Aus dem Nähkästchen geplaudert

Lesung mit der ehemaligen Opernsängerin Elena Dumitrescu-Nentwig
Ausgabe Nr. 2528

 

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Zu ihrer dritten Lesung im Erasmus-Büchercafé in Hermannstadt begrüßte am Donnerstag der Vorwoche der Inhaber Jens Kielhorn die ehemalige Opernsängerin Elena Dumitrescu-Nentwig. Und plötzlich fingen die Zuhörerinnen und Zuhörer zu singen an. Zumindest die Mitglieder des Caedonia-Chors, die unter der Leitung von Florin Soare der ehemaligen Opernsängerin damit eine Überraschung bereiten wollten.

 

An den strahlenden Augen der Musikerin und Schriftstellerin war zu erkennen, dass die Überraschung gelungen war. Schon bei ihrer ersten Lesung 2015 hatte die in Brăila geborene Künstlerin eine Singgruppe Jugendlicher eingeladen, die sie im Stadtpark kennen gelernt hatte. Damals stellte sie ihren autobiografisch gefärbten Debütroman „Naufragiații din Brăila“ und das in deutscher und rumänischer Sprache veröffentlichte Kinderbuch „Zum Blättern“/„De răsfoit“ vor, in Begleitung ihres Mannes, Franz Ferdinand Nentwig, ein ehemaliger Wagner-Bariton, der 2016 verstorben ist.

Auch 2016, bei der zweiten Lesung im Erasmus-Büchercafé – aus dem ebenfalls in deutscher und rumänischer Sprache verfassten Roman „Wir, die Roma, und der Rest der Welt“/„Noi romii și restul lumii“ – fehlte die Musik nicht. Ein Roma-Musiker ließ einige Stücke auf seiner Geige erklingen.

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Die musikalische Umrahmung der dritten Lesung stellte gewissermaßen einen Höhepunkt dar, feiert doch der Caedonia-Chor im nächsten Jahr sein 50. Gründungsjubiläum. Wie immer bei ihren Lesungen ging es Elena Dumitrescu-Nentwig nicht nur darum, aus ihrem neuesten Buch vorzulesen, sie plauderte sympatisch aus dem „Nähkästchen“. So erfuhren die Anwesenden, dass ihr inzwischen verstorbener Gatte sie zum Schreiben ermutigt hatte. Allerdings habe sie schon in ihrer Schulzeit in Brăila gerne geschrieben und gelesen und sie habe eigentlich Schriftstellerin werden wollen. Dann kam es anders und sie wurde Opernsängerin und reiste als solche um die Welt. Muße gönnten sie und ihr Gatte sich gewöhnlich an Weihnachten oder an Silvester. An Silvester saßen sie gewöhnlich vor dem Fernseher. An einem dieser Silvesterabende lief aber nichts interessantes im Fernsehen und so dachten sie sich etwas aus: Elena Dumitrescu-Nentwig sollte ihrem Mann eine Geschichte schreiben und er wollte für sie ein Bild malen. Die Geschichte sei zustande gekommen und sie habe sie an Mitternacht vorgelesen. Das Bild war noch nicht fertig. Die Geschichte von „Fränzchen, dem Maler“ ist nun in dem neuesten Band zu lesen, den die Autorin am 27. April in Hermannstadt vorstellte. Der Umschlag ist auf Grund des Gemäldes „Der letzte Akt“ gestaltet, das Franz Ferdinand Nentwig 1990 gemalt hatte. Die erste Vorstellung des Buches „Erlebtes und Erdachtes – es kommt schon mal vor“/“Adevărate sau imaginate – de întâmplat s-au întâmplat“, das wie alle anderen im Klausenburger Limes-Verlag erschienen ist, hatte am 21. April am Rumänischen Kulturinstitut in Wien stattgefunden, im Beisein von Ioan Hollender.

Beatrice UNGAR

 

Der Hermannstädter Caedonia-Chor untermalte die Lesung im Erasmus-Büchercafé musikalisch.                                                 

Elena Dumitrescu-Nentwig (links) und Beatrice Ungar, die Moderatorin der Lesung, hatten auch Freude an dem Gesang.

Fotos: Fred NUSS

 

 

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