Frauen standen im Mittelpunkt

Erste Auflage der Österreichischen Kulturtage in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2648

Bei der Vernissage der Ausstellung im Foyer des Rathauses sprachen (v. l. n. r):  Bürgermeisterin Astrid Fodor, Thomas Koiber, Direktor des Österreichischen Kulturforums Bukarest, der Luxemburger Honorarkonsul Daniel Plier, die stellvertretende Kreisratsvorsitzende Christine Manta-Klemens und Teresa Leonhardt. Foto: Fred NUSS

Mit der Vernissage der Ausstellung ,,KALLIOPE Austria – Frauen in Gesellschaft“, die eine beeindruckende Sammlung herausragender Frauenpersönlichkeiten aus Österreich vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart zeigt, die Österreich geprägt und Zeitgeschichte geschrieben haben, wurde die erste Auflage der Österreichischen Kulturtage in Hermannstadt am 25. Oktober d. J. im Foyer im Rathaus am Großen Ring offiziell eröffnet. Die Kulturtage standen unter dem Motto ,,@Home in Central Eastern Europe/Heimat bist du großer Töchter“. Am gleichen Tag hatte die Initiatorin und Hauptorganisatorin vor Ort, Teresa Leonhard, in der Aula der Brukenthalschule Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden der Lucian Blaga-Universität einen Workshop zur Ausstellung angeboten.

Die Projekt-Musikkapelle ,,Salzburgmusi“ konzertierte beim Empfang zum Österreichischen Nationalfeiertag im Ballsaal des Hilton-Hotels. Foto: Fred NUSS

Zwei in der Ausstellung porträtierte Frauen standen denn auch im Mittelpunkt des Gastspiels mit ,,Arbeit, lebensnah“, einer Koproduktion von portraittheater mit AK Kultur – Oberösterreich und Theater Drachengasse Wien am Samstag, den 26. November, im Studiosaal des Radu Stanca-Nationaltheaters im Ion Besoiu-Kulturzentrum: Käthe Leichter und Marie Jahoda, gespielt von Anita Zieher bzw. Brigitta Waschnig.

Die Veranstalter bedankten sich mit Blumen bei Anita Zieher (links) und Brigitta Waschnig für ihren ausgezeichneten Auftritt am Samstagabend. Foto: Beatrice UNGAR

Der 2006 gegründete Wiener Verein portraittheater ,,bringt außergewöhnliche Frauen auf die Bühne und macht ihr Werk und Wirken für das Publikum erlebbar“ heißt es in dem Programmheft. Die beiden Schauspielerinnen erfüllten dieses ,,Programm“ unter der Spielleitung von Sandra Schüddekopf ausgezeichnet. Das karge Bühnenbild – es waren nur Kartonschachteln in drei Farben darauf  gestellt – bot unzählige Kombinationsmöglichkeiten. Der Fokus lag auf dem gesprochenen Wort. Die beiden Schauspielerinnen erzählten aus dem Leben der beiden Frauenpersönlichkeiten und flochten dabei eine Menge aussagekräftiger Zitate ein. So hat die Sozialwissenschaftlerin und Gründerin sowie Leiterin des Frauenreferats der Wiener Arbeitskammer, Dr. Käthe Leichter (1895-1942), geschrieben: ,,Die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit muss nach wie vor als oberstes gewerkschaftliches Prinzip gelten.“ Diese Forderung ist auch heute noch aktuell, muss festgestellt werden.

Ebenso aktuell auch die Aussage der Sozialpsychologin Marie Jahoda (1907-2001): ,,Arbeitslosigkeit führt zur Resignation, nicht zur Revolution“.

Einige Akteure der Probe mit Publikum der Inszenierung ,,Einige Nachrichten an das All“ von Wolfram Lotz, (v. l. n. r.): Ana Tiepac, Valentin Späth, Regisseur Josef Maria Krasanovsky, Daniel Bucher, Cristina Juks und Johanna Adam.                                               Foto: Beatrice UNGAR

Zu einer Probe mit Publikum wurde am Sonntagabend ebenfalls in den TNRS-Studiosaal eingeladen. Hier begrüßte zunächst der derzeitige Leiter der deutschen Abteilung am Radu Stanca-Nationaltheater, Hunor Horváth, die interessierten Zuschauerinnen und Zuschauer und bat alle Schauspielerinnen und Schauspieler auf die Bhne, die in dem Stück ,,Einige Nachrichten an das All“ von Wolfram Lotz mitmachen, das am 14. November auf der Bühne des Radu Stanca-Nationaltheaters Premiere feiern wird. Die einzelnen Akteure stellte der österreichische Gastregisseur Josef Maria Krasanovsky vor. Auf der Bühne agierten dann nur Valentin Späth, Ana Tiepac und Daniel Bucher. Das Publikum war vor dem Eingang aufgefordert worden, auf bereitgelegte Zettel eine ,,Botschaft an das All“ aufzuschreiben. Was mit diesen  ,,Botschaften“ in der Inszenierung geschieht, verraten wir  nicht, das dürfen die Theaterliebhaber am 14. oder 15. November d. J. bei der Premiere erleben.

Fabiola Petri, Nils Jensen und Moira Pawallek bei der szenischen Lesung im Festsaal des Pädagogischen Lyzeums.            Foto: Gerhard DEEKEN

Interaktiv ging es auch am Montag danach zu: Zwei derzeitige Praktikanten  aus Deutschland und die Hermannstädter Schauspielerin Fabiola Petri präsentierten am Vormittag Schülerinnen und Schülern der Brukenthalschule sowie des Pädagogischen Lyzeums eine mit dem Schauspieler und Regisseur Daniel Plier vorbereitete szenische Lesung mit dem Stück ,,Hot Jobs“ (zu Deutsch: Heiße Berufe). Im Anschluss gab es angeregte Gespräche mit den begeisterten Schülerinnen und Schülern. Die beiden Praktikanten  Moira Pawallek und Nils Jensen haben die Freiburger Schauspielschule absolviert und sind drei Monate mit einem Erasmus+-Programm an der Abteilung für Bühnenkünste der Lucian Blaga-Universität und an der deutschen Abteilung des Radu Stanca-Nationaltheaters tätig. Das Stück ,,Hot Jobs” hat Raoul Biltgen verfasst, ein Autor, Schauspieler und Regisseur aus Luxemburg, der aber schon seit Jahren in Wien lebt, wo das Stück auch uraufgeführt wurde – von daher die Lesung im Rahmen der österreichischen Kulturtage. Daniel Plier, der in Hermannstadt das Amt des Honorarkonsuls des Großherzogtums Luxemburg bekleidet, hat übrigens das Projekt, mit dem Stück alle deutschsprachigen Schulen zumindest in Siebenbürgen zu besuchen, beim Luxemburger Kulturministerium eingereicht und hofft auf einen positiven Bescheid.

Da die Frauen im Mittelpunkt standen, gab es am Samstag ein sehr gut besuchtes Diskussionsforum im Café Wien zum Thema ,,Frauen in Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft in Rumänien & Österreich“ und am Montag für die Studierenden der Lucian Blaga-Universität ein Seminar zum Thema ,,Gleichberechtigung in Frauenbiografien“, gehalten von Teresa Leonhard und Camelia Proca.

Nach fünf vollen und erfolgreichen Tagen durften alle mitfeiern beim Empfang zum Österreichischen Nationalfeiertag am Dienstag der Vorwoche. Eingeladen hatte Österreichs Honorarkonsul in Hermannstadt, der Unternehmer Andreas Huber.

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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