Von der eigenen Betroffenheit geprägt

Christoph Kleins Buch „Siebenbürgische Erinnerungsorte in Lebensbildern“

Ausgabe Nr. 2600

Hans Klein bei der Buchpräsentation am 12. Oktober d. J. im Bischofspalais.    
Foto: Beatrice UNGAR

Das Buch „Siebenbürgische Erinnerungsorte in Lebensbildern“ von Christoph Klein enthält 24 Beschreibungen von Menschen, Orten, Denkmälern und Einrichtungen, die dem Verfasser im Laufe seines Wirkens als Bischof der Evangelischen Kirche wichtig geworden sind und gewissermaßen als Anhang eine Beschreibung des eigenen Lebensweges. Die Vorträge, in den Jahren nach der Wende gesprochen, sind in einer beeindruckenden sprachlichen und stilistischen Form gehalten. Darin kommen Orte und Menschen vor, die den Autor begleitet haben und zu einem Teil seines Lebens geworden sind. Ausgespart aus diesen Betrachtungen sind die Kirchen und Kirchenmänner, die er in anderen Büchern bereits gewürdigt hat.

 

Die enthaltenen Reden wurden bei verschiedenen Anlässen vorgetragen. Sie sind in z. T. versteckten Publikationen bereits erschienen und werden jetzt einem breiteren Publikum zur Verfügung gestellt. Ausnahmen sind zwei Beiträge, die offensichtlich für diesen Anlass geschrieben wurden. Der erste ist ein kleiner Nachruf auf Irma Bilek, einer intellektuell und kulturell hochstehenden Frau aus dem Hermannstadt des vergangenen Jahrhunderts, dem auch zwei kleine Erinnerungen von Dagmar Dusil-Zink und von Ute Gabanyi beifügt wurden, die zweite ein sehr persönlicher Bericht über eine Freundschaft mit dem bereits 1944 aus Sächsisch-Regen nach Österreich zwangsemigrierten Folkmar Alzner, die sich nach der Wende 1989/90 zu einer intensiven Verbindung ausgestaltet hat.

Ein charakteristisches Leitmotiv aller dieser Beiträge ist der Dank an die vielen Menschen, die sich für das Wohl unserer Gemeinschaft einbrachten, sei es, dass sie ihr Leben dieser Gemeinschaft zur Verfügung stellten, sei es, dass sie zur Erhaltung des Kulturerbes und eines sinnvollen Lebens in diesem Land ihren Beitrag leisteten. Aber die hier veröffentlichten Exposees sind nicht Dankesworte, sondern der Gattung nach Lobreden mit eingestreuten Dankesworten. Eingestreut sind auch predigtartige Meditationen mit Bibelworten und Zitaten aus der schöngeistigen Literatur und Darstellungen wissenschaftlicher Erkenntnisse unserer Geschichte.

Die Thematik der einzelnen Vorträge ist sehr verschieden, denn sie sind immer von der eigenen Betroffenheit geprägt. Es ist nicht möglich, auf die vielfältigen Informationen sachgemäß einzugehen, die in dem Buch vermittelt werden. Wir beschränken uns darum auf je einen Gedanken bei jeder Darlegung:

Gleich im ersten Beitrag über Irma Bilek, erfährt man, wie sehr diese Frau auf den jungen Englisch Lernenden im kulturellen Bereich prägend wirkte.

Bei der Würdigung von Karlheinz Forek, der sich besonders nach der Wende von Bayern her für die diakonische Arbeit bei uns eingesetzt hat, erkennt man, wie nützlich es sein kann, sich bei einer Festrede an den von Cicero empfohlenen Redeaufbau zu halten.

Christoph Klein: Siebenbürgische Erinnerungsorte in Lebensbildern.  Schiller-Verlag Hermannstadt – Bonn 2018, Reihe: Miscellanea Ecclesiastica. Band XVIII. 173 Seiten. ISBN 978-3-946954-35-4

Im Zusammenhang der Würdigung von Inge und Joachim Wittstock erfährt man, dass der Autor in seiner Jugend die Bücher höher schätzte als die Menschen, die Begegnung mit den Menschen ihm aber zunehmend wichtiger wurde.

Bei Paul Niedermeier wird hervorgehoben, wie man Wissenschaftliches und Geistliches zusammenbringen kann.

Im Beitrag über die Familie Fabini, wird Wesentliches über das Verhältnis von Kirchenburgen und sächsischem Selbstverständnis ausgesagt.

Bei Gerhard Konnerth wird seine Hilfsbereitschaft hervorgehoben.

Im Zusammenhang der Beschreibung der Freundschaft mit Folkmar Alzner wird über die Hermannstädter Allgemeine Sparkasse einiges berichtet, da Folkmars Vater die entsprechende Filiale in Sächsisch-Regen leitete.

Bei Friedrich Philippi wird sein Einsatz zunächst für die Burghüter des Bezirkes und dann für alle Kuratoren der Landeskirche herausgestellt.

Bei der Verleihung der Honterusmedaille an Karl Scherer erinnert der Verfasser auch an die Gespräche in Deutschland über die Zukunft der Sachsen.

Bei der Verleihung des Kulturpreises an Konrad Gündisch und Christoph Machat hebt er deren bedeutsames Schaffen zum Bewusstmachen und Erhalten unserer Kulturgüter hervor.

Bei der Verabschiedung von Ursula und Kurt Philippi erfahren wir einiges über den Bezug des Autors zur Musik.

Bei der Würdigung von Friedrich Gunesch lobt er dessen Einsatz im Ausschauhalten nach Hilfe.

Beim Gedenken an den Ahnherrn „Hermann“ unserer Stadt berichtet er über die verschiedenen Versuche, sich im Ahnherrn selbst wiederzufinden, als Handwerker, Denker, Verantwortlicher.

Bei seiner Rede über den Huetplatz hebt er die Fertigstellung des Eigenlandrechtes 1583 durch den ehemaligen Bürgermeister Albert Huet hervor.

Unter dem Titel Das Brukenthalpalais“ schildert er einiges über den berühmten Baron und sein Vermächtnis, spricht aber eingehender über die Brukenthalschule und das Schulwesen bei uns.

Beim Exposee über das Bischofshaus wird betont, dass Sachs von Harteneck dort wohnte, das Haus aber die Besitzer oft wechselte, bis es 1867 als Sitz des Bischofs angekauft wurde, und wie Bischof Müller es nach der Enteignung durch den Staat zurückerlangen konnte.

Sein Nachdenken über Katzendorf verbindet der Verfasser mit Erwägungen zur dörflichen Gemeinschaft um die Kirchenburg herum.

Das Honterusdenkmal animiert den Verfasser zu einer kurzen Beschreibung der Reformation Luthers und jener in Siebenbürgen.

Unter dem Titel „Das Teutschdenkmal“, spricht der Verfasser die Bildung der Volkskirche im 19. Jahrhundert an und denkt über unsern jetzigen Status als Minderheit in der Diaspora nach.

Eine Rede im Teutsch-Haus gibt ihm Anlass, das Kulturerbe, das Museum und das Archiv anzusprechen.

Am Mahnmal in Dinkelsbühl erinnert Christoph Klein an die tragischen Ereignisse in unserer Gemeinschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts, besonders die Verschleppung.

Bei der Einweihung des Turmes beim Altenheim in Drabenderhöhe wird an die fürsorgliche diakonische Tätigkeit von Adele Zay erinnert, die den Namen für das Heim gab.

Der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung von Ernst und Hans Christian Habermann dankt er für die vielfältige Unterstützung zur Erhaltung des Kulturerbes.

Ein Bericht über die Mühen bei dem Bau des Alten- und Pflegeheimes Carl Wolff und der Gründung des Diakonischen Werkes unserer Kirche mit würdigenden Nachrichten über den Namensgeber Dr. Carl Wolff beendet die Reihe.

Den Abschluss bildet eine Rede anlässlich des 80. Geburtstages des Autors mit der Beschreibung seines Lebensweges und ein beigefügter kurzer Lebenslauf.

Nach der Lektüre dieses Buches bleibt der Eindruck, wie viele wertvolle Menschen es in unserer Kirche und Gemeinschaft dennoch gibt. Ich sage dennoch, weil eine Gemeinschaft so viel Wert ist, wie ihre Menschen in ihr bewirken können. Die Katastrophe des 20. Jahrhunderts hat uns hart zugesetzt. Aber was blieb, ist Grund zu neuer Hoffnung.

Diese wünschen wir der nachfolgenden Generation in dem Bewusstsein, welches einst Jugendliche hatten oder für Jugendliche ausgesprochen wurde: „dass die Welt einst golden war,/ wer will das bestreiten,/denkt man doch im Silberhaar/ gern vergangener Zeiten.“

Hans KLEIN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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