„Kunst soll man teilen”

Alexander Pop Suca stellt in Hermannstadt zum ersten Mal aus

Ausgabe Nr. 2591

Der Künstler Alexander Pop Suca im Gespräch mit Redakteurin Ruxandra Stănescu in der HZ-Redaktion.                           
Foto: Beatrice UNGAR

„Gemälde ohne Namen” will Alexander Pop Suca vom 6. bis 12. September im Touristeninformationszentrum des Hermannstädter Bürgermeisteramtes zeigen. Der Wahlhermannstädter – zusammen mit seiner Ehefrau Marlene lebt er seit November 2017 in Hermannstadt – ist eigentlich 1950 in Temeswar geboren und hat über 40 Jahre in Münster gelebt. Nicht nur über die Ausstellung sprach der Künstler mit HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u.

 

Warum sind Ihre Gemälde namenlos?

Ich male abstrakt, deswegen haben meine Gemälde keinen Namen, denn ich will nicht erklären, dass das ein Baum und das eine Frau ist. Ich wünsche mir, dass jeder Betrachter einen Dialog beginnt, denn in einem abstrakten Bild findet man sehr viele Sachen. Und wenn jemand mein Bild versteht, versteht er auch noch viel über mich.

Wie viele Gemälde möchten Sie ausstellen?

Ich schätze, zwischen 40 und 50, ich muss schon auswählen… Ich habe aus Deutschland einen vollen Laster mit hunderten Gemälden mitgebracht und hatte endlich Zeit, diese zu ordnen.

Wie werden Sie das machen?

Tja, das ist eine gute Frage… ich wähle einige aus, lasse aber auch meine Frau und meine Freunde ein paar Bilder wählen… denn jeder sieht die Bilder anders. Das ist eine schwierige Sache, die Bilder sind ja abstrakt und haben kein Thema.

Kann man die Bilder kaufen?

Ja, wenn jemand Interesse hat, selbstverständlich, die Bilder sind ja nicht nur für mich.

Welches Medium bevorzugen Sie?

Ich male mit Acrylfarben, denn für die Ölfarben braucht man viel Geduld, und ich bin kein geduldiger Mensch in diesem Bereich. Bei den Acrylfarben kann man mehr integrieren, komplexe Collagen herstellen. Heutzutage muss ich auch sagen, dass man zwischen Öl- und Acrylfarben kaum einen Unterschied bemerkt. Und ich habe auf Karton, Leinwand und sogar auf Styropor gemalt.

Haben Sie in Deutschland nur gemalt?

Nein, zusammen mit meiner Ehefrau, die Maskenbildnerin ist, hatten wir in Deutschland vier Mode- und Kosmetikgeschäfte und waren immer selbstständig. Angefangen habe ich aber mit Gedichten, ich habe auch einen Gedichtband in Temeswar herausgebracht, „Schritte im Sand”. Vor über 25 Jahren habe ich aber gemerkt, dass bei mir etwas sprudelt, ich musste meine ganzen Erfahrungen, die ich gesammelt hatte, nicht nur durch Gedichte, sondern auch durch Farbe ausdrücken, da habe ich begonnen zu malen. Ich hatte Ausstellungen in Münster und Telgde, aber ich habe in Deutschland sehr viele Sammler, und diese sind eigentlich meine Referenzen.

Warum sind Sie nach Rumänien, beziehungsweise nach Hermannstadt umgezogen?

Erst muss ich sagen, dass wir uns sehr wohl gefühlt haben in Deutschland, wir hatten auch keine Integrationsprobleme, weil wir in Temeswar ja multikultigelebt haben. Ich kommuniziere sehr gern mit den Leuten, deswegen haben wir uns dann für Rumänien und nicht für z. B. Spanien entschieden. Und außerdem ist Rumänien mein Heimatland, auch wenn jetzt nach 42 Jahren Deutschland ein Teil von mir ist. Unsere  Wahlstadt ist Hermannstadt, weil es sehr vergleichbar mit Münster ist, übersichtlich und mit einem reichen Kulturleben. Denn ohne Kultur würden wir Menschen nur essen und trinken. Kultur verbindet, Politik lasse ich in der Vergangenheit ruhen. Wir mussten uns allerdings auch hier integrieren, die Leute sind nett und freundlich und allgemein fühlen wir uns sehr wohl in Hermannstadt. Die Umgebung ist auch sehr schön, leider schätzen wir nicht immer das, was in unserer Nähe ist… Natürlich ist nicht alles perfekt, aber Probleme gibt es ja überall auf der Welt.

Warum Hermannstadt und nicht Temeswar?

In Temeswar tut sich sehr viel, die Stadt ist sehr gewachsen, für uns ist alles viel unübersichtlicher geworden. Da ist natürlich unser Herz, doch das ist nicht mehr die Stadt, die wir in unseren Erinnerungen haben… In unserem Alter wird der Freundeskreis immer enger, da passt eine übersichtliche Stadt besser dazu.

Haben Sie Künstler aus Hermannstadt und aus Rumänien kennen gelernt? Können Sie die beiden Kunstzenen Rumänien und Deutschland, beziehungsweise Hermannstadt und Münster vergleichen?

Aus Rumänien selbstverständlich, manche schon als Kind, aber auch ein paar aus Hermannstadt. Ich denke, hier in Hermannstadt finden mehrere Ausstellungen statt. In Münster werden weniger organisiert und sie sind auch recht verstreut, in Vereinen und so, und da findet vielleicht eine Veranstaltung pro Jahr statt. Im Vergleich merke ich, dass hier alles sehr lebendig ist, eine Ausstellung wird beendet, dann kommt schon die nächste.

Kann man von der Kunst leben?

Ich würde sagen, dass das sehr schwer ist. Nicht nur in Rumänien, auch in Deutschland… Es gibt einen Markt, wo bestimmte Namen im Trend sind, dann sind noch die Galeristen, aber als Künstler zu leben – und ich kenne wirklich viele Künstler – ist nicht so einfach. Die meisten üben noch einen Beruf aus. Natürlich sind große Namen ausgeschlossen, aber allgemein haben es die Künstler nicht einfach.

Warum ist das denn so?

Das ist auch eine gesellschaftliche Frage. Heutzutage ist sehr viel Stress, da bleibt für Kunst ganz wenig. Es gibt natürlich noch Sammler, aber allgemein ist der Kunstmarkt zurück gegangen, würde ich sagen. Mit der Kultur ist es allgemein eher schwierig, denn es sind andere Probleme, die diese Ebene unterdrücken. Es herrscht leider eine gewisse Armut in diesem Bereich. Über ein Bild kann man streiten, und das ist kein Streit wie über Politik oder Religion – wo man richtig Hass  entwickelt -, und ohne die Kultur wären wir arme Leute.

Sind weitere Ausstellungen in Sicht?

Ich bereite eine weitere Ausstellung im Ratturm vor, von November bis Dezember, drei oder vier Wochen. Ich muss dann sehen, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Was planen Sie für die Zukunft?

Ich will natürlich auch weiter kreieren. Ich denke, Künstler sein ist eine Berufung, kein Beruf. Meinen Beruf als Ökotrophologe, also Lebensmittelingenieur, habe ich nur wenige Jahre ausgeübt und wäre mit 65 Jahren in Rente gegangen. Als Künstler arbeitet man aber, wie lange man lebt. Außerdem will ich ausstellen, denn Künstler zu sein und nicht an die Öffentlichkeit zu gehen… da weiß ich nicht so recht… ich denke, Kunst soll man teilen.

Malen Sie zur Zeit?

Nein, noch nicht, diese ganze Umstellung war ja nicht einfach, und zum Malen – ich kann nicht auf Bestellung malen – habe ich noch nicht genügend Freiraum gefunden.

Fehlt Ihnen das Malen nicht?

Eigentlich nicht, denn ich sammele ja das alles in mir. Das kommt aber bestimmt noch, ich brauche aber meine Ruhe, dann falle ich in Trance, beginne zu arbeiten und merke oft nicht, wie die Stunden und Tage vergehen.

Vielen Dank und viel Erfolg.

 

 

 

 

 

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