„Wir sind keine Helden“

Lesung mit Mojtaba und Masoud Sadinam

Ausgabe Nr. 2599

Als Initiatorin und Hauptorganisatorin der Lesereihe stellte die ifa-Kulturmanagerin Aurelia Brecht (rechts) Mojtaba (1. v. l.) und Masoud Sadinam (2. v. l.) vor.                                                                Foto: Beatrice UNGAR

„Man kann sich in einem Land, in dem man unerwünscht ist, beheimatet fühlen“, behauptete Mojtaba Sadinam, einer der drei Sadinam-Brüder, die unter dem Titel „Unerwünscht. Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte“ ein Buch über ihre Flucht aus dem Iran nach Deutschland geschrieben haben, bei der Lesung am 11. Oktober d. J. im Erasmus-Büchercafé.

Es war die dritte Lesung in  der vom Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt unter dem Titel Was ist Heimat?“ veranstalteten Lesereihe. Die erste bot die in Heltau geborene Autorin Karin Gündisch, die zweite Annemarie Otten.

Die Initiatorin und Organisatorin, ifa-Kulturmanagerin Aurelia Brecht hatte dazu Autoren und Autorinnen eingeladen, die eine Geschichte über das Fremdsein in einem Land, Identität oder eine Geschichte zur Auswanderung erzählen können (eben in verschiedenen Kontexten)“. Ziel sei es, aufzuzeigen, dass es in den verschiedenen Kontexten Sichtweisen, Probleme, Schwierigkeiten menschlicher Natur gibt, die sich ähneln.“

Bei der Vorstellung der beiden anwesenden Autoren – Mojtaba und Masoud Sadinam (der dritte im Bunde, Milad Sadinam war nicht dabei) – wies Brecht darauf hin, dass der Begriff Heimat“ heute sein Revival“ erlebe.

Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam: Unerwünscht. Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte.Piper Verlag München, 2016. 254 Seiten. ISBN 978-3-492-30879-3

Mojtaba Sadinam pflichtete ihr bei, heute seien Themen wie Heimat, Migration in einer globalisierten Welt nicht mehr nur aus der europäischen Perspektive zu betrachten, man müsse schon eine internationale einnehmen, um diese Begriffe zu definieren. Bei ihren Lesungen aus ihrem Buch wurde den Brüdern immer wieder die Frage gestellt: Wo fühlt ihr euch beheimatet?“ Dieser Frage würden sie nicht gerecht, weder im Iran noch in Deutschland, stellte Mojtaba Sadinam fest und sagte: Unsere Heimat ist irgendwo in Deutschland“.

In dem Buch erzählten sie ihre Geschichte, die mit der Flucht 1996 aus Teheran begann, im Stil eines Romans, sagte Masoud Sadinam. Sie verdeutliche, was wir in 22 Jahren in Deutschland erlebt haben, was uns irgendwie dort beheimatet.“ Weil ihrer politisch aktiven Mutter die Verhaftung drohte, floh sie mit ihren drei Söhnen (die Zwillinge Mojtaba und Masoud waren elf, Milad neun Jahre alt) aus dem Iran. Ein Schlepper gab sich als der Familienvater aus und mit gefälschten Pässen flogen sie nach Deutschland.

Mojtaba und Masoud Sadinam lasen dann abwechselnd kurze Passagen aus dem Buch, die einige wichtige Facetten beleuchteten: Die Ankunft im Flüchtlingsheim, das einen verkommenen Eindruck“ auf sie machte, die Erfahrungen in der Schule, der Selbstmordversuch ihrer Mutter, die unendlichen Behördengänge. Sie hätten sich zuweilen gefühlt wie Bettler, die weiter um eine Münze bitten, auch wenn man ihnen in die Handfläche spuckt“.

Wenn sie sich auf die Zivilgesellschaft bezogen hätten, hätten sie ihr Buch auch Erwünscht“ titeln können, schlussfolgerten die Zwillingsbrüder. Unerwünscht hätten sie sich gefühlt in den Behörden: Willkommenskultur sieht anders aus.“ Allerdings stellten sie klar: Wir sind keine Helden, wir haben viel Hilfe erfahren.“

Die nächste und letzte Lesung bestreitet am 12. November der gebürtige Repser Claudiu M. Florian, heute Direktor des Rumänischen Kulturinstituts in Berlin.

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

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