„Kunst ist eine eigene Sprache“

Gespräch mit dem Augsburger Illustrator und Comiczeichner Paul Rietzl

Ausgabe Nr. 2628

Zwei Original-Tuschezeichnungen von Paul Rietzl und das ebenfalls von ihm entworfene Plakat des Workshops als Abdruck.
Foto: André WINTER

Im Multikulturellen Pavillon im ASTRA-Freilichtmuseum, kamen am vergangenen Wochenende mehr als 30 Comic-Autoren aus acht Ländern bei der siebten Auflage des Hermannstädter Comicsfestival zusammen, um die Geheimnisse ihrer Grafiken zu entlarven, Projekte zu entwerfen und zu diskutieren. Seit seiner ersten Auflage 2013, zieht das Festival jedes Jahr viele Teilnehmer an. Der deutsche Künstler Paul Rietzl (32), betreute am Samstag im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt (DKH), zusammen mit der DKH-Kulturrefrentin Elisabeth Köber (27), einen Comic-Workshop unter dem Titel „30 Jahre rumänische Revolution“, an dem zehn Interessierte eifrig mitmachten.

Mit Paul Rietzl führte dabei einer der derzeitigen HZ-Praktikanten, André W i n t e r, folgendes Gespräch:

 

Wer sind Sie, Herr Rietzl?

Guten Tag, mein Name ist Paul Rietzl, ich bin 32 Jahre alt und ich lebe in Augsburg und arbeite als freiberuflicher Illustrator und Comicszeichner.

Seit wann sind Sie als Künstler tätig?

Seit drei Jahren, also offiziell seit 2016.

Und wo sind Sie als Künstler tätig?

Hauptsächlich in Deutschland, aber auch europaweit.

Welche Bedeutung hat für Sie Kunst?

Kunst ist eine eigene Sprache. Mit Kunst kann man Dinge ausdrücken, was die Sprache nicht hergibt. Eine Art Add-on für die Sprache, die wir alltäglich nutzen, würde ich sagen.

Wie haben Sie zur Kunst gefunden?

Also gezeichnet habe ich schon immer. Das hat sich dann konkretisiert mit der Zeit. Ich bin Glas- und Porzellan-Maler, das ist die Ausbildung die ich gemacht habe, aber das ist sehr brotlos. Deswegen habe ich dann Kommunikationsdesign studiert, also ich bin eigentlich Grafikdesigner und Illustrator. Grafikdesigner am Tag und Comiczeichner in der Nacht sozusagen.

Paul Rietzl in der Bibliothek des DKH.      
Foto: André WINTER

Ab wann war Ihnen klar, dass Sie Künstler werden wollen?

Ich habe es dann in der Ausbildung gemerkt, da ist der Gedanke entstanden, dass ich auf jeden Fall studieren will, weil in der Ausbildung lernt man halt, wie man Gestaltung umsetzt, aber nicht wie man über die Gestaltung nachdenkt, und da habe ich dann gemerkt, dass ich das will. Dass ich gestalten und formen will, dass ich mir meine eigenen Gedanken machen will.

Können Sie beschreiben, was gute Kunst für Sie ist?

Das ist schwer zu sagen. Also jedes Kunstwerk ist auch ein Stück offen. Es gibt Kunst, die ist offener, um direkt eine Message zu transportieren, und es gibt Kunst, die ist geschlossener aber das ist eher subjektiv. Ein Illustrator versucht, etwas sehr konkret rüberzubringen, und Künstler halten das eher offen. Mir ist es wichtig, dass das gut aussieht. Das ist natürlich eine Geschmacksfrage, aber Kunst muss nicht schön sein, das ist nicht die Aufgabe der Kunst.

Welches Kunstwerk hat Sie besonders beeindruckt?

Aus der bildenden Kunst mochte ich immer sehr den Barock, wegen der Architektur. Und die Impressionisten, weil sie einfach zeichnen, was sie sehen.

Planen Sie ihre Kompositionen mit Skizzen und Vorentwürfen?

Ja, sehr intensiv sogar. Es gibt von vielen Bildern sehr viele Versionen. Die Kunst dabei ist: Es muss so aussehen, als hätte man es gerade einfach so dahingezeichnet, aber der Prozess läuft natürlich nicht so ab.

Können Sie Ihren Beruf mit Ihrer Familie vereinbaren?

Das ist schon schwierig. Ich bin Freiberufler und da hört man eigentlich nie auf zu arbeiten.

Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Viele E-Mails schreiben und viel zeichnen. Er ist nicht so strukturiert. Man betreibt viel Kontaktarbeit und muss Netzwerke pflegen.

Welche Zwänge, Trends und Klischees fallen Ihnen spontan ein, die momentan die Kunstwelt beherrschen?

Es gibt Sachen, die sich besser verkaufen lassen und solche, die sich schlechter verkaufen lassen und dem folgen dann Künstler auch oft. Als Trend würde ich Banksy nennen. Banksy ist Street-Art-Künstler, aber seine Werke werden als Abdrucke ins Museum reingedrückt und damit habe ich ein Problem, weil wenn man Street-Art an eine Galeriewand hängt, hört es auf Street-Art zu sein. So wird es dann gehandhabt und auch verkauft.

Was inspiriert Sie?

Banksy mag ich, er ist ein super Illustrator und ich mag seine Botschaften. Ich könnte viele weitere Comiczeichner anführen, da wäre zum Beispiel Mike Mignola, der Hellboy gezeichnet hat. Ich mag seinen Stil, weil er auch sehr grafisch arbeitet.

Was möchten Sie mit Ihrer Kunst ausdrücken?

Immer mal wieder was Anderes. Das lässt sich schwer auf eine Sache reduzieren. Ich habe viele politische Comics gemacht in letzter Zeit und da geht’s mir einfach um den liberalen Freiheitsgedanken. Also ich kritisiere ein enges Gesellschaftsbild.

Welche Bedeutung hat die Kultur für Sie?

Kultur hat einen sehr hohen Stellenwert für mich. Ich habe oft das Gefühl, dass Kultur dann wertgeschätzt wird, wenn sie nicht mehr da ist. Man nimmt die Kultur erst so richtig war, wenn sie abwesend ist. Dann vermisst man sie. Kultur ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält.

Stehen Sie im Austausch mit anderen Künstlern?

Ja und es gibt den Trend, dass immer mehr freiberufliche Künstler sich organisieren. Man spricht sich viel mehr ab, um auch Kultur zu fördern und um Lohndumping zu verhindern.

Was würden Sie einem angehenden jungen Künstler raten?

Jeder muss seinen Weg und seinen Stil finden. Man muss manchmal einen langen Atem haben. Dinge dauern und man fällt auch mal auf die Nase. Gerade am Anfang ist es halt heftig, weil man vor der ersten eigenen Ausstellung am Ball bleiben muss.

Wie sehen Ihre künstlerischen Pläne aus? Wohin geht die Reise?

Ich will mehr Comics machen. Ich illustriere viel, aber ich will definitiv mehr Comics machen.

Vielen Dank!

 

 

 

 

 

 

 

 

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