Überraschender Fund in der Stadtpfarrkirche

Grabplatte von Mathias Armbruster von Archäologen entdeckt

Ausgabe Nr. 2580

Die archäologischen Grabungen in der evangelischen Stadtpfarrkirche sind in vollem Gange.                                                        Foto: Cynthia PINTER

Er war der wohl bekannteste Bürgermeister von Hermannstadt vor Klaus Johannis. Mathias Armbruster war im 16. Jahrhundert, in der Reformationszeit, insgesamt neun Jahre lang Bürgermeister (1513, 1523-1525, 1527-1529, 1536-1538, 1541-1542), von 1536-1538 Königsrichter und er hat die Einweihung der Stadtpfarrkirche Hermannstadt 1520 miterlebt. Heute, 498 Jahre später, entdeckten Archäologen seine Grabplatte am Fuß des vordersten Pfeilers auf der Nordseite der Kirche, an einer anderen Stelle als im Gräberplan verzeichnet. Die Grabplatte Mathias Armbrusters war zwar von Historikern des 19. Jahrhunderts beschrieben worden, galt jedoch als verschollen.

 

Die archäologischen Forschungsarbeiten in der evangelischen Stadtpfarrkirche haben am 14. Mai unter der Leitung von Dr. Daniela Marcu Istrate vom Institut für Archäologie „Vasile Pârvan“ aus Bukarest  in Zusammenarbeit mit Dr. Maria Țiplic vom Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften Hermannstadt begonnen. Da die Kirche renoviert und der Bodenbelag ausgewechselt sowie eine Bodenheizung eingebaut werden soll, lag es nahe, auch archäologische Ausgrabungen durchzuführen. „Wir möchten die Bauetappen und die Entwicklung der Kirche erfahren, die sich im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Sie gilt als wichtigste Kirche der Siebenbürger Sachsen und muss ein Modell für andere Kirchen gewesen sein“, erklärt Dr. Marcu Istrate für die Hermannstädter Zeitung.

Im Rahmen der archäologischen Grabungen sind interessante Funde zum Vorschein gekommen. Unterschiedliche gemauerte, zum Teil sich überschneidende leere Gruften aus Ziegelstein aus dem 15. und 16. Jahrhundert sind aufgetaucht. Einige noch aus der Zeit der ersten Kirche, da sie von den Fundamenten der Außenwände durchtrennt werden. Unter ihnen haben die Archäologen ältere, aus dem 12. Jahrhundert stammende Gräber gefunden.

Fundamente aus verschiedenen Jahrhunderten sind jetzt ebenfalls zu sehen, so zum Beispiel das der nördlichen Außenmauer der romanischen Basilika, sowie das Fundament des Treppenaufgangs zum Lettner (N-Querschiff). Interessant ist auch die Entdeckung eines gut erhaltenen Schachtes eines Warmluft-Heizungssystems aus dem 19. Jahrhundert, der unter dem Mittelgang aufgetaucht ist. Zum Vorschein gekommen ist auch eine Abfallgrube an der Innenseite der romanischen Süd-Mauer, mit verkohlten Holz- und Knochenresten, Gürtelschnallen und Reitersporen, sowie die vermutlich älteste bisher gefundene siebenbürgischen Keramik aus dem 13. Jahrhundert. Die Funde stammen höchstwahrscheinlich vom ersten Mongolensturm 1242, bei dem sich die letzten Verteidiger in der Kirche zurückgezogen haben sollen.

Auf der Rückseite einiger Steinplatten, die als Gehweg verwendet wurden, entdeckte man imposante Gravuren. Auf einer ist eine Ritterdarstellung zu sehen.  An einem Mittelpfeiler ist zu erkennen, dass der ursprüngliche Fußboden der Kirche etwa 50 cm unter dem jetzigen Niveau lag.

Die freigelegte Grabplatte.
Foto: Cynthia PINTER

Die überraschendste Entdeckung ist allerdings die Grabplatte von Mathias Armbruster, vor allem, weil sie nicht hier hätte sein sollen. „An dieser Stelle hätte eigentlich das Grab des Barons Samuel von Brukenthal sein müssen“, erklärt der Archäologe Prof. Dr. Zeno-Karl Pinter. „Man hat alle Grabplatten im 19. Jahrhundert in die Ferula gebracht und die Gebeine am Friedhof in einer Kapelle bestattet. Brukenthal ist der letzte gewesen, der hier in der Kirche beerdigt worden ist. Er hatte eine extra Genehmigung aus Wien dafür. Sein Grab müsste noch hier sein, denn es wurde gelegt lange nachdem alle anderen weg waren“, fügt Pinter hinzu.  Man weiß noch nicht, ob sich unter der Grabplatte auch die Gruft mit den Gebeinen Armbrusters befindet, das soll in den nächsten Wochen erforscht werden. Die archäologischen Grabungen in der evangelischen Stadtpfarrkirche gehen voraussichtlich bis Mitte Juli weiter. Es bleibt also spannend.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

 

 

 

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