„Märchenhaft verträumt”

Die Maramuresch in Bild und Wort

Ausgabe Nr. 2607

Björn Reinhardt: Maramuresch. 101 Foto/Geschichten aus den Waldkarpaten Rumäniens. Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt, 2018. 104 Seiten. ISBN 978-3-946954-24-8

Es lohnt sich, bis in die Maramuresch zu reisen, und das nicht nur der schönen Landschaft wegen. Dabei verspricht sie nichts Spektakuläres oder schon auf den ersten Blick Auffälliges. Im Gegenteil, sie verspricht anfangs gar nichts. Sie ist ruhig, dabei Geist und Seele besänftigend, und das in zunehmender Weise. Sie offenbart sich dem in sie Hineinwachsenden hügelweise, dabei von Berg zu Berg leicht ansteigend und von Tal zu Tal in ihr versinkend. Das vorherrschende Licht, geboren in den Nebeln ihrer Geschichte, transportiert endlose, oft märchenhaft verträumte Stimmungen“.

 

Dies ist nur eine der Beschreibungen dieses Landstrichs im Nordwesten Rumäniens, mit denen der 1963 in Berlin geborene Dokumentarfilm-Regisseur Björn Reinhardt in seinem Maramuresch“ getitelten Band aufwartet. 101 Schwarz-Weiß-Fotos und Geschichten dazu bieten einen sehr persönlichen Einblick in die Region, wohin Reinhardt 2002 umgesiedelt ist und ein Maramuresch-Filmarchiv aufbaut (www.maramures.de). Hier entstanden bisher über 40 Dokumentarfilme. Seit 2008 arbeitet Reinhardt auch als Fotograf. Übrigens wurde Reinhardt für seinen ersten Dokumentarfilm – Hinter sieben Burgen“ – , den er 1995 in Siebenbürgen gedreht hatte, für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Er debütierte 2016 als Schriftsteller mit dem Roman Limes – Flucht über die Berge“.

Der Autor schreibt in dem Vorwort zu seinem neuesten im Schiller Verlag erschienenen Band u. a.:   In diesem Fotogeschichtenbuch soll von einer Spurensuche die Rede sein. Mal neugierig und verspielt im dunklen Blätterwald herumstöbernd, dann wieder akribisch genau und sich im hintersten Bildwinkel an einem blühenden Zweig erfreuend. Zuweilen wird es sogar stürmisch, und nicht selten gilt es, sich im Mittelpunkt des Bildes zu behaupten. Aber trotz allen Kämpfen um Leben und Tod, schicksalhaft verbunden mit Elend und Leid, soll es auch humorvoll bleiben. Vielleicht, weil nach all den märchenhaften Jahrhunderten nichts mehr zu verlieren, aber für den aufmerksamen Bildbetrachter und Geschichtenleser einiges zu gewinnen ist“. Ein Gewinn ist das Buch auf jeden Fall und auch eine schöne Geschenkidee.

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

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