„Die Grundlage ist gelegt”

Gespräch mit dem scheidenden DFDH-Vorsitzenden Hans Klein

Ausgabe Nr. 2570

Hans Klein (rechts) im Gespräch mit Beatrice Ungar in der HZ-Redaktion.
Foto: Ruxandra STĂNESCU

Gestern hat Hans Klein an der DFDH-Mitgliederversammlung den Vorsitz des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH) abgegeben. Er selbst sprach von seiner „Abdankung“, da im Mittelpunkt seines letzten Rechenschaftsberichts der Dank stand. Mit Hans Klein verabschiedet sich eine Epoche aus der Geschichte der Stadt. Er selbst hat die Geschichte des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, der Interessenvertretung der deutschen Minderheit, von Anfang an mitgeschrieben. Dessen erste Sitzung hatte er am 23. Dezember 1989 einberufen, sie fand dann in der Wohnung von Paul Philippi statt. 28 Jahre lang war er im Vorstand des Hermannstädter Forums, 18 Jahre (1990-1992 und 2002-2018) dessen Vorsitzender. Von 1992 bis 2011 vertrat er das DFDR im Stadtrat. Mit dem scheidenden DFDH-Vorsitzenden Hans Klein sprach die HZ-Chefredakteurin Beatrice U n g a r.

 

Am Weihnachtsabend 1989 wurden Sie angeschossen…

Ja, das war einen Tag nach der ersten Sitzung der Initiativgruppe, die dann die Gründung des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt vorangetrieben hat. Ich hatte eigentlich meinen Vater, den damaligen Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, Albert Klein, gefragt, ob er sich nicht um diese Angelegenheit kümmern möchte. Er meinte, dafür sei er zu alt, also nahm ich die Sache in die Hand. Ich wollte die Sitzung in unserem Haus in der Negoi-Straße beherbergen, aber dort wurde damals noch geschossen, also traf man sich bei Prof. Paul Philippi im Stadtzentrum. Ich kann mich erinnern, es war Prof. Hermann Pitters, der bei dieser Sitzung u. a. den Vorschlag gemacht hatte, wir sollten die Rückgabe des Brukenthalmuseums an unsere Kirche in Angriff nehmen. Das fand ich etwas gewagt, heute danke ich ihm dafür.

Am Tag darauf wurde ich dann angeschossen, schwebte zeitweilig in Lebensgefahr und so konnte ich bei der Gründungssitzung des Forums am 8. Januar 1990 nicht dabei sein, wurde aber in Abwesenheit in den ersten Vorstand gewählt. Seither bin ich ununterbrochen Mitglied des Vorstands gewesen.

Sie haben die Zeit erlebt, als die Stadtratssitzungen wöchentlich stattfanden. Wie ging es da zu?

Tatsächlich war die Anfangszeit eine ungewöhnliche, man könnte sagen, es ging wie bei einer Revolution“ zu. Fast jede Partei war mit höchstens einem Vertreter dabei, es war sehr mühsam, Beschlüsse zu verabschieden. Ich vertrat das Prinzip, man soll miteinander sprechen und arbeiten, auch wenn man verschiedener Meinung ist und ich glaube, beigetragen zu haben, dass in diesem Gremium eine gute Atmosphäre herrscht. Dies ist meiner Meinung nach das Wichtigste, wenn es um Menschen geht. Wir wollten uns einbringen in die Geschicke unserer Stadt.

Wie kam es dazu, dass das Forum die Mehrheit im Stadtrat stellte und auch heute noch stellt?

Die Geschichte des Hermannstädter Forums ist eine Erfolgsgeschichte. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es einmal dazu kommen würde, dass wir einen Bürgermeister stellen. Schon 1992 war eine Stadträtin an das DFDH herangetreten mit dem Vorschlag, die deutsche Minderheit sollte bei den Kommunalwahlen einen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken. Erst im Jahr 2000 kam es dann dazu. Ich kann mich erinnern, dass wir im Vorstand an der Kandidaten-Liste für den Stadtrat arbeiteten und dann fragte ich einige Kollegen, ob sie nicht als Bürgermeisterkandidat antreten wollen. Bis auf einen sagten alle ab. Dieser eine war Klaus Johannis, der sagte: Wenn ihr wollt…“ Als ich ihm sagte, es könnte ernst werden, erbat er sich zwei Wochen Bedenkzeit. Nach einer Woche sagte er zu und danach legte er sich richtig ins Zeug und gewann.

Hatten Sie damit gerechnet?

Eigentlich nicht. Heute hat Klaus Johannis eine ganz andere Dimension eröffnet. Zunächst hatte er sich für die Interessen der deutschen Minderheit stark gemacht, dann für jene der Stadt Hermannstadt und jetzt für die des Landes. All das ist sein Verdienst. Dafür bin ich ihm auch sehr dankbar.

Sie legten gestern ihr Amt als Vorsitzender des DFDH ab. Wie geht es ohne Sie weiter?

Die Grundlage ist gelegt und das DFDH verfügt über ein gut funktionierendes Amt. Unsere Angestellten sind Garanten dafür, dass es gut weitergeht. Es sind junge Leute, die mit Herz, Verstand und Einsatzbereitschaft bei der Sache sind.

Jetzt kann ich mich weiter den Theologie-Vorlesungen in Hermannstadt und in Bukarest widmen, dazu bin ich Mitherausgeber zweier Zeitschriften – Sacra Scripta (Klausenburg) und Cercetări biblice (Hermannstadt) – und Vorsitzender des Vereins der Bibelwissenschaftler.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

 

 

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