Hermannstadt auf den Beinen

Beim  8. internationalen Benefiz-Marathon

Ausgabe Nr.2627

Das Team Oswald freut sich über die gelungene Teilnahme: Oswald Kolb, Jens Schlösser, Werner Richter und Lothar Schelenz (v. l. n. r.).           
Foto: Privat

Eigentlich hätte es auch ein sonniger Samstagmorgen werden können, an dem über 5.000 Menschen am Großen Ring sich für den großen Hermannstädter Marathon trafen. Stattdessen regnete es in Bindfäden. Dennoch fiel die Wohltätigkeitsveranstaltung nicht ins Wasser, sondern wurde von etlichen Menschen in wasserfester Kleidung und mit Regenschirmen bejubelt.

 

Schon morgens gegen 8 Uhr kamen die Marathon-Läufer im Stadtzentrum zusammen. Um die 5.600 Teilnehmer haben sich zuvor für den Lauf angemeldet – jeder von ihnen hat eine Spende zwischen 20 und 135 Lei, je nach Staffel, für die Teilnahme gegeben.

Trotz des massiven Regenfalls gingen die meisten der Angemeldeten an den Start. Mit von der Partie waren sowohl Kinder ab 4 Jahren als auch Erwachsene jeden Alters in verschiedenen Gruppierungen. Sie gingen nacheinander an den Start, wie etwa die Teilnehmer der Gruppe „Marquardt Team Run“ über 4×5,3 Kilometer, die pünktlich um 9.45 Uhr starteten und quer durch die Stadt und auch darüber hinaus liefen.

Die Gruppe „Maratonul Continental“ hingegen hatte die längste Strecke zu bewältigen und legte deshalb auch als erste ihrer Art um 8.30 Uhr vor: Bis nach Rășinari und Poplaca führte sie die Route, sodass es bis zum Ziel in Hermannstadt für sie wiederum über 42 Kilometer waren, die sie zurücklegten.

Weitere Rennen waren „Zacaria“ (10 Kilometer), „Semimaraton Joyson Safety Systems“ (21 Kilometer), „Crosul Visma“ (5 Kilometer) und die Kinder- und Jugend-Teams „Squad Race“ (13-17 Jahre, 2,7 Kilometer) und „Crosul Copiilor Decathlon“ (4-12 Jahre, 400-1.600 Meter).

Lothar Schelenz, ein zugezogener Bewohner aus dem fernen Frankfurt in Hessen, nahm mit seinem „Team Oswald“ am Marquardt Team Run teil. Er ist für seine 63 Jahre recht gut in Form und bezeichnet sich selbst als „passionierten Läufer“. Er und seine drei Teamkollegen haben aus Vergnügen und wegen der persönlichen Herausforderung am Rennen teilgenommen, erzählt er. Der Name seines Teams kommt von einem anderen Mitglied, Oswald Kolb, der, wie Schelenz berichtet, sogar extra für den Marathon 15 Kilogramm abgenommen hatte.

Die Medaillen wurden im Atelier des Tonal-Vereins hergestellt, nach einem Entwurf des Künstlers Dan Perjovschi.

Im Großen und Ganzen ist der Hesse ausnehmend begeistert von dem Wettlauf und vor allem dessen Organisation, die er in hohen Tönen lobt: Das Engagement der freiwilligen Helfer, die beispielsweise die Trinkstationen besetzt hatten, die Laufwege vorbereitet haben und vieles mehr sei nichts Geringeres als eine „organisatorische Meisterleistung“. Auch die sportinteressierten Zuschauer waren oft mitgelaufen, haben die Teilnehmer angefeuert und haben sich kreative Schriftzüge für Schilder einfallen lassen, welche sie hoch hielten. „You´ll be faster than our government!“ z. B.: Zu deutsch, „Ihr werdet schneller sein als unsere Regierung!“.

Die Laufstrecke selbst fand der Frankfurter sehr anspruchsvoll. Das lag an verschiedensten Straßen-Belägen, verwinkelten Straßen in der Altstadt und einer Menge Gefälle und Steigungen. „Da geht’s 15 Kilometer bergauf!“ fasst er grob zusammen.

In dem Rennen der Staffel, das eines der längsten war, gaben einige der ca. 1.000 Teilnehmer unterwegs auf. Team Oswald hingegen bewältigte die Strecke innerhalb von etwa 2 Stunden und 3 Minuten und belegte damit Platz 27 in der Gruppenwertung. Lothar Schelenz ist sich sicher, dass er versuchen wird, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein, wenngleich die großen Distanzen auf solchen Böden ihren Tribut verlangen. Zudem schlägt der vitale 63 Jährige vor, für solche Veranstaltungen bei strömenden Regen eine Stelle einzurichten, in der man sich umziehen und sein Hab und Gut einlagern kann. „Wir haben uns im Erasmus-Büchercafé umgezogen“, erklärt er dazu, wenngleich dies seiner Begeisterung keinen Abbruch tut. Die Teilnahme-Gebühren fand er im Übrigen mit 50 Lei noch vollkommen „human“.

Dass es in Hermannstadt kaum ein Vereinswesen für Lauf- und Sportvereine gibt, wie er es aus seiner Heimat kennt, bedauert der Hesse ein wenig. Er fände eine solche Entwicklung nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus sozialer Sicht vorteilhaft für die Menschen, die hier leben.              Jan-Christian BREWER

 

 

 

 

 

 

Posted in Aktuelle Ausgabe, Sport.