Die häufigste Frage: „Wer bist du?“

Agnethler HOG brachte Buch zum Brauch des Urzellaufs heraus

Ausgabe Nr. 2609

Horst Fabritius (Hg.): Wer bist du? Die Urzelmaske im siebenbürgischen Agnetheln, im württembergischen Sachsenheim und in Süddeutschland. Heimatortsgemeinschaft Agnetheln. Heilbronn 2008.

„Wer bist du? Die Urzelmaske im siebenbürgischen Agnetheln, im württembergischen Sachsenheim und in Süddeutschland“ heißt das Bilder- und Lesebuch, in dem der Herausgeber Horst Fabritius dem Leser eine Vielzahl von authentischen Beiträgen zum Thema Urzel, die meist von Autoren verfasst sind, die selber aktive Teilnehmer beim Urzelnlaufen waren, zur Verfügung stellt. Wer nun im Vorfeld des Urzellaufs in Agnetheln  am Sonntag, dem 27. Januar oder in Großschenk am 9. Februar mehr über den siebenbürgisch-sächsischen Brauch des Urzellaufs wissen möchte, über Ursprünge, Geschichte, Hintergründe und heutige Verbreitung, ist dieses Buch eine informative und interessante Lektüre. Das Buch erschien als Festgabe der HOG Agnetheln zum siebenten Agnethler Treffen am 11. Oktober 2008 in Bad Rappenau bei Heilbronn.

 

„Wer bist du“ war die meistgestellte Frage am Urzeltag“ ist im Buch in der „Einleitung zum Rätselraten“ zu lesen. Diese Frage steht auch im Mittelpunkt des Bilder- und Lesebuches, wobei sich der Leser zum Thema Urzeln einen Überblick verschaffen kann anhand der zahlreichen Beiträge, die von Personen die selber Urzel waren, von Gastgeberinnen der Urzelparten, ehemalige und jetzigen Veranstalter. Im Buch präsentiert werden auch Arbeiten von Volkskundlern oder Volkskundeliebhabern.

So wird in einem Gespräch mit Riemenmacher Gerhard Orend wiedergegeben, wie 1969 die Zunft der Riemenmacher dazukam. Wie man es geschafft hat, die ganze Ausstattung des Urzelnparade zu erneuern, samt Bärenpelz, steht in dem Erinnerungsbericht über das Urzeljahr 1977/1978 von Wilhelm Imrich, der damals „Urzelkönig“, also Hauptveranstalter war. Zu lesen ist aber auch ein Beitrag von Erich Rau, der mehrere Jahre im Organisationskomitee war,  der sich an schwierige Zeiten erinnert, da der „Urzelkönig“ u. a. Mehl und Öl besorgen musste oder da es Ärger mit den Behörden gab.

Auf den Fotos oder in den Erinnerungen kommen auch hochrangige siebenbürgisch-sächsische Mitglieder der Rumänischen Kommunistischen Partei, wie Eduard Eisenburger oder Richard Winter, aber auch deutsche Politiker wie Erwin Teufel, Franz Josef Strauss, Lothar Späth oder Edmund Stoiber vor.

Der Brauch, erstmals 1689 als „Mummenschanz der Zünfte“ bezeugt, bis 1990 im Mittelpunkt eines jährlichen Stadtfestes, überlebte die Auswanderung ihrer siebenbürgisch-sächsischen Träger und wird heute auch in Deutschland weitergeführt aber auch in Agnetheln von den rumänischen Urzeln.

Geordnet wurden die Beiträge und das übrige Material nach Epochen wobei die Entwicklungsschübe die Hauptkapitel ergeben. Dazu gibt es anfangs die Sammlung von theoretischen Ansätzen, Interpretationen.

In dem Kapitel „Fortsetzung oder Farce? Seit 2006: Rumänische Urzeln in Agnetheln“  wird die Problematik aufgegriffen, dass ein sächsischer Brauch in einem angestammten Ort nach vielen Jahren wieder auflebt, ohne dass es noch sächsische Träger gibt. In diesem Kapitel ist u. a. auch der Beitrag von Lehrer Bogdan Pătru zu lesen, in dem er beschreibt, wie der Urzellauf als Ergebnis eines Schülerprojektes 2006 wieder zustande kam. 2007 stieß  zu den rumänischen Urzeln eine Abordnung der Urzelnzunft Sachsenheim, wo es einen gemeinsamen Urzellauf auf dem Großen Ring in Hermannstadt und auf dem Urzelntag in Agnetheln mit den rumänischen Urzeln gab.

Was das Buch nicht festhält ist, dass auch 2019 der Brauch in Agnetheln noch immer erfolgreich weitergeführt wird und dass während dieser Zeit auch mehrmals Urzeln aus Deutschland in Agnetheln zugegen waren.

Werner FINK

 

 

 

 

 

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