„Vibrierendes Netz“

Bildband zu Zendersch

Ausgabe Nr. 2584

Dietlinde Lutsch, Renate Weber und Georg Weber: Bildergeschichten aus Zendersch.Schiller-Verlag Hermannstadt-Bonn, 2016, 327 Seiten, ISBN 978-3-944529-90-5

„Nahezu alle Dimensionen der Gemeinde  Zendersch schienen wie ein vibrierendes Netz in Bewegung zu sein!“. „Ich behalte mein Bild von Zendersch in meinem Herzen, wie ich es vor 1940 aufgenommen habe, ein anderes will ich nicht“. Zwei denkwürdige Sätze aus der Einführung des Bildbandes „Bildergeschichten aus Zendersch“.

 

Mit diesem Bildband ist den Autoren  Dietlinde Lutsch, Renate Weber und dem leider verstorbenen Georg Weber in einer jahrelangen Arbeit gelungen, ein Netz zu knüpfen, in dem sie die Fäden der Gemeinde Zendersch  – Dorf und Kirche – Familie – Kindheit/Jugend – Soziales Leben – Wirtschaften –Kriegswirren – Zerstreuung der Bewohner von Zendersch   – zusammenführten. Dazu wurden 5.000 Bilder zusammengetragen und wie man annehmen kann,  in sehr zeitaufwendiger Arbeit 800 Stück von ihnen den einzelnen Fäden zugeordnet. Die miteinander  verknoteten Fäden der Jahre 1942 -1945 und 1945 – 1956 bekommen beim Betrachten der Bilder jener Epoche eine Form der Lebendigkeit durch die jeweils zugeordneten Namen der Personen auf den Bildern, die sich am Ende der beiden Fäden mit den Begriffen „ABSCHIED“ und „ABSCHIEDNEHMEN“ entwirren.  Daraus ergibt sich für den Leser das vibrierende Netz als Ganzes, das die Gemeinde Zendersch in einem Zeitraum der Veränderungen darstellt.

Die Dokumentation der Veränderungen hin vom Ort des Schutzes für die Menschen von Zendersch innerhalb des Schattens der Kirchenburg, bis hin zum Verlassen der letzten sächsischen Bewohner 1993 und der Wiederauferstehung in den Heimatortgemeinschaften überall auf der Welt ist gelungen.

Die zur Beschreibung und Erklärung der Bilder verwendete Sprache ist klar, knapp und verständlich. Das vorliegende Buch vermittelt eine Melancholie des Niedergangs, möglicherweise auch etwas zu viel davon. Aber wie könnte das auch anders sein bei der Dokumentierung von etwa 100 Jahren siebenbürgischer Dorfgeschichte neuerer Zeit.

Die Autoren haben mit den „Bildergeschichten aus Zendersch“ den eingangs zitierten zweiten Satz „Ich behalte mein Bild von Zendersch in meinem Herzen, wie ich es vor 1940 habe, ein anderes will ich nicht“ verarbeitet, aber gleichzeitig auch klar und verständlich dafür gesorgt, dass die Zenderscher der neuen Zeit sich ihre Wurzeln bewahren. Bei den nicht aus Zendersch stammenden Lesern weckt der vorliegende Bildband Neugier auf die eigenen Wurzeln und sensibilisiert dafür, sich nicht mit pauschalierenden Antworten zufrieden zu geben.

Lothar SCHELENZ

 

 

 

 

 

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