Es ging (nicht nur) um die Wurst

Gastronomisches Wochenende im Hermannstädter Lazarett-Viertel
Ausgabe Nr. 2614

 

Die Gewinner der Kategorie „Profis“ beim Wurstwettbewerb (v. l. n. r.): Marinel Dima, Dragoș Pădurariu und Călina Varga) präsentierten stolz ihr Produkt bevor es in der Bratpfanne landete.   
Foto: Cynthia PINTER

„Wurst ist eine Götterspeise. Denn nur Gott weiß, was drin ist.” Dies sagte der Schriftsteller und Dichter Jean Paul schon im 18. Jahrhundert. Bei der Wurst, die man aus dem Supermarkt kauft, trifft dieser Spruch manchmal zu, weil man selten entziffern kann, was in ihr steckt. Das Geheimnis der Wurst wurde am Sonntagnachmittag (24. Februar) im Rahmen der Veranstaltung „Gusturile iernii“, in der Redal Expo-Halle in Hermannstadt gelüftet, wohin die Veranstalter vom Konsortium „Europäische Gastronomieregion Hermannstadt“ eingeladen hatten.

Hier fand zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder ein Wurstwettbewerb statt. Teilgenommen haben Profis und Amateure, jeder mit seinem geheimen Hausrezept. Am Freitag wurden Käsesorten aus der Hermannstädter Gegend zur Verkostung ausgestellt und am Samstag Speckarten.

Begonnen hat die Veranstaltung schon am Freitag, dem 22. Februar. In der Redal Expo- Halle war viel los, denn der sogenannte Samstagsmarkt, der sonst vor der Transilvania-Halle stattfindet, wurde hierhin, ins Lazarett-Viertel verlegt. Dies bot den Einwohnern eine besondere Gelegenheit, ihren Einkauf hier zu tätigen. Doch die Höhepunkte am Wochenende waren die Wettbewerbe mit Kostproben.

Das Kaschkawal-Angebot der Firma „Seviș“ ließ einem das Wasser im Mund zusammenlaufen…
Foto: Cynthia PINTER

Der Freitag war dem gereiften Käse gewidmet. Leider hatten sich hier keine Amateur-Käser eingeschrieben. Die meisten Produkte stellte die Hermannstädter Firma „Seviș“ vor. Vor allem spezielle Kashkawal-Sorten mit Kümmel oder Moosbeeren waren die Stars des Büffets, aber auch „Burduf“, „Telemea“ und „Urda“ durften nicht fehlen. Dazu noch ein gutes Hausbrot und trockenen Rotwein, fertig war das Käsemenü. Musikalisch und tänzerisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Folkloreensemble „Ceata Junilor“.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung am Freitagmittag von dem Orchester der „Ceata Junilor“, dem Nachwuchsensemble von Cindrelul Junii Sibiului, zu deren Musik die gleichnamige Tanzgruppe rumänische Volkstänze aus dem Hermannstädter Umland (Mărginimea Sibiului) vorführte.                                                                    
Foto: Cynthia PINTER

Der Samstag war dem Speck gewidmet. Den Speck gab es gepökelt, geräuchert oder getrocknet, dazu Grammeln und Schinken nach traditioneller Art hergestellt. Sehr speziell im Aussehen, wie im Geschmack waren allerdings die neuen Interpretationen mit Speck, zum Beispiel: Schokopralinen mit Trüffeln, Chilli und Speck oder Hamburger mit Philadelphia-Eiscreme und Speck, Eclair mit Grammelnmousse, Bacon und geriebenen Bohnen. Während man diese exotischen Spezialitäten ausprobierte, konnte man dem Tanz der „Junii Sibiului“ zusehen, die wie immer alle Blicke auf sich zogen.

Die stellvertretende Kreisratsvorsitzende Christine Manta-Klemens (Bildmitte) und die Hochschullehrerin Dr. Mihaela Antofie (links) lassen sich von Dr. Iulia Drăguț, der Vorsitzenden des ACEEA-Vereins, professionell bei der Kostprobe begleiten.
Foto: Cynthia PINTER

Der Höhepunkt des kulinarischen Wochenendes war der Sonntag, denn es ging im wahrsten Sinne des Wortes um die Wurst. Insgesamt 10 Mannschaften schrieben sich für den Wettbewerb um die beste Bratwurst ein. Drei Stunden hatten sie Zeit, um am Ende eine 20 Zentimeter lange, gebratene Wurst der Jury zu präsentieren. Die meisten Teams verrieten, dass sie nur die traditionellen Zutaten für die Bratwurst verwendeten: Salz, Pfeffer, Paprika und Knoblauch. Das Gewinnerteam hatte gleich drei Bratwurstsorten zubereitet: Die erste Wurst wurde zwar traditionell gefertigt, aber in Weinsoße gebeizt, die zweite wurde mit Basilikum und mediterranen Gewürzen und die dritte mit Dijon Senf gewürzt. „Das Fleisch muss roh immer wieder gekostet werden“, sagte einer der Amateurköche, der das Fleisch für seine Wurst ganz traditionell mit dem Hackbeil zerkleinerte. Die meisten nahmen allerdings den bekannten Fleischwolf zur Hand.

Alle Köche bekamen die gleiche Menge und Sorte von Schweinefleisch, so kam ein fairer Wettkampf zustande. Und obwohl das Braten der Wurst wieder eine Kunst für sich ist, mussten die Köche diese schwierige Aufgabe selber übernehmen.

Die Jury hatte keinen leichten Job, denn alle Bratwürste sahen sehr schmackhaft aus. Während die Köche verkosteten, luden die Organisatoren zu einem One-Man-Konzert ein: Romulus Cipariu spielte englische Oldies und rumänische Romanzen auf seinem Zymbal und sang dazu. „Imagine“ (The Beatles), „Those Were The Days“ (Mary Hopkin), „Wish You Were Here“ (Pink Floyd), „Constantin și Veronica“ (Mircea Vintilă), „Au înnebunit salcâmii“ (Tudor Gheorghe) waren nur einige der Lieder, die der Musiker zum Besten gab.

Romulus Cipariu und sein Zymbal.
Foto: Cynthia PINTER

Inzwischen waren sich die Juroren einig geworden und gaben die besten Bratwurstmacher bekannt. Bei den Profis teilten sich gleich drei Mannschaften den großen Pokal: Team 9 (Szasz Gyuri, Dragoș Pădurariu, Marinel Dima, Călina Varga), Team 3 (Vasile Hotca, Vasile Ardelean, Radu Gârba), Team 2 (Ștefan Ignat, Maria Ignat), während bei den Amateuren das Team 7 des Astra-Museums, bestehend aus Mihaela Gherghel, Mihai Bănut, Lucian Olaru und Raluca Iliuț, siegte.

Dieses Wochenende war eine kleine Kostprobe für das gesamte Jahr, das unter dem Titel „Europäische Gastronomieregion Hermannstadt“ verlaufen wird. Um immer über die neuesten kulinarischen Veranstaltungen auf dem Laufenden zu sein, hat das Bürgermeisteramt auf seiner Homepage eine Extraseite eingerichtet, die jederzeit unter https://www.sibiu.ro/index.php/SRGE aufrufbar ist.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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