„Leben, wohnen, arbeiten im Zentrum”

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Investoren planen neuen Stadtteil „Amylon 2022″ in Hermannstadt

Paul König und Karl Heinz Perianu. Foto: der Verfasser

Vergangenen Dienstag fand der zweite Workshop einer vierteiligen Workshopreihe zur partizipativen Planung der Stadtentwicklung  in der Gegend Amylon an der Schlachthofgasse/Str. Abatorului in Hermannstadt statt, moderiert im Auftrag der Investorengruppe von der Architekturfirma A.PLAN. Über die hier eingesetzte Methodologie „Urban Design Management“ beabsichtigt man sowohl für den Entwickler als auch für die Gemeinschaft einen Wert zu schaffen. Es geht es um ein über 40.000 Quadratmeter großes Grundstück, wo Paul König zusammen mit Karl  Heinz Perianu als Investoren einen neuen Stadtteil schaffen wollen mit Berücksichtigung des Bedarfs und der Meinung der Hermannstädter Bürgerinnen und Bürger. Die Kernidee sei, wie sich König ausdrückte, „leben, wohnen, arbeiten im Zentrum”.

Im Rahmen des Workshops in der ehemaligen Kantine der Amylon-Fabrik stellte Architektin Maria Găvozdea von A.PLAN die Ergebnisse des vergangenen Workshops sowie Beispiele für verschiedene Lösungen im Bereich des Wohnungsbaus aus anderen Ländern, die für die  gegebene Situation interessant sind, vor. Anschließend hatten die  Anwesenden die Möglichkeit, aufgeteilt auf Gruppen und innerhalb  von drei Gesprächsrunden Meinungen zu verschiedene Themen auszutauschen und dann die Schlussfolgerungen kurz vorzustellen. 

Die Absicht ist, Bürger, Interessenten, Besitzer von Nachbargebäuden,  Vertreter der lokalen und zentralen Behörden mitzubeteiligt, wobei  die Ideen die im Rahmen der Workshopreihe entstehen, dann  in den Flächenbauplan „Plan Urbanistic al Zonei Construite Protejate Cibin Centru_b“ integriert werden.

Paul König hatte hier  bereits einige kritische städtebauliche Dinge erlebt, ein Umstand der ihm den Anreiz gab, es im Rahmen dieses Projektes „anders“ zu gestalten.  „Wir machen heute eine Studie wie der Bürger in Hermnnstadt leben, arbeiten und wohnen möchte, erklärte Paul König. “Wenn uns das gelingt werden wir auch die baulichen Einrichtungen dazu gestalten.“  König hofft auch auf einer konstruktiven  Zusammenarbeit mit dem Stadtbauamt. Das Ziel ist 2022 die ersten nutzbaren Einheiten fertigzustellen. Ein Vorteil des neuen Stadtteils wird u.a. auch die Nähe zur Innenstadt sein. „Fahrzeuge, individuelle Verkehrsmittel wird es hier auch geben müssen, aber wir wollen den Anreiz schaffen, dass ein großer Anteil von diesen Verkehrsmitteln von unseren Grünflächen verschwindet um echte Grünflächen zu besitzen“, verriet König eine Vision. Den Schwerpunkt möchte man auf Qualität und Nachhaltigkeit legen. „Ein moderateres Leben mit möglichst wenig Störfaktoren“, stellt sich König das Leben im zukünftigen Stadtteil vor. Auch Platz für Familien mit Kindern möchte man schaffen. Wichtig sei, dass  Jung und Alt Platz finden und keine Enklaven entstehen.

Für die Beiden ist es  „ein „Pilotprojekt“, denn sowohl  König  als auch Perianu betreiben ein Gewerbe, wobei sie  u. a. im Glasfaserausbau tätig sind. König lebt schwerpunktmäßig in Bayern, kommt aber regelmäßig nach Rumänien. Karl  Heinz Perianu ist ein Neppendorfer, der 20 Jahre lang in Deutschland verbrachte und nun seit sechs Jahren wieder in Hermannstadt lebt und vor hat, „den Rest vom Leben hier zu verbringen“.

 Die Firma A.PLAN kümmert sich übrigens auch um den Flächennutzungsplan sowie die  Workshops.„Als wir bemerkten, dass der Investor eine Stadtentwicklung von hoher Qualität zu schaffen beabsichtigt, haben wir ihm zusätzlich die  partizipative Planung vorgeschlagen, indem die Urban Design Management-Methodologie eingesetzt  wird und  das nun zum ersten Mal in Rumänien“, sagte Găvozdea. Der Zweck von diesem Vorgehen sei, den realen Bedarf der Gemeinschaft kennenzulernen, um einen Wert für die Beteiligten oder davon beeinflussten Personen zu schaffen.

Urban Design Management wurde von einer Architektengemeinschaft an der Universität in Helsinki vor etwa 14 Jahren entwickelt und in zahlreichen Projekten in Deutschland, England, Holland und der Schweiz eingesetzt. Zwei der Autoren der Methodologie sind Partner im Rahmen des Architekturbüros Helsinki-Zuric, das in den beiden Städten tätig ist.  Diese haben nun in Partnerschaft mit dem Architekturbüro VitaminA aus Temeswar eine Finanzierung von der Europäischen Kommission über die Plattform Social Challenges bekommen, auf Grund der Lösung zu der von der Heritas-Stiftung vorgeschlagenen Herausforderung, innovative Instrumente zur städtischen Koplanung zu schaffen, die der rumänischen Gesetzgebung angepasst sind. „Amylon 2022 ist nun das erste Projekt, in dem wir einen Teil von der von Helsinki-Zürich und VitaminA erarbeiteten Lösung einsetzen, wobei diese auch für weit komplexere Situationen geeignet ist“, sagte Găvozdea.

„Ich war sehr zufrieden mit der Teilnahme am Workshop. Die Teilnehmer hatten eine konstruktive Haltung“, schlussfolgerte Găvozdea. Eine  größere Teilnahme habe man sich allerdings seitens der Nachbarn und der Behörden gewünscht, diese ersten Treffen überlagerten sich leider mit einer für sie überfüllten Zeit.

Die Ergebnisse des Planungsprozesses beabsichtigt man in einer Form zur Verfügung zu  stellen, dass u. a. an der Gegend interessierte Investoren zugreifen können.             

Werner FINK

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