poetul Geo Bogza arată capului său peisajul cu sonde“ (Der Dichter Geo Bogza zeigt seinem Kopf die Landschaft mit den Erdölsonden). Das war das Rumänien der dreißiger Jahre, nördlich von Bukarest die Ölfelder. Das Bild war vor Paris bereits den Sommer über im Kunsthaus 7B in Michelsberg zu sehen.

Es gibt auch eine wie immer überfüllte Bleistiftzeichnung von Mureșan…

Die Klausenburger Schule muss natürlich auch da sein, und Ciprian Mureșan hat schon einiges gezeigt in Paris. Das was wir hier präsentieren ist aus privaten Sammlungen, das auch zum Verkauf angeboten wird, und da gehört natürlich Ciprian Muresan mit dazu. Weiterhin haben wir die in Hermannstadt geborene Teodora Axente. Teodora Axente ist eine Künstlerin aus der Klausenburger Schule, die gerade dabei ist sich international zu etablieren mit ihrer Galerie in New York oder auch in Mailand. Auf der anderen Seite sind das auch Künstler, die sehr wichtig sind für Rumänien, weil sie auch den rumänischen Nachwuchskünstlern Mut machen, zuhause zu bleiben: in der Welt auszustellen, in der Welt zu verkaufen, aber zuhause zu bleiben. Man muss nicht immer zu Aldi an die Kasse…”.

Victor Brauner: „Poetul Geo Bogza arată capului său peisajul cu sonde“ (Der Dichter Geo Bogza zeigt seinem Kopf die Landschaft mit den Erdölsonden; Öl auf Leinwand, 1929)

Und dann ist da noch ein großformatiges, sehr expressives Bild, das gleich ins Auge fällt…

Ja, ein weiteres Highlight unserer Ausstellung sind Werke von der Bukarester Künstlerin Oana Ionel. Sie ist eine der jungen und wie ich denke, sehr interessanten Künstlerinnen, weil sie es verstanden hat, einen gewissen Anspruch an Ästhetik in abstrakten Arbeiten zum Ausdruck zu bringen: Es sind pastellfarbene Töne, die aber trotzdem sehr kräftig sind und da merkt man auch die Persönlichkeit der Künstlerin selber und man sieht die Struktur. Das kommt in der Kombination von Öl und Wachs zum Ausdruck, das ist ein Experiment von ihr und das wollten wir auch in Paris zeigen.

Oana Ionel beschreibt ihr Bild ,,Die Geschichte von Ada Kaleh,“ aus der Donauserie so: ,,Ein Projekt an dem ich seit drei Jahren arbeite. Es geht um das Symbol Donau, die 14 Länder durchquert, die Verbindungskraft des Wassers und ein anderes Symbol, die Grenzen, die durch die Präsenz des Wassers verschwinden. Ein Bild über die Insel Ada Kaleh, die überflutet wurde, eine Kultur, die dort verschwand. Die Idee der Erinnerung stand da im Vordergrund”.

Dafür hat sie laut eigener Aussage Farben von besonderem Symbolwert verwendet: Dunkelblau, Violett und Grün, kraftvolle Farben, die die spirituelle Dimension hervorheben, was sie mit der Flüsse-Thematik erreichen wollte.

Herr Emmerling, Sie reisen viel für die Kunst?

Wenn man sich mit Kunst beschäftigt, sieht man die Welt auch von einer anderen Seite, wie hier in Paris. Man sieht schöne und elegante Galerien, wie hier nicht weit von den Champs-Elysées. Man sieht viel, wenn man viel reist und ich ziehe es manchmal vor, auf den Landstrassen unterwegs zu sein statt mit dem Flugzeug, da kann man ein anderes Gespür für die Alltagskultur der Menschen entwickeln. Und dann kann man verstehen, warum zeitgenössische Kunst sich mit Themen wie Minimalisierung beschäftigt.

Aber am meisten freut es mich, wenn man wie hier in Paris Kontakte knüpft und die Leute dann die Einladung annehmen, uns in Siebenbürgen zu besuchen.

Die nächste Gelegenheit bietet sich am Sonntag, den 3. November an. Um 16 Uhr findet nämlich die Vernissage der neuesten Ausstellung ,,Frederic Leglise – Der Künstler und das Model. Französische Kunst in Siebenbürgen“ im Kunsthaus 7B in Michelsberg statt. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen!

Danke für das Gespräch!

Thomas Emmerling

 

 

 

 

 

 

 

 

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