Politische Bildung im Fokus

,,Hermannstädter Gespräche“ im Spiegelsaal

Ausgabe Nr. 2644

Karl-Heinz Aschenbrenner (Universität Ludwigsburg), Christine Wally (Grundschullehrerin an der Charlotte Dietrich-Schule), ifa-Kulturmanagerin Aurelia Brecht, Dr. Robert Pfützner (Best-Sabel-Berufsakademie Berlin) beantworteten auch Fragen aus dem Publikum (v. l. n. r.).Foto: Winfried ZIEGLER

Das Thema der  Gesprächsrunde „Hermannstädter Gespräche“, die ihre Fortsetzung am 3. Oktober im Spiegelsaal des Hermannstädter Deutschen Forums gefunden haben, „Prinzipien und Angebote der politischen Bildung von Jugendlichen“, war gut gewählt. Konnte die gut vorbereitete Moderatorin Aurelia Brecht (ifa-Kulturmanagerin) doch erstaunlich viele interessierte Zuhörer im Spiegelsaal begrüßen. Das Podium besetzt mit Karl-Heinz Aschenbrenner (Universität Ludwigsburg), Dr. Robert Pfützner (Best-Sabel Berufsakademie Berlin) und Christine Wally (Charlotte-Dietrich-Schule Hermannstadt/Hammersdorf) war sehr kompetent zusammengesetzt.

Die Podiumsleitung verzichtete auf ein Impulsreferat, so dass die Teilnehmer sofort nach einer persönlichen Vorstellungsrunde ins Thema einsteigen konnten. Als Ziele des Schulunterrichtes wurde von den Podiumsteilnehmern  Themen wie: politische Bildung braucht Grundlagen, Erziehung zu einer differenzierten Mediennutzung, kritische Haltung fördern, politische Bildung ist lebenslanges Lernen und einige andere definiert. Wobei jeweils darauf hingewiesen wurde, dass natürlich „Ziele und Inhalte im Fluss“ sind.

Die Frage, wie die Schulen in Zeiten der sogenannten ,,Sozialen Medien“ und des sich breit machenden Verächtlichmachen von  „Parlamentarischer Demokratie“ durch leider demokratisch gewählte Populisten reagieren sollen, wurde als große Herausforderung bei der Wissensvermittlung im Verlauf des sehr informativen Austauschs mit dem Publikum thematisiert.

Dabei machte aber auch ein Gast aus dem Publikum klar, dass man die gesellschaftliche Situation in Rumänien, die auf die Schüler nicht unerheblichen Einfluss hat, nicht eins zu eins mit der aus Deutschland vergleichen kann. Die nicht sehr langen demokratischen Erfahrungen und die noch nicht vollständig aufgearbeitete kommunistische Vergangenheit in Rumänien machen auch andere Ansätze bei der Wissensvermittlung nötig. Die Darstellung aus dem Publikum wurde von starkem Beifall unterstützt.

Karl-Heinz Aschenbrenner bedankte sich für den Beitrag aus dem Publikum und formulierte seine Antwort sehr treffend mit seiner schon vorher geäußerten These: „Ziele und Inhalte sind im Fluss“!

Einen sehr interessanten Aspekt warf die Frage auf, in wie  weit die Angst  der Lehrer vor einer einseitigen politischen Vereinnahmung  eine Rolle spielt. Zumal heute Schulklassen  pluriethnisch und plurikonfessionell zusammengesetzt sind und das Politikverständnis des Elternhauses nicht immer mit den Zielen des Lehrplans übereinstimmt.

Auch die Tendenz des Rückzuges des Staates aus der politischen Bildung mit der Wirkung, dass NGO´s oder Religionsgemeinschaften die politische Bildung nach ihren Interessen übernehmen, wurde intensiv diskutiert.

Ob die ,,Friday for Future“ –  Bewegung, die hauptsächlich mit Forderungen argumentiert und nicht wie frühere demokratische Bewegungen – siehe die 68er Bewegung, die für politische Teilhabe und Vergangenheitsbewältigung  kämpfte – als unbedingt hilfreich angesehen werden kann, ist nicht abschließend beantwortet worden. Klar und eindeutig ist aber die ,,Friday for Future“ Bewegung als positives Element bei der Vermittlung von politischer Bildung klassifiziert worden.

Karl-Heinz Aschenbrenner formulierte gegen Ende der Veranstaltung seinen Gedanken, dass wir auf Grund der weltweiten politischen und gesellschaftlichen  Veränderungen durch die digitalen Medien, Kybernetik, Globalisierung usw.  Schule anders denken  und radikale Änderungen einleiten müssen.

Dem Verfasser des Artikels ist beim Verfolgen der hoch interessanten Veranstaltung  noch  das Zitat von Dr. Georg August Zinn, ehemaliger Hessischer Ministerpräsident, eingefallen: „Demokratie ist keine Staatsform, Demokratie ist eine Lebensform“!

Zum Ende der rundum gelungenen Veranstaltung soll die Feststellung aus dem Publikum nicht unerwähnt bleiben:  „Ich bin nicht hilflos, ich kann etwas tun!“

Etwas getan zu haben, das hat diese Veranstaltung  sicher geleistet.

Lothar SCHELENZ

 

 

 

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