Alte Traditionen erneuern

Brukenthalschüler traten beim Heimattag 2018 in Dinkelsbühl auf
Ausgabe Nr. 2581

 

Der Auftritt der Brukenthalschüler beim Festumzug in Dinkelsbühl.
Foto: Lukas GEDDERT

Oft hört man, dass die siebenbürgisch-sächsischen Traditionen aussterben, dass es kaum noch Siebenbürger Sachsen gibt, die sich um die Wiederbelebung ihrer Sitten und Bräuche kümmern, und dass die junge Generation kein Interesse an der Geschichte der deutschen Minderheit in Rumänien zeigt. Der traditionsreiche Heimattag der Siebenbürger Sachsen, der in Dinkelsbühl am Pfingstwochenende 2018 stattgefunden hat, ist aber ein Beweis dafür, dass die siebenbürgisch-sächsischen Traditionen noch lange nicht aussterben werden.

 

Dank der Unterstützung durch den Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. und des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien hatten 24 Schülerinnen und Schüler der sächsischen Volkstanzgruppe des Samuel-von-Brukenthal Gymnasiums, von Bianke Grecu geleitet, die einmalige Möglichkeit, an dem Fest teilzunehmen und einen Blick in das sächsische Gemeindeleben werfen zu können. Unter dem Motto „Kultur schafft Heimat und Zukunft“ durften wir nicht nur mehr über die sächsischen Traditionen und den Exodus der Sachsen erfahren, sondern uns auch Fragen über die Zukunft Europas und das Konzept „Heimat“ stellen.

Obwohl die Hinfahrt sehr anstrengend gewesen war, fing der Pfingstsamstag schon früh an: Voller Vorfreude und Neugierde wollten die Brukenthaler die mittelfränkische Stadt Dinkelsbühl erkunden und an den zahlreichen Aktivitäten teilnehmen. Einige gingen durch die Stadt spazieren, andere wollten unbedingt die Turnangebote Dinkelsbühls unter die Lupe nehmen, und die nicht so sportlichen schauten sich Dokumentarfilme und Ausstellungen über die Auswanderung der Siebenbürger Sachsen an. Am Ende des Tages konnten wir alle zugeben, dass wir dank dieser Gelegenheit, am Sachsentreffen teilzunehmen, nicht nur unsere Geschichtskenntnisse bereichert hatten, sondern auch neue Perspektiven in Bezug auf Auswanderung und Heimat gewonnen hatten.

Der Sonntag war der anstrengendste Tag der Reise. Aufgeregt ging es zum Treffpunkt der Gruppen, die beim Trachtenumzug mitmachten. Für uns alle war dieser Umzug der Höhepunkt der Ereignisse in Dinkelsbühl, weil wir endlich die Gelegenheit hatten, unsere Trachten stolz vorzuzeigen und Trachten aus verschiedenen Regionen Siebenbürgens zu bewundern. Die vorbeimarschierenden Blaskapellen erinnerten an vergangene Zeiten und man erkannte Melancholie und vielleicht sogar Trauer in den Augen der schon längst ausgewanderten Sachsen… Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgten die Tanzvorführungen und wir konnten unser Herzklopfen kaum unter Kontrolle bringen, da wir nun mit noch mehr als 200 anderen TänzerInnen unser Tanztalent beweisen mussten. Nach dem gemeinsamen Tanzen durfte jede Gruppe einen siebenbürgisch-sächsischen Tanz zeigen. Unsere Gruppe tanzte zuerst vor der Schranne und danach auf dem alten Rathausplatz vor zahlreichem Publikum tadellos die Kreuzpolka. Den Brukenthalern konnte man den Stolz und die Freude, bei so einem Ereignis mitzumachen, von den Gesichtern ablesen und wir hätten am liebsten weiter getanzt, aber die drei Kugeln Eis, die uns versprochen wurden, waren doch der genaueren Betrachtung wert… Ein besinnlicher Abschluss dieses Pfingstsonntags war der Fackelzug zu der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen, die im Zweiten Weltkrieg und während der Deportation verstorben waren.

Montag war leider der Tag der Abreise und wurde von allen mit Missmut begegnet. Glücklicherweise durften wir noch einige Stunden in Nürnberg verbringen und so mehr über die weltbekannten Nürnberger Prozesse erfahren, bevor wir uns auf den Rückweg nach Hermannstadt machten.

Es war uns allen eine Ehre, die Brukenthalschule an dem diesjährigen Heimattag der Siebenbürger Sachsen zu vertreten. Die Veranstaltung hat uns durch das reiche Kulturangebot und die Konzerte im Festzelt zahlreiche Möglichkeiten geboten, Jugendliche mit ähnlichen Interessen kennenzulernen, mit denen wir uns austauschen konnten, und einzusehen, dass Heimat nicht unbedingt ein Land sein muss, sondern eher eine Denkweise und ein Gefühl. Vielen Dank an Sponsoren und Organisatoren für diese einmalige, unvergessliche Erfahrung!

Christian DENGEL

Anna Katharina HENNING

Claudia Margareta KAMLA

11.-B Klasse, Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium

 

 

 

 

 

 

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