„Zukunft braucht Erinnerung‟

Zehntes Heimattreffen und Landlerhochzeit in Großau

Ausgabe Nr. 2637

Gruppenbild mit dem Brautpaar Annemarie und Gottfried Engel, der Großauer Volkstanzgruppe und Maria Schenker.
Foto: Beatrice UNGAR

„Es ist nicht leicht, hier allein auf der Burg zu sein. Aber die Hoffnung, dass die Großauer kommen und unsere Freunde gibt uns Kraft“. Mit diesen Worten begann Kurator Matthias Krauss seine Begrüßung zum Auftakt des Festgottesdienstes anlässlich des zehnten Großauer Heimattreffens in der Großauer evangelischen Kirche am 4. August d. J. Als „besonderen Freund“ begrüßte Krauss Pfarrer i. R. Egbert Schlarb, der gemeinsam mit seiner Gattin Cornelia Schlarb von 1995 bis 1998 die Kirchengemeinde Großau betreut hat.

 

Die Großauer Blaskapelle stellte sich zu einem letzten Foto im Innenhof der Kirchenburg auf. Dirigent Hermann Grennerth feierte dabei ein kleines Jubiläum, denn er leitet die Geschicke der Blaskapelle seit 2009, also seit zehn Jahren.
Foto: Beatrice UNGAR

Er hat uns aus dem Dunkel ins Helle gebracht“, stellte Krauss fest. Als Schlarb 1995 nach Großau kam, war die evangelische Kirchengemeinde erheblich geschrumpft, die Stimmung war gedrückt. Aber gemeinsam habe man sich mobilisiert und vor allem Schlarbs Initiative, die anderen evangelischen Kirchengemeinden aus der Umgebung, die von Pfarrer Dietrich Galter betreut wurden, näher rücken zu lassen durch Gemeindefeste, die mal in der einen mal in der anderen Gemeinde veranstaltet wurden. Hinzu kam, dass sich Cornelia Schlarb fachkundig um die Urkunden und Matrikeln kümmerte, nicht nur in Großau sondern auch beim Archiv der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien.

Das Ehepaar Schlarb war nun beim zehnten Heimattreffen dabei und Pfarrer Schlarb hielt im Festgottesdienst die Predigt. Ein Porträtbild des Pfarrers, der die evangelische Kirchengemeinde Großau aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat, wird nun einen Ehrenplatz im Pfarrhaus erhalten, teilte Kurator Krauss mit. Pfarrer Schlarb, der inzwischen in den Ruhestand getreten ist, hat auch dafür gesorgt, dass der Gemeindeverband Neppendorf, zu dem Großau, Kleinscheuern, Hamlesch, Reußdörfchen, Salzburg, Haschagen und Törnen gehören, eine Partnergemeinde aus Hessen erhält: Die Gemeinde Goßfelden und Sarnau im Kirchenkreis Kirchhain der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck. Pfarrerin Sandra Niemann war schon im September 2018 mit dem Kirchenchor beim Gemeindefest in Törnen dabei und war nun auch zum Großauer Heimattreffen mit einer Gruppe Gemeindemitgliedern eingetroffen, die auch im Festgottesdienst ein Lied sangen. Pfarrerin Niemann sagte in ihrer Ansprache, der Choral ,,Ein feste Burg ist unser Gott“ habe für sie eine neue Bedeutung erhalten, als sie zum ersten Mal die Kirchenburg in Großau besucht hatte.

Gruppenbild mit den freiwilligen Helferinnen, die unter der Leitung der Burghüterin
Maria Mărășescu die Suppe aufgetragen haben.
Foto: Beatrice UNGAR

In der Kirchenburg spielte sich dann auch alles weitere ab, nachdem die Großauer zunächst geschlossen, die Großauer Blaskapelle voran, zum Bürgermeisteramt und anschließend zum Friedhof gezogen waren. In der schmuck hergerichteten Pfarrscheune feierten alle bei guter Musik, geboten von der Großauer Blaskapelle, die am Tag davor in Holzmengen im Einsatz gewesen war.

Ebenda spielte sich dann am Dienstag, den 6. August, ein freudiges Ereignis ab, das alle Teilnehmenden in seinen Bann schlug: Es gab eine echte Landlerhochzeit. Das Brautpaar bildeten Annemarie und Gottfried Engel, deren Geschichte tief geht. Vor knapp 38 Jahren hatten sich die beiden damals 14-Jährigen bei einer Hochzeit in Großau kennen und lieben gelernt. Annemarie Engel erinnert sich: ,,Es war nicht leicht, wir tauschten Brieflein und Zettelchen aus, mussten uns heimlich treffen.“ So ging das ca. ein Jahr lang und dann verloren sie sich irgendwann aus den Augen. Beide landeten irgendwann in Deutschland, wo sie jeweils eine eigene Familie gründeten. Vor drei Jahren, es war am 12. März 2016 trafen sie sich wieder und es sei gewesen, als hätten sie sich nie getrennt. Annemarie, eine geborene Auner, deren Vater  aus Großau stammte, war geschieden und hatte inzwischen vier Kinder, Gottfried war schon zweimal geschieden und hatte zwei Kinder. Die beiden beschlossen, ihren Lebensweg gemeinsam fortzusetzen und vor allem, die Hochzeit nach altem Brauch in Großau zu feiern.  Mit Großfamilie und Freunden taten sie das dann auch in der Pfarrscheune. Die Großauer Blaskapelle war dabei und auch die Großauer Volkstanzgruppe ließ es sich nicht nehmen, dem Brautpaar zu Ehren einen Tanz auf dem Pfarrhof aufzuführen.

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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