„Herz, Liebe und Interesse“

8. Auflage des  „Rabentanzes“ in Holzmengen stattgefunden

Ausgabe Nr. 2632

„Dansul Corbilor“ (Rabentanz),das Fest des Sozialvereins Elijah, wurde am vergangenen Freitagnachmittag in der „Casa Sonja“-Musikschule in Holzmengen gefeiert. Lesen Sie mehr über die Tätigkeit des Vereins auf Seite 3. Unser Bild: Zum Abschluss stimmten alle die „Elijah-Hymne“ an.   
Foto: Werner FINK

Das bereits zur Tradition gewordene Fest des Vereins Elijah „Dansul Corbilor“ (Rabentanz), wurde am vergangenen Freitagnachmittag in der Musikschule „Casa Sonja“ in Holzmengen gefeiert, wobei die zahlreichen von dem Verein betreuten Jugendlichen, vor allem Angehörige der Roma-Gemeinschaft, im Beisein von Freunden, Unterstützern und Familienangehörigen wieder einmal ihr Können zum Besten geben durften. Begrüßt wurden die Anwesenden von Ruth Zenkert, eine der Haupttreibkräfte des Projektes neben Pater Georg Sporshill. Die Leistungen des Vereins finden Anerkenung, denn unter den Anwesenden befanden sich u. a. die Kreisratsvorsitzende Daniela Cîmpean und der Abgeordnete Constantin Şovăială. Die bereits im vergangenen Jahr genannten Ziele wie das Schülerheim in Hermannstadt oder der Bauernhof in Marpod, sind schon fast erreicht und sollen in der kommenden Zeit eröffnet werden. Außerdem wurde das ehemalige Pfarrhaus in Neudorf renoviert, wo ein Sozialzentrum eingerichtet wird.

 

„Ich bin außerordentlich beeindruckt von all dem, was ich hier gesehen habe“, unterstrich Daniela Cîmpean in ihrem Grußwort. „Ich möchte Ihnen sagen, dass Ihre Arbeit und Leistungen hier bekannt und anerkannt sind, in dem ganzen Kreis und nicht nur hier“, versicherte sie. „Hier gibt es Herz, Liebe und Interesse seitens des Vereins“, stellte MP Şovăială fest und gratulierte seinerseits Ruth Zenkert für die Leistungen des Vereins.  Anwesend waren u. a.  auch Christine Manta-Klemens, stellvertretende Kreisratsvorsitzende, Sebastian Dotcoș, Verwalter des Kreises Hermannstadt, Ionel Vișa, Bürgermeister der Gemeinde Leschkirch.

Nach den Grußworten im Hof ging es in die Casa Sonja,wo das künstlerische Programm dargeboten wurde. Moderiert wurde es von dem orthodoxen Pfarrer Călin Roajda, gemeinsam mit seiner Gattin Gabriela. Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr mehr auf Zigeunermusik. Ob die Ensembles nun Veselijah, Armonijah, Alegrijahoder Șatrahießen, hatten sowohl diejenigen, die auf der Bühne standen als auch die Zuschauer Spaß während den Musik- oder Tanzdarbietungen.

Als Gast dabei war dieses Mal auch der gebürtige Venezolaner Ron Davis Alvarez (34), der gegenwärtig in Schweden lebt und selber auch an Musik-Sozialprojekten beteiligt ist und am Rabentanzprogramm als Musiklehrer aktiv beteiligt war. „Ich bin sehr überrascht von der tollen Arbeit, die hier geleistet wird“, sagte Ron. „Es ist sehr inspirierend.“ Ron war zehn Jahre alt, als er in Caracas in „El Sistema“, einem von José Antonio Abreu 1975 gestarteten Musik-Sozialprogramm zu spielen begann. Heute ist Ron für El Sistema in Schweden als künstlerischer Leiter  tätig, wo im Rahmen des Programms etwa 10.000 Kinder betreut werden. Das erste Mal kam er nach Schweden 2014 und 2015, als die großen Flüchtlingsgruppen ankamen, damals fing  er da mit der Arbeit an.  2016 gründete er sogar eine eigene Organisation, „Dream Orchestra“, wo vor allem auf die Arbeit mit Flüchtlingen der Schwerpunkt gelegt wird. Etwa 110 Kinder und junge Erwachsenen machen hier mit. Dream Orchestra ist nur ein Beispiel des Ergebnisses der El Sistema-Bewegung, die inzwischen  70 Länder in der Welt erreicht haben soll. 2017 war Ron Alvarez  einer der Top 50 Finalisten des Global Teacher Prize, derjährlich von der Varkey Foundationverliehen wird. „Ich möchte, dass alle meine Lehrlinge in Schweden ein bessseres Leben haben, aber auch die Reisen fortsetzen und verschiedene Länder, aber vor allem auch Venezuela, zu unterstützen wo es zur Zeit eine Menge Probleme gibt“, antwortete Ron auf die Frage nach seinen zukünftigen Zielen. „Das ist mein Traum, weiterhin Musik-Sozialprojekte zu unterstützen und zu entwickeln“.

Zu den Vorhaben von Elijah, die in kurzer Zeit Wirklichkeit werden, zählen drei neue Projekte.  Eines davon ist das Schülerheim „Casa Francisc“, das bereits im September in der Sporergasse eröffnet werden soll und wo erst einmal 20 Schüler aus den fünf Dörfern, in denen Elijah tätig  ist, einziehen werden. „Ein Punkt ist, dass Pendeln für viele nicht möglich ist, der andere ist, dass selbst wenn sie in ein Internat gingen, das es in der Stadt gibt, sie eine Betreuung brauchen,  vor allem Begleitung bei den Hausaufgaben und auch menschliche Betreuung, damit sie motiviert bleiben, in die Schule zu gehen, weil sehr viele die anfangen, wieder aufhören“, erklärte Ruth Zenkert.

Im Herbst eröffnet Elijah auch in Marpod einen Bauernhof. „Dort haben wir ein Landwirtschaftsprojekt begonnen, wo die Jungen aus der Umgebung lernen können, wie man artgerechte Tierhaltung betreibt. Jeder bekommt einen Stall, Schweine, Hühner und wir helfen, sie zu lehren, wie man mit diesen Tieren umgeht und wie man sie so hält, wie es sich gehört“, sagte Zenkert.  Gegenwärtig ist man dort dabei noch einen weiteren Stall zu bauen, der im Herbst fertig wird. Außerdem wird die Tischlerei in Holzmengen, die für die gegenwärtigen Verhältnisse zu klein ist, dorthin verlegt. So wird es ein Ausbildungszentrum geben mit Tischlerei, Baugewerbe und Landwirtschaft, wo die Lehrlinge aber auch im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet werden.

Das dritte Projekt besteht in der Einrichtung eines neues Sozialzentrums im ehemaligen Pfarrhaus in Neudorf, das nun renoviert wurde und „Casa Martin“ benannt wird.  Das bisherige Sozialzentrum „Casa Thomas“ in der ehemaligen deutschen Schule möchte man als Musikschule nutzen. Zenkert: „Wir haben also doppelt so viel  Platz und können doppelt so viel tun“. Im neuen  Sozialzentrum wird es eine eigene Küche geben, wo man „gesundes Essen“ mit Produkten aus eigenem Anbau kocht, eine Kantine und eine Kinderkrippe, um den Müttern zu ermöglichen, nach Hermannstadt arbeiten zu gehen. „Ich finde toll, was hier gemacht wird, es ist sensationell“ sagte Rudi Rumpl aus Osttirol, ein weiterer Gast und Unterstützer des Projektes, der mit einer Spende von über 40 Musikinstrumenten nach Holzmengen gekommen war.

Die 8. Auflage des Rabentanzes war tatsächlich wieder einmal ein gelungenes Ereignis, das zur Motivation der Jugendlichen, Eltern,  Lehrer, Initiatoren, Unterstützern und Freunden beitrug. „Ich bin immer glücklich, dass hier so viele Menschen zusammenkommen, und dass es hier keinen Unterschied gibt zwischen den Ethnien. Alle Vorurteile, die man sonst im Alltag erlebt, fallen hier weg, und es spielen alle zusammen und alle sind zusammen glücklich“, schlussfolgerte Zenkert.

Werner FINK

 

 

 

 

 

 

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