„Solo2Darwin”: Flug nach Australien

Britische Pilotin Amanda Harrison landete mit ihrem Tiger Moth auch in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2626

Kleines Flugzeug, wenig Stauraum, Amanda Harrison nahm trotzdem die Zeichnung mit.
Foto: Ruxandra STĂNESCU

Strahlend blaue Augen, ein breites Lächeln im Gesicht und durchgefroren: Die britische Pilotin Amanda Harrison landete am 17. Mai mit einem restaurierten Tiger Moth am Hermannstädter Flughafen, der vierte eingeplante Zwischenstopp auf ihrer Durchreise aus London nach Darwin, Australien. Inspiriert für diesen Flug, den sie Solo2Darwingetauft hat, wurde sie von der britischen Flugpionierin Amy Johnson, die 1930 einen Solo-Flug mit einer Gipsy Moth von Großbritannien nach Australien in nur 19 Tagen vollendete.

 

In einem der kältesten Monaten Mai der letzten 30 Jahren startete Amanda Harrison ihren Flug, den sie seit 15 Jahren geplant hat und den sie immer wieder aus unterschiedlichen Gründen verschoben hat. Nachdem sie ihren Brustkrebs im Vorjahr überwunden hat, entschied sie sich, ihren Lebenstraum nicht mehr zu verschieben und kaufte sich einen 1942 gebauten und inzwischen restaurierten Doppeldecker Tiger Moth von de Havilland.

„Ich muss mich für meine Verspätung entschuldigen, ich weiß, ich bin drei Tage zu spät gekommen”, witzelte die Pilotin mit britischem Humor. Tatsächlich kam sie nach Hermannstadt viel später als geplant an, unter anderem machten ihr Regen und Kälte zu schaffen. Trotz dicker Kleidung und Schuhwerk, machte ihr das Wetter zu schaffen: „Nur ein kleiner Teil meiner Stirn ist frei, dort spürt man aber die Regentröpfchen wie Eisnadeln.”

Der Tiger Moth landete in Hermannstadt.
Foto: Ruxandra STĂNESCU

Bereits im ersten Teil der Strecke bis Wien hatte sie sich verspätet und mehr Zeit gebraucht, als Amy Johnson. Anders als ihre Vorgängerin, steht Harrison allerdings nicht unter Zeitdruck. Amy Johnson wollte mit ihrem Alleinflug den Rekord ihres Zeitgenossen Bert Hinkler 1928 von 15 und einhalb Tagen unterbieten. Auch als sie die Strecke dann in 19 Tagen zurück legte, war das eine für ihre Zeit hervorragende Leistung, die auch entsprechend gefeiert wurde.

Amanda Harrison hatte zuerst geplant, die 9.260 nautischen Meilen (rund 17.150 km) in 30 Tagen zu absolvieren und Mitte Juni in Australien anzukommen. Inzwischen rechnet sie mit einer Verspätung, da sie in den ersten Tagen Wetterprobleme hatte, inzwischen musste auch ihr Flugzeug repariert werden.

In Hermannstadt angekommen, wurde sie von einer Kindergrippe erwartet, unter anderem von einem Mädchen, dass unter Dyslexie leidet und ihr eine Zeichnung schenkte, die sie in ihrem winzig kleinen Stauraum im Flugzeug mitnahm. „Lass dich nicht unterkriegen, denn die Dyslexie kann ein Geschenk sein”, erklärte die Pilotin, die selber unter dieser Lese-Rechtschreibstörung leidet. Das hat sie allerdings nicht zurückgehalten, sich ihren Kindheitstraum zu erfüllen und Linienpilotin zu werden: „Ich habe gelernt, wie ich lernen muss.”, erklärte sie schlicht.

Projekte rund um Dyslexie will die Pilotin unterstützen, für die sie unter anderem auch durch diesen Flug Spenden sammelt. „Ich möchte natürlich nicht nur für eine Art Projekte Spenden sammeln”, erklärte die Pilotin, „denn es sind viele Projekte, die mich interessieren und die ich unterstützen will. Es ist sehr wichtig, dass die Frauen lernen, sich regelmäßig abzutasten. Weil meine Mutter unter Brustkrebs gelitten hat, war ich sehr aufmerksam und habe meinen Krebs sehr früh erkannt, was mir natürlich die Chancen, mich vollständig zu erholen und weiter als Pilotin arbeiten zu können, enorm gesteigert”. Dabei setzt sie sich auch ein, dass Männer lernen, sich auch regelmäßig abzutasten, um frühzeitig den Hodenkrebs zu erkennen, denn das ist in der Altersgruppe von 20 bis 40 Jahren die häufigste Krebsart, die erscheint. Unterstützen will die Pilotin auch Projekte, die sich um Gehirnkrankheiten kümmern, denn daran hat sie ihren Vater verloren, sagt Harrison und wird für wenige Sekunden traurig, als sie erklärt, dass er ihr sehr fehlt und dass sie gerne ihren jetzigen Erfolg auch mit ihm geteilt hätte.

Amy Johnson (etwa 1934).
Foto: Wikipedia

Auch für ihr Vorbild Amy Johnson-Mollison – geboren am 1. Juli 1903 in Hull, Yorkshire, verstorben am 5. Januar 1941, während des Zweiten Weltkriegs, in ungeklärten Umständen – war der Vater sehr wichtig in ihrer Karriere. Dank seiner finanziellen Unterstützung konnte sie ihren Job als Sekretärin kündigen und den Schein für Privatpilot erhalten. Mit dem Geld ihres Vaters kaufte Johnson sich eine einmotorige Gypsy Moth von de Havilland, lackierte sie grün und taufte die heute im Londoner Science Museum ausgestellte Maschine nach dem Namen der Firma ihres Vaters „Jason”.

Der von Johnson nach Australien geflogene Gypsy Moth ist größer als Harrisons Doppeldecker Tiger Moth, so dass diese kürzere Strecken zurücklegen kann. Auf dieser Reise plant sie, maximal siebeneinhalb Stunden in der Luft zu sein, allein mit ihrer Maschine.

Angst hat sie weitaus weniger als vor ihrer Krankheit: „Es war viel erschreckender, Krebs zu haben, als zu fliegen – auch diesen kleinen Tiger Moth. Als mir der Arzt gesagt hat, dass ich Krebs habe, bin ich einfach erstarrt. Als Pilotin habe ich gelernt, einen kühlen Kopf zu bewahren, doch beim Arzt gab es Momente, als ich Fragen gestellt und Antworten erhalten habe, an denen ich mich nicht mehr erinnern kann.”

In ihrem Tiger Moth muss Amanda Harrison einen kühlen Kopf bewahren, denn sie muss 23 Länder überfliegen und in mindestens  33 Orten landen, quer durch die halbe Welt.

Inzwischen ist Amanda Harrison am 29. Mai in Beirut angekommen und fliegt Richtung Amman. Auf ihrer Internetseite https://www.amandajharrison.com ist auch ein Tracker, mit dem man verfolgen kann, wo sie sich gerade befindet, wie hoch und wie schnell sie fliegt. Ebenda kann man auch Infos finden, wie man die Pilotin durch Spenden unterstützen kann.

Ruxandra STĂNESCU

 

 

 

 

                                        

 

 

 

 

Posted in Aktuelle Ausgabe, Soziales.