Jenseits der Angst

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Buch über Begegnungen im Amazonas-Regenwald

„Was man nicht liebt, kann man nicht pflegen und was man nicht kennt, kann man nicht lieben“. Mit dieser Aussage, die sie auf einem Zettel in einem unansehnlichen Schaufenster in einem Hotel in Coca entdeckt hatte, schließt das Buch der Klausenburgerin Luminița Cuna über ihre Reisen in das Amazonas-Gebiet. Die Vorstellung des Buches  „Desculță în Amazon“ (Barfuß im Amazonas) fand Ende Dezember 2018 im Erasmus-Büchercafé statt.

 

Die in Klausenburg geborene IT-Fachfrau arbeitet schon seit bald 15 Jahren in New York und wollte zunächst gemeinsam mit ihrer ebenfalls aus Rumänien stammenden Freundin etwas unternehmen, das sie aus dem drögen Alltag eines Büroraumes in einem Wolkenkratzer herausholen würde. Ein Buch darüber zu schreiben habe sie eigentlich nicht vorgehabt, gab Cuna bei der Buchvorstellung zu. Aber dann sei es doch dazu gekommen, denn sie empfand es wichtig, ihre Erlebnisse aufzuzeichnen und einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

Cuna hat sich in den letzten zehn Jahren immer wieder eine längere Zeit im Amazonas-Becken aufgehalten und schildert in ihrem Buch u. a. Begegnungen mit Ureinwohnern und dem größten tropischen Urwald. Wer das Buch liest, stolpert regelmäßig über die Schilderungen der Lage der indigenen Völker, die heutzutage zum Großteil bloß nur touristischen Zwecken dienen. Viele Touristikfirmen werben damit, ihren Kunden einen Einblick in das Leben der echten“ Quechua- oder Huaorani-Völker zu gewähren, doch bleiben diese Einblicke gewöhnlich im Folkloristischen stecken, eine echte Begegnung findet nicht statt. Luminița Cuna und ihre Freundin wählen den harten“ Weg, sie gehen in die Gemeinschaften, machen beim Jagen im Regenwald mit, essen und trinken mit den Indigenen, wobei es ihnen manchmal schon unheimlich zumute ist.

Luminița Cuna: Desculță în Amazon.  Editura Paralela 45, Pitești, 2018, 319 S., ISBN 978-973-47-2823-7

Doch unheimlich findet Cuna nach etlichen Besuchen nicht die Lebensweise der letzten Ureinwohner im Amazonas-Regenwald in Ekuador, Brasilien, Peru, Bolivien und Kolumbien, sondern die Tatsache, dass durch die Erdölförderung deren Lebensraum immer mehr eingeengt wird. Die massiven Abholzungen nehmen kein Ende, richtige Autobahnen für die Lastwagen und Sattelschlepper und andere Gerätschaften vertreiben Mensch und Tier, schlagen offene Wunden in den Urwald. Dabei wird sich die Autorin irgendwann bewusst, dass erst vor knapp 50 Jahren die als die gefährlichsten eingestuften Indigenen am Oberlauf des Amazonas, die Huaorani-Indianer erstmals von der Außenwelt kontaktiert worden waren. Der erste Kontakt endete für die fünf Missionare, die in das Gebiet dieser Indigenen eingedrungen waren, tödlich. Die Huoarani betrachteten sie als Eindringlinge und töteteten sie.   Diese Information, die damals, es war im Jahr 1958, Schlagzeilen in der Weltpresse machte, hatten Cuna und ihre Freundin im Hinterkopf, als sie sich entschlossen, die Huaorani hautnah zu erleben. Sie folgten dem Zitat des Motivationstrainers Jack Canfield, das dem Buch als Motto dient: Everything you want, is on the other side of fear“ (Alles, was du dir wünschst, befindet sich jenseits der Angst). Sie erfuhren ungewöhnlich große Gastfreundschaft und Cuna gründete sogar eine Stiftung, die Maloca Communities (www. malocacommu nities.org), um den Kampf der indigenen Völker des Amazonas für den Erhalt ihrer Kultur und des Regenwaldes zu unterstützen. Sie produzierte u. a. einen Dokumentarstreifen über die Huaorani im Yasuni-Naturschutzgebiet: OME“ (Regie Raul Paz Pastrana) mit dem Untertitel: Geschichten aus einer Welt, die untergeht“.

Beatrice UNGAR

 

 

 

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