Klangkörper der Superlative zu Gast

Limburger Domchor erstmals auf Konzert- und Studienreise in Siebenbürgen

 Ausgabe Nr. 2644

Der Limburger Domchor auf der Orgelempore in der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche am Großen Ring in Hermannstadt, in der Sonntagsmesse am 6. Oktober d. J.                                                    
Foto: Beatrice UNGAR

Ein evangelischer Siebenbürger Sachse ist es, der es schaffte, den renommierten Limburger Domchor zu einer Konzert- und Studienreise nach Siebenbürgen zu bringen. Es handelt sich um Heinz Hermann, seines Zeichens Vorsitzender der Heltauer Heimatortsgemeinschaft (HOG). Ein Brückenbauer also, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Cousine seiner Gattin Inge, Sabine Weber (mit Heltauer und Heldsdorfer Wurzeln) singt in dem Domchor. Die diesjährige Auslandsreise sollte nach Irland oder Siebenbürgen führen. Nachdem Domchordirektorin Judith Kunz mit ihrem Gatten Rumänien bereist hatten, fiel die Wahl auf Siebenbürgen.

Der Limburger Domchor machte sich mit 42 Sängerinnen und Sängern und einigen Begleitpersonen nach Siebenbürgen auf. Vom 3. bis 9. Oktober besuchten sie Kronstadt, Hermannstadt, Schäßburg und Klausenburg. Der Klangkörper ist ein Beispiel für gelebte Ökumene, denn hier singen nicht nur Angehörige der römisch-katholischen Konfession.

Und er blickt auf eine lange Geschichte zurück: Mit der Gründung des Bistums Limburg im Jahr 1827 wurde aus dem Pfarrchor des St. Georgsstiftes der Limburger Domchor. Die Hauptaufgabe besteht in der musikalischen Gestaltung der Liturgie am Dom. Darüber hinaus prägt das Ensemble durch regelmäßige Konzerte das kulturelle Leben der Stadt Limburg. Viele Sängerinnen und Sänger stammen aus den Chorgruppen der Mädchenkantorei und der Domsingknaben und bringen somit einen reichen Erfahrungsschatz mit.

So stellt sich der Domchor auf seiner Internetseite selbst vor: ,,In einer wöchentlichen Probe werden auf hohem Probenniveau Werke von der frühen Mehrstimmigkeit bis hin zu zeitgenössischer Vokalmusik erarbeitet. Die Probenarbeit wird durch die Einzelstimmbildung, die alle Sängerinnen und Sänger erhalten, unterstützt. In Zusammenarbeit mit dem Limburger Domorchester kommen große Orchestermessen und oratorische Werke zur Aufführung. Als Botschafter der Kathedrale und der Stadt Limburg unternimmt der Domchor regelmäßig Konzertreisen  im In- und Ausland und war in den letzten Jahren in Brasilien, Südafrika, Italien und an der Ostküste der USA zu hören. Die vielen musikalischen und gemeinschaftlichen Aktivitäten prägen die Chorgemeinschaft und das Miteinander.“

Das erste Konzert boten die Gäste am 4. Oktober in der Schwarzen Kirche in Kronstadt vor einem zahlreichen Publikum. Sie waren selbst überwältigt und beeindruckt von dem guten Konzertbesuch und den anschließenden anregenden Gesprächen mit Mitgliedern der Honterusgemeinde und der beiden Bachchöre.

Heinz Hermann, Martin Bottesch, der Vorsitzende des Siebenbürgenforums, Konsul Hans Erich Tischler und DFDR-Geschäftsführer Benjamin Józsa (v. l. n. r.) beim Podiumsgespräch mit den Gästen aus Limburg im Spiegelsaal des Hermannstädter Deutschen Forums.
Foto: Beatrice UNGAR

Es gab aber auch spontane Singen.  Am Samstag Abend als Abschluss zum Tag der Offenen Tür im Bischofspalais wurden sie von Bischof Reinhart Guib empfangen und brachten spontan im Innenhof drei Lieder zu Gehör. Sie schlossen ab mit dem Lied ,,Willst Du Gottes Werke schauen, komm ins Siebenbürgenland“. Dieses Lied hatte Inge Hermann – sie singt u. a. in der Heltauer Liedertafel mit) während der Vorbereitungen in Deutschland aus ihrer Chormappe hervorgeholt, als die Domchordirektorin Judith Kunz nach einem besonderen siebenbürgischen Lied gefragt hatte. Das Lied gefiel den Limburger Sängerinnen und Sängern so gut, dass sie es auch zum Abschluss in Schäßburg noch einmal im Halbkreis aufgestellt ihren Gastgebern darboten.

Sonntag sangen sie im Gottesdienst in der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche am Großen Ring in Hermannstadt  Kyrie, Gloria, Sanctus und Benedictus, Agnus Dei aus der ,,Cantus Missae“ von Josef Gabriel Rheinberger und ,,Oculus non vidit“ und ,,Anima Christi“ von Rihards Dubra, einem lettischen Gegenwartskomponisten, Jahrgang 1964. Es war eine Bereicherung der Messe, für die sich Stadtpfarrer und Dechant Oskar Raicea explizit bedankte.

Dieser Auftritt lockte dann auch viele in das Konzert in der Johanniskirche am Sonntagabend.

Im Rahmen der Reise wollten die Mitglieder des Limburger Domchores auch Land und Leute kennenlernen. In Hermannstadt bat Heinz Hermann erfolgreich Martin Bottesch, den Vorsitzenden des Siebenbürgenforums, Konsul Hans Erich Tischler und DFDR-Geschäftsführer Benjamin Józsa um ein Podiumsgespräch, das am Montag im Spiegelsaal des Hermannstädter Deutschen Forums stattgefunden hat.

Nicht zuletzt sei erwähnt, dass der Limburger Domchor im Februar 2020 ein Benefizkonzert im Dom plant, dessen Erlös an die evangelische Kirchengemeinde A. B. in Heltau für die Renovierung der Heltauer Kirchenburg, die in vollem Gange ist, bestimmt ist.                         Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

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