Detailreich und kurzweilig

Ioana Heidels Autobiografie in deutscher Sprache

Ausgabe Nr. 2639


Ioana Heidel: Mein Lebensweg bis jenseits des Horizonts.  (rumänischer Originaltitel: „Dincolo de orizont“). Übersetzung ins Deutsche: Ioana Heidel, Verlag Ecou Transilvan, Klausenburg, 2017, 484 S., ISBN 978-606-730-921-2, zu bestellen bei der Autorin, E-Mail: ioahei@yahoo.de, Tel. 0049 (0931) 270.74.82, Mobil: 0049 (0160) 90.57.99.26.

Ioana Heidels Autobiografie erschien 2013 in rumänischer Sprache unter dem Titel „Dincolo de orizont“ und  2017 in deutscher Sprache unter dem Titel ,,Mein Lebensweg bis jenseits des Horizonts“. Jenseits des Horizonts und doch ganz diesseits in dieser Welt bewegt sich die aus Rumänien stammende Schriftstellerin und betritt selbstbewusst, grenzüberschreitend das Terrain des aktuell beliebten Genres des fiktionalisierten, mit Mythen angereicherten, autobiografischen Romans.

 

Sie schildert ebenso detailreich wie kurzweilig ihren eigenen Weg aus der poststalinistischen Ceaușescu-Diktatur Rumäniens hinein in die Wirtschaftswunderdemokratie der Bonner Bundesrepublik.

In besonderem Maße gilt das Diktum „Die besten Geschichten schreibt das Leben” für dieses Buch, das nicht nur spannend wie ein Kriminalroman zu lesen ist, sondern auch durch ausgesprochen poetische Bilder den Leser in eine delikate Welt entführt, in der Liebe, Leidenschaft, Treue und Freundschaft stets bedroht sind durch die alles zersetzende Präsenz eines, bis in die Familien hinein herrschenden Geheimdienstes: „Die Securitate verfolgt dich bis ins Mauseloch” war ein gängiges Drohwort in dieser dunklen Zeit. Gezwungen durch das Schicksal ihres schwerkranken Kindes, dem im heimatlichen Rumänien keine medizinische Hilfe zuteil wird, macht sich Ioana auf in die unbekannte, fremde Welt der Bundesrepublik Deutschland, von der sie sich Rettung für das Kind und eine Zukunft für sich und die Familie verspricht. Was sie dabei erlebt, die menschlichen Abgründe, aber auch die Wärme und Freundschaft von wichtigen Menschen, schildert Ioana Heidel in einer humorvollen, teils witzig-ironischer Weise, aber nie verächtlich oder herablassend. Hier merkt man, dass sie eine ungeheure schöpferische Kraft aus dem ländlichen Rumänien zieht, in dem sie eine materiell zwar prekäre, aber emotional sehr behütete Kindheit und Jugend verbrachte. Eine sich aufopfernde Mutter, ein verlässlicher Ehemann, eine profunde Ausbildung, all dies ist ihr Background, der ihr Halt gibt gegen die vielfältigen Widrigkeiten und Enttäuschungen, die sie auf dem Weg in die Freiheit erleben sollte.

Mit subtilen sprachlichen Mitteln, gelingt der Autorin eine Art soziokultureller Essay in Romanform, der mit einer Verve und Vitalität durchdrungen ist, die sich aus der Energie speist, wie sie nur beim Zusammentreffen unterschiedlicher Sprachen, Traditionen und Kulturen entstehen kann. Ioana Heidels Muttersprache ist rumänisch, durch ihren Ehemann, der als Siebenbürger Sachse der deutschen Sprach- und Kulturminderheit entstammt, lernte sie deutsch sprechen und denken und gewann so einen tiefen Einblick in die Welt der so genannten Minderheitsdeutschen.

So ist diese Autobiografie denn auch viel mehr als nur die Beschreibung eigener Erlebnisse. In vielen Passagen wird durch die Kontrastierung des rumänischen Hintergrundes mit dem siebenbürgischen und später bundesdeutschen Gegenbild das Problemgeflecht sichtbar, das sich typischerweise immer an den Berührungspunkten unterschiedlicher Kulturen ausmachen lässt. Insofern ist Ioana Heidels Buch auch ein Lehrstück für unsere hochaktuelle Situation, die von massenhafter Migration, Flucht und Vertreibung gekennzeichnet ist.

Ioana Heidel, der trotz aller Widrigkeiten die Migration aus einer sowohl sprachlich als auch politisch ganz anders gearteten Kultur in die bundesdeutsche Gesellschaft gelang, kann beispielhaft dafür dienen, wie die Integration gelingen kann, wenn der Wille zum Dazugehören und das Sich-Einlassen auf das Neue motivierend sind.

Prof. Dr. Amadé ESPERER

 

Anmerkung der Redaktion: Zu einer Lesung mit Ioana Heidel aus ihrem Roman „Mein Lebensweg bis jenseits des Horizonts“ und zum Dokumentarfilm „Schäßburg. UNESCO-Weltkulturerbe in Siebenbürgen“ laden im Rahmen der Interkulturellen Wochen Offenbach (IKuWO) ARO Rumänischer Kulturverein und die Stadtbibliothek Offenbach am Freitag, den 20. September, ab 19 Uhr, in die Stadtbibliothek Offenbach ein.

 

 

 

 

 

 

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