Abenteuer Transsylvanien

Eine kulturelle, kulinarische und naturkundliche Reise durch Siebenbürgen

Ausgabe Nr. 2637

Die Gruppe vor dem Hermann-Oberth-Museum für Raumfahrtgeschichte in Mediasch.                                                         Foto: Frank WAGENER

Transsylvanien (Siebenbürgen) ist nicht nur eine Reise wert!  Das wurde schon deutlich, als im November 2018 Einladung und erste Informationen zu der einwöchigen Exkursion vom 23. bis 30. Juni 2019 unter der Leitung von Herrn Horst Dengel und Herrn Prof. Dr. Wolfgang Schumacher erfolgten.

Transsylvanien ist nicht nur aufgrund des Fürsten Dracula bekannt, sondern hat darüber hinaus eine einzigartige Berg-, Pflanzen- und Tierwelt zu bieten. So versprach das angekündigte Programm eine abwechslungsreiche Mischung aus Natur und Kultur, was der Reisegruppe, die sich aus 23 insbesondere forstwirtschaftlich und biologisch-botanisch Interessierten aus dem Rheinland und aus Norddeutschland zusammensetzte, besonders entsprach.

 

Hermannstadt mit seinen engen mittelalterlichen Gassen, den weitläufig gestalteten Plätzen, den schönen Handwerkerhäusern sowie prächtigen Bauten der Kaufleute und Patrizier, diente als wunderbarer Ausgangspunkt unserer Tagestouren.

Dem besseren Verständnis der aktuellen Situation von Land und Leuten diente die Einführung in die Geschichte Rumäniens und in die aktuellen politischen Verhältnisse durch Herrn Benjamin Józsa vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien und die Information über die Geschichte der Siebenbürger Sachsen durch Frau Dr. Heidrun König vom Museum  der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien im Friedrich Teutsch-Kultur- und Begegnungszentrum.

Zum ersten Mal außerhalb der Stadtgrenzen von Hermannstadt ging es mit dem Bus in das Dorf Rășinari, von wo wir nach einer Wanderung durch offenes Weideland und Laubwälder in das Sachsendorf Michelsberg gelangten. Sowohl am Wegesrand als auch bei einem Vortrag im Gemeindeforstamt Rășinari erhielten wir einen ersten Eindruck von Flora und Fauna des Zibinsgebirges. Die Forstverwaltung im Kreis Hermannstadt hat neben der Waldbewirtschaftung auch den Naturschutz als wichtiges Tätigkeitsfeld. Direktor Robert Blaj sorgt darüber hinaus für eine moderne und zeitgemäße Ausstattung der zugehörigen Verwaltungsgebäude.

Ein ganz besonderes Naturerlebnis im Verlauf der Reisewoche war eine geführte Wanderung durch den Urwald im Strâmbatal, in dem mächtige Tannen, Fichten und Buchen bis zu 40 m Höhe erreichen. Ein „richtiger“ Urwald, wie es ihn in den Karpaten gibt, der noch Bären und Wölfe beheimatet, obwohl die Menschen in unmittelbarer Nachbarschaft leben und das Land seit Jahrzehnten nutzen – vielen von der Reisegruppe bis dahin noch unbekannt.

Zu einem späteren Zeitpunkt der Reise ging es natürlich auch in den Nationalpark Königstein sowie zu den Rutschungshügeln bei Trappold mit ihrer artenreichen Vegetation.

Während unserer Rundreise entdeckten wir aber nicht nur die wilde Natur des Landes, sondern auch wichtige kulturelle Schätze. So besuchten wir einige der vielen beeindruckenden Wehrkirchen, die Wahrzeichen der Region Siebenbürgen sind und weitere besonders gut erhaltene siebenbürgische Städte: Die Kirchenburgen von Kleinschelken, Mediasch und Deutsch-Weißkirch, die Orte Kronstadt und Schäßburg.

Spannendes über Hermann Oberth und den Flug zum Mond – nicht nur für naturwissenschaftlich Interessierte – erfuhren wir im Museum für Raumfahrtgeschichte in Mediasch. Und natürlich durfte eine Fahrt auf der Transfogarascher Hochstraße bis zum idyllisch gelegenen Bergsee Bâlea Lac sowie ein Besuch in der ehemaligen Brukenthalschen Sommerresidenz Brukenthal nicht fehlen.

Einen ganz anderen Blickwinkel bot ein Abstecher nach Kleinkopisch, wo die Immissionsschäden durch Sünden der kommunistischen Vergangenheit eindrucksvoll präsentiert werden konnten.

Wir lernten auch: Wer in Rumänien unterwegs ist, braucht sich nicht sorgen, er könne verhungern oder verdursten. Schon am ersten Abend, bei dem wir einer Einladung von Anna und Horst Dengel folgten, lernten wir die rumänische Gastfreundschaft kennen. Der rumänische Tannenrindenkäse Brânzá de Burduf aus dem Bucegi-Gebirge gehörte ebenso wie die Spezialität slanina, eine butterweiche Speckschwarte mit einem nur ganz dünnen Schinkenrand, die auf der Zunge zergeht, zu den kulinarischen Kostbarkeiten. Wir kosteten den Zuika, den Pflaumenschnaps, der nichts für schwache Naturen ist und ebenso zu Transsylvanien gehört wie der Knoblauch.

Und auch die warme rumänische Küche ist auf unserer Reise nicht zu kurz gekommen. Die typischen sauren Suppen „Ciorba“ lernten wir in vielen schmackhaften Varianten kennen, ebenso wie die sehr leckeren Krautwickel namens sarmale. Zum Dessert gab es Hanklich, einen saftigen Hefeteigboden mit Schmand-Ei-Belag oder aber die papanasi, in heißem Fett gebackene Topfenknödel, die warm mit Sauerrahm und Heidelbeeren serviert werden. Rundum köstlich!

Was bleibt in der Erinnerung? Eine Woche lang unterwegs zu sein in fantastischen Naturschönheiten und an grandiosen kulturellen Schauplätzen, in denen Tradition und Moderne auf engem Raum vereint scheinen: In den Großstädten Siebenbürgens, in denen das 21. Jahrhundert Einzug gehalten hat, wohingegen in manch ländlichen Regionen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Heuernte per Sense, Pferdekarren und Storchennester gehören dort noch heute zum normalen Landschaftsbild.

In besonders guter Erinnerung wird uns die Herzlichkeit der rumänischen Bürger und Gastgeber bleiben, die diese acht Tage für uns zu einer unvergesslichen Reise machten. Ein besonderer Dank gilt Anna und Horst Dengel für die Organisation und herzliche Durchführung der Reise, Prof. Dr. Wolfgang Schumacher für die Organisation und botanische Leitung und nicht zuletzt den siebenbürgischen Forstwirten für die besonders gastfreundliche und kompetente Unterstützung vor Ort. Frau Marga Grau steuerte als renommierte Botanikerin aus Hermannstadt ihre fundierten Ortskenntnisse während unserer Gespräche und Wanderungen bei.

Über den Tag hinaus können durch die geknüpften Kontakte vor Ort Kooperationen entstehen, die für beide Seiten vorteilhaft sein werden.

Die rumänische Gesellschaft scheint sich insgesamt in einem Umbruch zu befinden – wer sie in ihrer unverfälschten Ursprünglichkeit erleben möchte, sollte bald die nächste Reise in dieses wundervolle Land antreten.

Gabi und Norbert MERTENS

Bonn/Deutschland

 

 

 

 

 

 

 

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