Weniger ,,sarmale“-Töpfe, mehr Blumen

53. Töpfermarkt und Romamarkt haben am Wochenende stattgefunden

Ausgabe Nr. 2639

Aufmerksame Käuferinnen am Stand von Horezu.          
Foto: Fred NUSS

Zum 53. Mal wurde in Hermannstadt am vergangenem Wochenende der Töpfermarkt organisiert, zur Überraschung Vieler hat er diesmal bereits am letzten Tag im August begonnen. Rund 100 Töpfer mit traditioneller und moderner Ware haben gegen die Hitze gekämpft und es geschafft, Hermannstädter und Touristen auf den Großen Ring zu locken. Zeitgleich hat auch der Roma-Markt stattgefunden, diesmal nicht auf dem Kleinen Ring, wie in den letzten Jahren, sondern ein bisschen versteckter, auf dem Huetplatz.

 

Schon früh am Morgen begannen die ersten Kunden auf dem Platz nach der schönsten Tasse und dem besten Kohlrouladentopf zu suchen, nicht nur um der angekündigten Hitzewelle zu entkommen, sondern auch, um den besten Deal zu machen. Tatsächlich waren dieses Jahr weniger Töpfer auf dem Großen Ring als in den letzten Jahren. Besonders die Anzahl der traditionellen Künstler geht von Jahr zu Jahr zurück; wer einen guten Kochtopf braucht, in dem man über Jahre ,,sarmale“ (Kohlrouladen) fachgerecht kochen will, hat eine immer kleinere Auswahl. Dafür steigt aber die Anzahl der modernen Künstler oder auch der traditionellen, die sich allerdings den Wünschen der Kunden anpassen und weniger klassische Keramik-
objekte herstellen. Für alle Hersteller gab es auch die passenden Kunden, keiner beklagte sich, zu wenig verkauft zu haben. Und das trotz den Mittagsstunden, in denen sich nur wenige unvorsichtige Kunden dorthin verirrten, denn bei über 30 Grad Celsius gab es auf dem Platz überhaupt keinen Schatten.

Kalderasch aus Pretai auf dem Romamarkt.        
Foto: Mugur FRĂȚILĂ

Nicht nur Töpfer aus Rumänien waren auf dem Markt zu finden, sondern auch aus Ungarn und aus der Republik Moldova. Trotz der langen Fahrt, waren die Moldauer Künstler mit dem Verkauf zufrieden und fanden den Markt in Hermannstadt sehr gelungen. Das auch im Vergleich zu einem ähnlichen Markt vor wenigen Wochen in Brăila, wo die ersten Kunden erst gegen 17-18 Uhr kamen und bis spät nach Mitternacht an den Ständen vorbeischlenderten. Viele von ihnen machten sich nicht einmal die Mühe, zu der ausgestellten Ware hinzuschauen, denn die meisten waren da, um Gegrilltes zu essen und ein Bierchen zu genießen. Der Hermannstädter Töpfermarkt war im Vergleich ein großer Erfolg, nicht nur finanziell, sondern auch, weil viele ihre Ware bewunderten.

Während am Vormittag die Käufer über den Markt streiften, waren am Nachmittag und am frühen Abend die Spaziergänger an der Reihe. Einige kauften noch ein, die meisten schauten sich die Ware an und viele waren bemüht, ihre Kleinkinder von der bunten Keramik fernzuhalten – was nicht immer klappte, denn hie und da  war ein Klirren zu hören.

Laut waren die Pfeifen jeder Art, die sich mit den Holzflötentönen vermischten, die die Eltern ihren Kindern vom Romamarkt gekauft hatten.

Tatsächlich fragten sich viele Hermannstädter, wo der Romamarkt dieses Jahr geblieben war, besonders diejenigen, die in der Presse und in den Sozialnetzwerken nicht gelesen hatten, dass der Markt auf dem Huetplatz verlegt worden war.

Auf dem Kleinen Ring konnte man nur in einer Ecke kleingeschrieben lesen, dass man noch wenige Meter zurücklegen muss, um zum Romamarkt zu gelangen. Deswegen war es eine gute Idee der Roma, eine Musikband am Samstag Nachmittag auf dem Töpfermarkt zu schicken, und somit für ihren Markt zu werben.

Auf dem Romamarkt waren im Vergleich zu den vergangenen Jahren mehr Romaverkäufer, die jede Menge Ware anboten: von selbstgemachtem Silberschmuck bis Kesselware und Trachten. Dazu gab es – wie jedes Jahr – auch jede Menge Verkäufer mit Ware, die von den Aufböden und verlassenen Häusern aufgelesen worden war: Kristalllampen, Plastikschmuck und ,,Antiquitäten“  – von Medaillen und Münzen jeder Art bis zu Malereien und kleinen Möbestücken. Alles konnte verhandelt werden, was vielen Kunden besonderen Spass macht. Dieses Jahr fehlten allerdings die Teller-Verkäufer. Diese wurden sehr vermisst von den Hermannstädtern, die für den täglichen Haushalt Nachschub kaufen wollten. In den vergangenen Jahren konnte man nämlich für ganz wenige Lei Teller jeder Größe und Farbe bei ihnen kaufen, was kaputt ging, konnte einfach ersetzt werden.

Auf dem Romamarkt gab es wie immer auch mehrere Stände mit der gewöhnlichen bunten Plastikware aus China – besonders Spielzeug – Leder- und Pelzware, aber auch Süßes und Salziges zum Mitnehmen.

Allgemein fanden die Verkäufer, dass weniger Kunden auf den Huetplatz gefunden haben als in den Vorjahren auf den Kleinen Ring, waren allerdings zufrieden, dass sie recht gut verkauft hatten.

Sowohl der Töpfermarkt, als auch der Romamarkt haben inzwischen Verkäufer und Kunden, die zum Teil lange Strecken zurücklegen, und dabei zu sein, auch oder umso mehr, weil die Tradition und die Moderne gut vertreten sind.

Ruxandra STANESCU

 

 

 

 

 

 

 

 

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