Talent und Leidenschaft

Dreizehnjährige Künstlerin eröffnete ihre erste Ausstellung

Ausgabe Nr.2627

Bei der Vernissage am Montag (v. l. n. r.): Ioan Cândea, Delia Hașegan, Oana Rusu und Marius David.                                Foto: Cynthia PINTER

Sie wird am Sonntag, dem 9. Juni, 13 Jahre alt und wird schon in Hermannstadt als Nachwuchskünstlerin gefeiert. Oana Rusu geht in die 6. Klasse des Brukenthalgymnasiums und verbringt ihre Freizeit an ihrem Büro, wo sie leidenschaftlich malt und zeichnet. Was sie bisher gelernt und geschaffen hat, zeigte sie am Montag in der Vernissage ihrer Debütausstellung, die den Titel „Creioane colorate“ (Buntstifte) trägt und die im Foyer des Kunstlyzeums stattfand.

 

„Manchmal sperrt sie sich in ihrem Zimmer ein und wir dürfen erst wieder hinein, wenn das Bild, an dem sie gerade arbeitet, vollendet ist. Dann ist das wie Weihnachten für uns, wenn Bescherung ist“, witzelt Oanas Vater, Emil Rusu, der stolz und in Premiere die neueste sich in Arbeit befindende Kreation seiner Tochter hochhält. Der Kopf des Pfaus ist schon fertig, nur noch die Federn müssen fertiggemalt werden. Oana Rusu sitzt schüchtern neben mir und gibt offen zu, dass sie kein anderes Hobby hat außer Zeichnen und Malen.

Begonnen hat ihre Leidenschaft vor etwa vier Jahren, als ihre Eltern ihr außergewöhnliches Talent entdeckten und ihre Tochter zum Privatunterricht schickten. Das hat Oana so gut gefallen, dass sie sich auch in ihrer Freizeit nur noch der Kunst widmete. Zuerst lernte sie die Theorie, wie zum Beispiel die Farbenlehre und Perspektive, alles mit Hilfe ihrer Lehrerin, der Hermannstädter Künstlerin Delia Hașegan. Inzwischen ist sie von bunten Acryllandschaften zu Zeichnungen in Kreide und Bleistift übergegangen. Ein Beweis für ihr Talent sind auch die vielen Malwettbewerbe, an denen Oana erfolgreich teilgenommen und mehrere Preise gewonnen hat. Der letzte Erfolg war der erste Preis in ihrer Alterskategorie beim Wettbewerb, der im Rahmen der Antiraucher-Kampagne „Renunțarea la țigări salveaza vieți“ des Lungenspitals, stattgefunden hat.

Das erste Bild auf Leinwand, das Oana Rusu gemalt hat, stellt eine Graslandschaft dar und hängt auch in der Ausstellung im Kunstlyzeum. Das entstand vor ungefähr drei Jahren, weiß die Dreizehnjährige, deren Lieblingsfächer neben Zeichnen, Englisch und Deutsch sind. Seit den ersten Malversuchen ist viel Zeit vergangen und inzwischen sind ihre Lieblingsmotive nicht mehr so sehr Tiere, sondern eher Stillleben und Gebäude, die Oana am liebsten in Bleistift oder Kreide zeichnet. Über 20 Skizzen, Zeichnungen und Malereien in Tusche, Pastell, Bleistift und Acrylfarben waren in der Ausstellung, die am Montag eröffnet wurde, zu sehen. Ausgestellt wurden Übungsbilder, Landschaften, Stillleben und Tierbilder, wobei letztere den größten Teil der Ausstellung, die bis zum 14. Juni geöffnet ist, einnahmen.

Bei der Vernissage ergriffen gleich drei Hermannstädter Künstler das Wort. Bildhauer Ioan Cândea erklärte sich überrascht vom Talent und der künstlerischen Intelligenz der jungen Künstlerin. Marius David, Zeichenlehrer am Kunstlyzeum und Kunstkritiker lobte den Respekt gegenüber der Kunst, der aus Oanas Bildern hervorgeht. Delia Hașegan, Malerin und Mentorin von Oana Rusu, war zu Tränen gerührt, und wünschte ihrer Schülerin viel Erfolg für die Zukunft und das Finden des eigenen Stils.

Wenn man Oana Rusu nach der Zukunft fragt, so ist eines für sie jetzt schon gewiss: Sie möchte ab der 9. Klasse das Kunstlyzeum besuchen und später entweder Modedesign oder Architektur studieren. Aber vorerst wünscht sie sich einfach weniger Hausaufgaben und mehr Freizeit, um sich ihrer Leidenschaft zu widmen: Kunst schaffen.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

 

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