„Einer allein kann kein Dach tragen“

Bericht über das Studienjahr 2018-2019 am Theologischen Institut

Ausgabe Nr. 2628

Renate Klein (rechts) im Gespräch mit Altbischof Christoph Klein.
Foto: Beatrice UNGAR

Ende März hatte das Protestantische Theologische Institut 70 Jahre seit der Gründung gefeiert. Heute ist es der Studiengang „Protestantische Pastoraltheologie in deutscher Sprache” innerhalb des Departements für Geschichte, Kulturerbe und Protestantische Theologie, das Teil der Fakultät für Geisteswissenschaften der Lucian Blaga-Universität ist. Im Rahmen des Abschlussgottesdienstes des Hochschuljahres 2018/2019 legte die Studiengangsleiterin Dr. Renate Klein einen Bericht vor, den wir im Folgenden im Wortlaut abdrucken:

 

„Einer allein kann kein Dach tragen“ lautet ein afrikanisches Sprichwort. Wir als Theologisches Institut sind sicher so „einer“, der allein kein Dach tragen kann, aber wir haben Partner und Freunde, die uns das Dach tragen helfen. In diesem Sinne möchten wir dem Landeskonsistorium danken, das die Arbeiten an dem Dach unseres Hauses in Angriff genommen hat. Unser Dank geht auch an die Institutionen, welche die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt haben. So können wir wahrscheinlich bald unter einem neuen Dach unserer Arbeit nachgehen.

Im Studienjahr 2018/19 haben wir Althergebrachtes weitergeführt und auch neue Ideen entwickelt. Zu dem Althergebrachten zählt der reguläre Studienbetrieb, der zwar mit wöchentlich wechselnden Stundenplänen etwas anstrengend war, aber doch alle im Studienplan enthaltenen Fächer im Angebot hatte. Unterrichtet haben neben Stefan Tobler für die systematisch-theologischen Fächer und Renate Klein für das Alte Testament noch Christoph Klein, Kai Brodersen (Erfurt) und Ulrich Wien (Landau) die Fächer Kirchen- und Dogmengeschichte; Hans Klein, Johannes Klein und Rainer Reuter (Paderborn) Neues Testament; Brita Falch-Leutert, Jürg Leutert und Hans-Bruno Fröhlich die praktisch-theologischen (homiletische und liturgische) Übungen; Anne Breckner (Paderborn) Religionspädagogik sowie Eveline Cioflec Philosophie. Allen Lehrern, die sich an der Ausbildung unserer Studenten beteiligt haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Die Predigt hielt Bischof Reinhart Guib.      
Foto: Beatrice UNGAR

Im Wintersemester hat Frau Sophia Güttler aus München einige Stunden Sprecherziehung angeboten. Die Gastvorlesungen des Wiener Systematikers Gerhard Marschütz sowie des Landesbischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche Sachsens Dr. Carsten Rentzing haben uns wichtige Impulse für den wissenschaftlichen Diskurs vermittelt.

Unser Studiengang Evangelische Theologie verzeichnet im Studienjahr 2018/19 10 immatrikulierte Studenten, davon 2 im ersten, 2 im zweiten, 2 im dritten und 4 im vierten Studienjahr (davon eine als Gaststudentin in Leipzig). Im Wintersemester war eine Gaststudentin aus Göttingen bei uns.

Zahlenmäßig im gleichen Rahmen bewegt sich die Teilnehmerschaft am Ökumenesemester, das im Sommersemester vom Institut für Ökumenische Forschung angeboten wurde und dessen Abschluss und gleichzeitig fünftes Jubiläum wir heute mit feiern.

Der von „Brot für die Welt“ finanziell unterstützte Sprachkurs, der nunmehr schon über 20 Jahre besteht, vereinte auch in diesem Studienjahr 14 Kursanten von Spanien bis Georgien, die unter der fachkundigen Anleitung der Lehrkräfte von der Germanistikfakultät in die Geheimnisse der deutschen Sprache eingeführt wurden und auch die Abschlussprüfung mit hoffentlich guten Ergebnissen bestanden haben. Die Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erst bekanntgegeben. Zur Zeit ist auch die Akkreditierung des Sprachkurses in Arbeit.

Die Studierenden der Grundschulpädagogik, die unsere für sie bald schon zu kleinen Räume mit benutzen, sind auf Grund ihrer Anzahl vor allem nachmittags und abends nicht zu übersehen und zu überhören. Wir freuen uns, dass sie unsere Lerngemeinschaft bereichern.

Wir wünschen allen Studierenden, die unter unserem Dach wohnen und lernen, eine erfolgreiche Prüfungszeit und viel Kraft und Mut für die Aufgaben und Entscheidungen, die auf sie zukommen werden.

Unser Studienbetrieb wäre auch in dem jetzt ablaufenden Studienjahr nicht möglich gewesen ohne die Mitwirkung unserer Reinigungskraft Petronela Pașcu, unseres Bibliothekars Dr. Florin Călian (der leider seine Arbeit in der Bibliothek Ende Mai beendet hat und zum Ökumenischen Institut zurückgeht) sowie unserer Sekretärin Dr. Ramona Besoiu, die nicht nur unser aller rechte Hand ist, sondern ganz häufig auch der Kopf, der alles, was in diesem Haus geschieht, mit bedenkt und zusammenhält. Ihnen allen sei für ihren Einsatz herzlich gedankt.

Zu dem Althergebrachten gehören auch die gemeinsamen Feiern: der Eröffnungsgottesdienst, der Gemeinschaftsabend im Bischofshaus, die Adventfeier und auch dieser Schlussgottesdienst. Es sind Anlässe, die uns zeigen, dass wir nicht allein sind und auch nicht allein unser Dach tragen müssen, sondern dass es noch viele andere gibt, die unsere Arbeit schätzen und uns unterstützen.

Auch Neues haben wir zu verzeichnen. Da wäre zunächst die Reise unserer Studierenden, gemeinsam mit den Vikaren, nach Paderborn zu einem Crashkurs Religionspädagogik zu nennen. Es folgt in wenigen Tagen eine weitere Reise nach Paderborn und nach Dortmund zum Kirchentag und dann zu Beginn des nächsten Semesters der Gegenbesuch der Paderborner Partner bei uns.

Neu war auch unser Besuch bei einer Rüstzeit des Landesjugendmitarbeiterkreises in Michelsberg sowie im Schülerheim, wo wir für das Studium der Evangelischen Theologie geworben haben. Unsere Besuche sind dort hoffentlich positiv aufgenommen worden.

Einzigartig in diesem Studienjahr war der Tag der Offenen Türen am 30. März, den wir aus Anlass des 70jährigen Bestehens unseres Theologischen Instituts veranstaltet haben und der allen Beteiligten einen Einblick gewährt hat in das Studentenleben im Laufe der Zeit und in die Vielfalt dessen, was evangelische Theologie ausmacht.

Der 70. Geburtstag des Theologischen Instituts wird uns auch auf akademischer Ebene beschäftigen. Im Herbst wird eine internationale wissenschaftliche Tagung zum Thema „Grenzen überschreiten“ stattfinden, die sich sowohl diesem Jubiläum als auch den 500 Jahren seit der Verbreitung reformatorischer Schriften in Hermannstadt widmen wird. Wir laden dazu schon jetzt ein, vom 31. Oktober bis 3. November in der Evangelischen Akademie Siebenbürgen.

Ganz neu ist die von der Kirchenleitung nach Gesprächen mit der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa ausgehende Idee der Einrichtung eines Kompetenzzentrums Theologie Ost, das die Angebote der unterschiedlichen Institutionen im Bereich Theologie, Gesellschaft und Ökumene bündeln und ausbauen soll. Erste Gesprächsrunden mit den für die verschiedenen Einrichtungen Verantwortlichen sind veranstaltet und auch Kontakte zu potenziellen Förderern und Unterstützern aus dem Ausland sind aufgenommen worden.

Zu danken haben wir allen, die unseren Studiengang haupt- und ehrenamtlich, aber auch konzeptionell, ideell und moralisch unterstützen. Dazu kommt die finanzielle Unterstützung, die uns auf unterschiedliche Weise zugutekommt: Einzelspenden, Bücherspenden von Privatpersonen oder Neuzugänge für die Bibliothek über das Gustav-Adolf-Werk, finanzielle Unterstützung von Seiten der Kärntner Landesregierung, von der wir unter anderem den neuen Werbeflyer drucken konnten sowie die stetige Unterstützung durch unser Landeskonsistorium, das Gästezimmer für ausländische Dozenten ebenso zur Verfügung gestellt wie die Kosten für die Reisen nach Paderborn übernommen, die Ausgaben für die Mahlzeiten zu den Festanlässen getragen und Stipendien für unsere Studenten vermittelt hat und nicht zuletzt dafür sorgt, dass wir bald unter einem neuen Dach wohnen und arbeiten können.

Bei alledem wollen wir aber nicht vergessen, dass wir all unsere Bemühungen und unser Tun dem verdanken, der die Hoffnung in uns wach hält; mit den Worten des Psalmbeters gesprochen: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe“ (Ps 91,1-2).

Renate KLEIN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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