Einschlafen erlaubt

Wiegenlieder aus aller Welt erklangen im Spiegelsaal

Ausgabe Nr. 2646

Rodica Vică und Barbara Laister-Ebner begeisterten die Zuhörer im Spiegelsaal.                                                                     Foto: Cynthia PINTER

„Bei diesem Konzert ist das Einschlafen erlaubt. Wir sind Ihnen also nicht böse, wenn Sie auf der Schulter des Nachbarn einnicken.“ Eine solche Aufforderung hört man so gut wie nie in einem Konzertsaal. Doch am Montagabend schien dieser Vorschlag von Sopranistin Rodica Vică gar nicht verkehrt. Im Spiegelsaal des Hermannstädter Forums erklangen nämlich Wiegenlieder aus aller Welt, gesungen von Rodica Vică in Begleitung von Barbara Laister-Ebner an der Zither. Das einstündige Konzert fand im Rahmen der Tournee „Stars In The Sky“ (Sterne am Himmel) und in der Reihe „Musica Ricercata“ statt.

 

16 Wiegenlieder wurden in acht verschiedenen Sprachen: Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch, Rumänisch, Japanisch und Ladino interpretiert. Die Musikerinnen führten das Publikum auf eine musikalische Weltreise, die in Österreich begann und in Rumänien endete, da die beiden Musikerinnen rumänische bzw. österreichische Wurzeln haben.

Begonnen hat das Konzert mit dem wohl bekanntesten Wiegenlied der Welt „Guten Abend, gut` Nacht“, das in der Vertonung von Johannes Brahms auch „Wiegenlied“ heißt. Es folgten in deutscher Sprache Robert Schumanns „Hochländisches Wiegenlied“, Mozarts „Wiegenlied KV 350“ und Franz Schuberts „Wiegenlied“, aber auch ein Lied in bayerisch-österreichischem Dialekt, „Aber heidschi bumbeidschi“ – das vom Kinderstar Heintje 1968 zum Hit gemacht wurde. Die musikalische Reise der Wiegenlieder endete in Rumänien u. a. mit der Interpretation von Eminescus „Somnoroase păsărele“ (Musik: Gheorghe Dima), Șt. O. Iosifs „Cântec de leagăn“ (Musik: Paul Constantinescu) und Eminescus „Stelele-n cer“ (Musik: Nicolae Bretan), das den Titel der CD und Tournee gab.

Die glasklare beruhigende Stimme von Rodica Vică und die entspannenden Akkorde von Barbara Laister-Ebners Zither begeisterten das Publikum im Spiegelsaal, der übrigens eine wunderbare Akustik hat. Das Konzert bot eine großartige Gelegenheit, das für Rumänien exotische Saiteninstrument Zither aus nächster Nähe zu hören und zu betrachten. Gekonnt schlug Barbara Laister-Ebner mit dem Zitherring am rechten Daumen die Saiten – von denen es laut Rodica Vicăs Moderation 49 gibt – und erzeugte Klänge, die mal an österreichische Alpenlandschaften, mal an japanische Kirschblüten erinnerten. Kein Wunder, denn die Zither ist ein traditionelles Volksinstrument – nicht nur im europäischen Alpenraum sondern überall auf der Welt. So gehören beispielsweise Koto (Japan), Guqin (China) und Kantele (Finnland) der großen Zitherfamilie an. Die Kombination aus Gesang und Zither erzeugte kraftvolle Klänge, die wie gemacht füreinander zu sein schienen.

Auf die Idee eines Duo-Auftritts kam Rodica Vică, nachdem sie 2018 Barbara Laister-Ebner im Fernsehen bei ihrem Solo beim Wiener Neujahrskonzert sah. Die aus Ploiești stammende Sopranistin kontaktierte die Wiener Zither-Virtuosin sofort und letztere war spontan an einer Zusammenarbeit interessiert. Es entstand die CD „Stars In The Sky“ mit 16 Wiegenliedern und die Tournee, die das Duett nach Wien, Kronstadt, Bukarest, Klausenburg und Hermannstadt führte. Das Geld aus dem Verkauf der CD’s in Hermannstadt spendeten die Musikerinnen an den Verein „Baby Care“.

Im Hermannstädter Spiegelsaal wurden die Zuschauer während des einstündigen Konzerts in eine fast hypnotisierende Atmosphäre versetzt, die wie Balsam für die Seele wirkte.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

 

 

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