In schier ununterbrochener Folge

250 Jahre seit der Geburt des Michael von Heydendorff des Jüngeren

Ausgabe Nr. 2643

Michael von Heydendorff der Jüngere (* 7. April 1769, † 29. August 1857)

Am 7. April 1769 wurde Michael von Heydendorff der Jüngere als damals jüngster Spross der angesehenen Mediascher Familie geboren. Während über zwei Jahrhunderten spielten Mitglieder der aus Bistritz nach Mediasch gekommenen Familie Conrad Edle von Heydendorff im öffentlichen Leben der Stadt und auch von Siebenbürgen eine bedeutende Rolle. Seit 1676 gehörten Heydendorffs in schier ununterbrochener Folge dem Mediascher Magistrat an, stellten abwechselnd mit anderen Familien die Bürgermeister sowie Königs- und Stuhlsrichter der Königlich Freien Stadt und des Mediascher Stuhls.

 

Samuel Conrad, der erste in der Ahnenreihe, lenkte die Geschicke der Stadt unter Gefahr für Leib und Leben in den unruhigen Zeiten der „Kuruzenkriege“. In Zeiten der Pest am Anfang des 18. Jahrhunderts bekleidete er als einzig am Leben gebliebenes Mitglied des Guberniums zeitweilig das Amt eines Gubernators von Siebenbürgen. Sein Enkelsohn Michael Conrad von Heydendorff d. Ä., der vermutlich bedeutendste Spross der Familie, bekleidete in seinen 91 Lebensjahren auch über seine Heimatstadt hinaus zahlreiche öffentliche Ämter, darunter auch jene eines Gubernialrats und eines Vizegespans. In den stürmischen Jahrzehnten der Josefinischen Reformen kämpfte er in vorderster Reihe, wenn es darum ging, die traditionelle Ordnung zu erhalten und die Auswirkungen der Reformen auf das siebenbürgisch-sächsische Gemeinwesen einzudämmen. Auch sein Sohn Michael der Jüngere war ein bekannter Mann des öffentlichen Lebens, der bei der Gründung des Vereins für Siebenbürgische Landeskunde dabei war und die blutigen Auseinandersetzungen der Jahre 1848 und 1849 dramatisch miterlebte.

Bürgermeister Gheorghe Roman (links) und Ehrengäste bei der Enthüllung der Gedenktafel.
Foto: Sergiu TÖRÖK

Unter der Ägide des Bürgermeisters Gheorghe Roman wurde am 25. September 2019 in Mediasch eine Gedenkfeier abgehalten, die nicht nur an die 250. Wiederkehr der Geburt Michael des Jüngeren erinnerte, sondern auch einen geeigneten Rahmen bildete, um die Verdienste der Heydendorffs um Mediasch und Siebenbürgen zu würdigen. Es ist ein Projekt, an dem das Demokratische Forum der Deutschen Mediasch (DFDM), die evangelische Kirchengemeinde A. B., die Heimatgemeinschaft Mediasch e. V. (HGM), Mitglieder der Familie Conrad von Heydendorff, des zur Direktion für Kultur, Tourismus, Jugend und Sport gehörenden Munizipalmuseums (MMED) und des Siebenbürgischen Museums in Gundelsheim beteiligt waren. Maßgeblich wurde das Projekt von Helmuth Julius Knall und Laci Ciocan (DFDM), Viorel Ștefu (MMED) und Hansotto Drotloff (HGM) in die Tat umgesetzt, unter Mithilfe zahlreicher treuer und professioneller Helfer.

Auf Einladung des Bürgemeisters haben vier direkte Nachkommen der Familie Conrad von Heydendorff an der Gedenkfeier teilgenommen: Annemarie Olga Conrad von Heydendorff-Aschenbrenner geb. Conrad von Heydendorff und ihr Gatte Dieter Aschenbrenner, Ulrike Charlotte Conrad von Heydendorff – Wolfrum geb. Conrad von Heydendorff und ihr Gatte Peter Leo Wolfrum, Dagmar Lommatzsch geb. Suckow und ihr Gatte Ulrich Lommatzsch sowie Helga Scharf geb. Suckow und ihr Gatte Erwin Scharf.

Der Tag begann mit der Enthüllung einer Gedenktafel am Haus Nr. 1 am König Ferdinand I Platz (ehemals Großer Marktplatz) 1, dem ehemaligen Wohnhaus Daniel Conrad von Heydendorffs, in dem sich in den Jahren 1855-1979 der Sitz der Mediascher Stadtverwaltung befand. An dieser historischen Stätte hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden. Moderiert von Helmuth Julius Knall sprachen der gastgebende Bürgermeister Gheorghe Roman, Werner Müller, Vorsitzender des DFDM, Alfred Gökeler, Vorsitzender der HGM und Pfarrer Gerhard Servatius-Depner Grußworte. Hansotto Drotloff, Kulturreferent der HG Mediasch, wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung der Familie Heydendorff für die Stadt hin.

Die Ehrengäste aus der Familie von Heydendorff. 
Foto: Sergiu TÖRÖK

In der Zeitspanne von 1675 bis 1874 waren Männer aus dieser Familie in den verschiedensten Ämtern im Magistrat tätig. Allein sechs Familienmitglieder waren Bürgermeister, immer wieder bekleideten sie Ämter wie Sekretäre, Notare, Senatoren, Stuhl- und Königsrichter. Der Redner dankte allen, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben und unterstrich, dass mit der Würdigung an diesem Tag die Familie gleichsam in die Stadt zurückgekehrt ist. Musikalisch umrahmt wurde das Ereignis von Edith Toth (Querflöte) und Gerhard Servatius-Depner (Violine).

Zusammen mit Bürgermeister Roman enthüllten die Nachkommen der Heydendorffs eine Gedenktafel an der Fassade des repräsentativen Hauses. In dem Torgewölbe des Hauses wurden zweisprachige Tafeln zur Erläuterung angebracht. Linkerhand stellen sie das alte und das neue Stadtwappen dar, auf der gegenüberliegenden Seite erläutern vier Tafeln kurz die Struktur des Mediascher Magistrats, die Geschichte der drei Rathäuser der Stadt und kurze Biographien der sechs Heydendorff-Bürgermeister.

Die Stadtverwaltung schenkte den Ehrengästen aus der Familie je eine Gedenkplakette mit dem Familienwappen und dem heutigen Mediascher Stadtwappen und eine schöne Ofenkachel mit dem Familienwappen, die in der hiesigen Keramikfabrik „Teracota Medias“ gestaltet und von Hand hergestellt wurde.

Im Mediascher Museum wurde in Zusammenarbeit mit dem Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim, dem Demokratischen Forum der Deutschen Mediasch und der Heimatgemeinschaft Mediasch e. V. eine Ausstellung eröffnet. Auf 21 zweisprachigen Schautafeln werden wichtige Stationen aus dem Leben und Wirken der Heydendorffs dargestellt. Bei dieser Gelegenheit wurden die 14 Gemälde mit Portraits von Angehörigen dieser Familie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Kopien von fünf dieser Gemälde in Originalgröße konnten dem Museum als Dauerleihgabe durch das Demokratische Forum der Deutschen Mediasch überreicht werden; dies Vorhaben wurde durch das Departement für interethnische Beziehungen finanziert. Das Mediascher Bürgermeisteramt finanzierte zudem die Restaurierung eines Gemäldes aus dem Bestand des Museums, das den jugendlichen Johann Peter von Heydendorff in der Uniform eines Mitglieds der Königlichen Ungarischen Nobelgarde zeigt. Seitens der HG Mediasch und der Familie wurden wertvolle Buchgeschenke überreicht. Die Ausstellung ist bis zum 25. November d. J. im Mediascher Museum, str. Mihai Viteazul 46, zu besichtigen.

Anschließend an die Vernissage fand noch ein kleines Symposium statt, das dem Wirken der Familie Heydendorff und ihrer Zeit gewidmet war. Es referierten Helmuth Knall, Ela Cosma (Klausenburg), Gudrun Liane Ittu (Hermannstadt), Viorel Ștefu und Hansotto Drotloff (Alzenau).

Hansotto DROTLOFF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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