„Das ist einfach nur schmutzige Politik”

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Gespräch mit Prof. Dr. Zeno Pinter, Vorsitzender des Hermannstädter Forums

 


Prof. Dr. Zeno Pinter ist seit vielen Jahren Forumsmitglied und hat das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien auch als Unterstaatssekretär in Bukarest vertreten, bevor er 2018 die Leitung übernahm, nachdem der langjährige Forumschef Hans Klein das Amt niedergelegt hat. Foto: die Verfasserin

Prof. Dr. Zeno Pinter leitet seit April des vergangen Jahres das Hermannstädter Forum, ist auch an der Lucian Blaga-Universität als Professor für Geschichte und Archäologie des Mittelalters tätig und hat eine halbe Norm beim Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften der Rumänischen Akademie als Forscher ersten Grades, ist verheiratet und hat eine Tochter. Über seine Tätigkeiten sprach er mit HZ-Redakteurin Ruxandra STĂNESCU.

 

Wie waren die Erfahrungen als Vorssitzender des Hermannstädter Forums bisher?

Eigentlich sehr gut. Ich muss sagen, es gibt hier eine tolle Mannschaft, eine sehr gute Zusammenarbeit, nicht nur auf unserer Ebene,  wir sprechen ja hier von Etagen (lacht), denn oben sind das Landesforum und das Siebenbürgenforum, hier unten das Hermannstädter Forum. Wir arbeiten sehr gut zusammen, wir haben keine Schwierigkeiten und ich hoffe, dass das so bleibt.

Leidet Ihre Arbeit als Historiker unter diesem neuen Amt?

Nein, ich würde das nicht sagen. Was am meisten leidet ist meine Freizeit. Die Forschung habe ich nicht einmal in der Zeitspanne 2005 bis 2010, als ich in Bukarest als Unterstaatssekretär beim Departement für Interethnische Beziehungen  tätig war, vernachlässigt. Und das war damals mehr als ein Vollzeitjob. Ich war rund um die Uhr beschäftigt, weg von Zuhause und trotzdem habe ich meine Forschungen gemacht, wenn auch auf Sparflamme. Und das war gut so, denn da konnte ich wieder anknüpfen und weitermachen. Ich habe auch nicht vor, das irgendwie zu vernachlässigen, denn die Geschichte ist mein Beruf und ich liebe meinen Beruf.

Hilft Ihnen Ihre politische Erfahrung in Bukarest?

Ja, schon, das muss man sagen. Wenn diese Zeit als Unterstaatssekretär in Bukarest für mich persönlich etwas gebracht hat, dann war es eben die Erfahrung, wie es ist, mit unterschiedlichen Menschen zu arbeiten, auch mit den freundlichen, aber auch mit denen, die auf der Gegenseite sitzen, mit allen zu verhandeln, zu sprechen. Damit hat man immer zu tun in dieser Position.

Was ist Ihrer Meinung nach zu der Verleumdungskampagne vieler Politiker gegen die deutsche Minderheit zu sagen?

Es ist sehr schlimm, dass so etwas passiert, nicht nur für uns. Als ich in Bukarest war, war die deutsche Minderheit immer etwas ganz Besonderes und zwar im positiven Sinne. Damals waren wir „gut”, mit Deutschland und mit Österreich zu verhandeln – das war die Zeit, in der Rumänien in die EU aufgenommen wurde -, damals waren wir die Besten und die Schönsten. Auf einmal, wegen strikt politischen Realitäten, sind wir jetzt… ich wage es gar nicht zu sagen, wie wir bezeichnet werden… Das ist nur schmutzige Politik würde ich sagen, denn diese Politik ist kränkend für die richtigen Politiker. Leider ist da auch sehr viel Unwissen der Massen, die man heutzutage über die Medien so leicht beeinflussen kann. Man kann jemanden so schnell – in diesem Fall eine nationale Minderheit – beschmutzen und man wäscht ihn so schwer wieder rein, dass man sich das gar nicht vorstellen kann. Auch wenn danach 100 Leute aus Deutschland und Luxemburg und woher auch immer kommen und sagen, dass das alles nicht stimmt, das kann man nicht mehr rückgängig machen. Das ist nicht gut und ich versuche wenigstens hier, in Hermannstadt, den Geist dieser Stadt weiter auf der richtigen Linie zu halten. Bei der letzten Umfrage haben wir gesehen – und ich hoffe, es bleibt auch weiterhin so -, dass man die Hermannstädter nicht so leicht an der Nase herumführen kann. Das hoffe ich wenigstens. Sicher haben wir hier in Hermannstadt auch Leute, die sich der Verleumdungskampagne der Regierungspartei anschließen, auch ich persönlich hatte Probleme mit solchen Personen – ich will gar nicht darauf eingehen – aber ich glaube, unsere Stadt ist doch eine Insel.

Wie kann das Forum dagegen steuern?

Also ganz konkret, wir unterstützen die Prozesse, die das Landesforum führt gegen solche Verleumder, finanziell und logistisch und wo wir können, denn anders geht es nicht. Mir persönlich liegt das gar nicht, aber wir müssen uns wehren.

Was sind die wichtigsten Pläne des Forums dieses Jahr?

Ich möchte erstens eine Kontinuität haben – wie ich auch bei der ersten Vorstandssitzung gesagt habe -, ich möchte, dass wir die erfolgreichen Programme weiterführen. Also würde ich auf keinen Fall jetzt auf Maifest oder Marienball zum Beispiel verzichten. Das sind alles sehr schöne Veranstaltungen, an denen die Forumsmitglieder und die Bevölkerung sehr viel Freude haben. Auf jeden Fall ist mir wichtig, dass wir weiterhin Bücher drucken. Wir haben im Forum sehr wichtige und sehr gute Bücher gedruckt und da hoffe ich, auch ein guter Nachfolger von Hans Klein zu sein, denn auch ich liebe noch immer die Bücher auf Papier. Die Bücher, die mit unserer Unterstützung herausgebracht werden sollen, sind  sowohl im Bereich  Wissenschaften, aber auch Literatur, alles was mit Hermannstadt und mit Siebenbürgen zu tun hat.

Dann gibt es noch Projekte, die wir durchführen müssen, im Bereich Verwaltung. Dieses Haus nämlich. Es ist ein altes Haus, ein denkmalgeschütztes Haus, ein Haus am Großen Ring – es kostet viel, dass man alles nicht nur instand hält, sondern auch einen gewissen Standard hält. Heuer sollen ganz große Reparaturarbeiten im Spiegelsaal durchgeführt werden. Das finanzieren wir als Eigentümer des Hauses, aber wir haben auch die Unterstützung des Landes- und des Siebenbürgenforums.

Haben Sie auch politische Pläne?

Ja, sicher haben wir politisch manches vor, denn wir haben ja heuer die Europawahlen. Auch wenn wir keinen eigenen Kandidaten haben, sind wir auch Bürger des Landes. Auf politischer Ebene findet das für uns wichtigste Ereignis für uns Ende November oder Anfang Dezember statt: Die Präsidentschaftswahlen, wo wir uns natürlich involvieren werden.

Gibt es Projekte, die Ihnen persönlich sehr wichtig sind?

Ja, persönlich würde ich mich freuen, wenn das Forum weiterhin besteht und wenn wir mehr Jugendarbeit hätten. Darauf will ich mich gern konzentrieren. Wir haben nämlich nicht nur ganz junge und ganz alte Mitglieder im Forum, sondern wir haben auch in der Mitte eine Schicht und das sind eigentlich die Leute, für die wie mehr machen könnten. Diese sind zwar zur Zeit oft zu beschäftigt, mitzumachen, aber wir sollten eben auf diese Leute zugehen, denn sie bilden die Zukunft des Forums. Das wäre vielleicht mein Lieblingsprojekt sozusagen, das Forum nicht unbedingt jünger zu machen, das geht nur bedingt, sondern ich will in der nächsten Zeit das Hermannstädter Forum effektiver machen.

Vielen Dank.


Prof. Dr. Zeno Pinter ist seit vielen Jahren Forumsmitglied und hat das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien auch als Unterstaatssekretär in Bukarest vertreten, bevor er 2018 die Leitung übernahm, nachdem der langjährige Forumschef Hans Klein das Amt niedergelegt hat. Foto: die Verfasserin

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