Fünf Vollblutmusiker

Erlebniskonzert im Festsaal der Astrabibliothek
Ausgabe Nr. 2532

 

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Mit dem in Hermannstadt geborenen Bratschisten Marius Ungureanu als Ehrengast tourte das Kármán-Streicherquartett Ende Mai durch Rumänien. Die Konzerte fanden am 24. Mai im Șuțu-Palais in Bukarest, am 28. Mai im Festsaal der Astrabibliothek in Hermannstadt und am 29. Mai, im Patria-Saal der Kronstädter Staatsphilharmonie statt. Zu Gehör brachten die fünf Vollblutmusiker Werke von Hans Stadlmair (3 Fantasien für Bratsche Solo), Wolfgang Amadeus Mozart (Streichquintett für zwei Bratschen in g-Moll, KV 516), Johannes Brahms (Streichquintett für zwei Bratschen in G-Dur op. 111).

 

Wenn der Name Marius Ungureanu auf einem Konzertplakat zu lesen ist, ist Hochgenuss und Erlebnis garantiert. So war es auch bei dem Konzert am letzten Sonntag im Mai. Schon beim Eintritt in den Festsaal war etwas ungewöhnlich: Die Stühle für das Publikum waren im weiten Kreis aufgestellt, die Stühle und die Notenpulte der Musiker standen in kleinem Kreis in der Mitte des Raumes. Der Bratschist Theodor Andreescu begrüßte die Anwesenden und erklärte, man wolle mit dieser unkonventionellen „Sitzordnung“ das Publikum befähigen, die Freude an der Musik mit dem Einsatz möglichst aller Sinne zu erleben. Andreescu ist ein Meisterschüler von Marius Ungureanu und ist auch schon mal mit dem Aalborg Symphoniorkest, dem Aalborger Symphonieorchester in Dänemark, aufgetreten, in dem der in Hermannstadt geborene Bratschist mitspielt. Der Kontakt kam also via Dänemark zustande. Andreescu holte im Zeichen des Projekts „Rute muzicale“ (Musikwege) drei weitere junge Streicher ins Boot, Vollblutmusiker wie er selbst: Andrei Radu (2. Geige), Mihail Grigore (Cello) und Valentin Şerban (1. Geige). Gemeinsam mit Marius Ungureanu führten sie zwei bekannte Streichquintette auf, die in Hermannstadt selten zu hören waren.

Weil Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquintette Johannes Brahms als Muster formaler Vollkommenheit galten, kamen ein Streichquintett von Mozart und eines von Johannes Brahms zu Gehör, einfühlsam und kraftvoll, mal verhalten mal gewaltig, ein musikalischer Vollgenuss für alle Beteiligten.

Franz Schubert hatte Mozarts Streichquintette als „wohlthäthige Abdrücke eines lichtern bessern Lebens” bezeichnet, vor allem das eher wehmühtig klingende Streichquintett für zwei Bratschen in g-Moll, KV 516 stellt vor allem Mozarts Experimentierfreude in den Mittelpunkt. Gleichermaßen ein Hochgenuss war das Streichquintett für zwei Bratschen in G-Dur op. 111 von Brahms.

Den Höhepunkt ihres Hermannstadt-Aufenthaltes erlebten die fünf Vollblutmusiker allerdings im Dr. Carl Wolff-Altenheim und in dem Hospiz und in dem Kinderhospiz des gleichnamigen Vereins, wo sie spontan konzertierten.

Beatrice UNGAR

 

Zeigt her eure Füße“…: Theodor Andreescu (Bratsche), Andrei Radu (2. Geige), Mihail Grigore (Cello), Marius Ungureanu (Bratsche) und Valentin Şerban (1. Geige) traten barfuß auf (v. l. n. r.). Foto: die Verfasserin

 

 

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