„Stätte der Wissens- und Herzensbildung“

Deutsche Charlotte Dietrich-Schule in Hammersdorf feierlich eröffnet
Ausgabe Nr. 2502
 

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Hermannstadt hat ab diesem Jahr eine private deutsche Schule, die den Namen Charlotte Dietrich trägt. In der Charlotte-Dietrich-Schule wird nicht nur deutsch gesprochen, auch der Lehrplan kommt aus Deutschland, Träger ist die „Gustav Dietrich Hermannsthal”-Stiftung, eine Stiftung der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Hermannstadt.

 

19 aufgeregte Schüler haben am 4. Oktober ihre Eltern und Großeltern, Vertreter der Kirchengemeinde und Behörden mit einem kleinen Programm zum offiziellen Schulbeginn empfangen, auch wenn sie selber schon seit September die Bänke der neu renovierten Schule drücken. Den Schülern steht nun die alte Hammersdorfer Schule zur Verfügung, die komplett renoviert wurde und der Schulhof, wo die Gäste an diesem sonnigen aber kalten Oktobertag begrüßt wurden.

Zwei Klassen hat man hier gegründet, die erste und die zweite, mit je 9 bzw. 7 Schülern, weitere drei Kinder sind in der dritten Klasse, die allerdings nicht bis zum Abitur weiter geführt werden soll, sondern nur kurzfristig besteht.

Stadtpfarrer Kilian Dörr, Präsident des „Gustav Dietrich Hermannsthal”-Stiftungrates begrüßte die Gäste, sprach ein kurzes Gebet und bedankte sich bei den Unterstützern, aber auch bei denjenigen, die die Idee zur Gründung der Schule hatten, Jens Kielhorn und Wolfgang Köber. Dörr bedankte sich auch bei den Presbytern, dem Team von der Grünen Kirchenburg Hammersdorf, Konsulin Judith Urban, der „Michael Schmidt”-Stiftung, der Gemeinde Hammersdorf, den Lehrern und Eltern.

Staatssekretärin Monica Anisei, die bei der Eröffnungsfeier anwesend war, sprach über die Unterstützung solcher Privatinitiativen seitens des Bildungsministeriums. Sehr wichtig sei dabei immer die gute Beziehung zwischen Gemeinde und Schule. Generalfachinspektor für Religionspädagogik Vasile Timiş sprach auch über die Beziehung zwischen Wissenschaft und Kirche und versicherte, dass die enge Beziehung zwischen Kirche und Schule eine Lösung für viele der europäischen Probleme sein könnte.

MdB Klaus Brähmig (CDU) war bei der Eröffnung dabei, als „großer Freund Siebenbürgens und insbesondere Hermannstadts.” Im weiteren erklärte der Bundestagsabgeordnete, dass „Schule nicht allein aus dem Erlernen von Mathematik und Sprachen besteht, die Schule ist auch ein Ort, um soziale Kompetenzen auszubilden und wichtige Regeln für die Zukunft zu lernen”, denn gebraucht werden „mitfühlende und sozial kompetente Menschen”. Klaus Brähmig sprach auch über die Bedeutung der Region: „Siebenbürgen ist heute eine wichtige Brücke zwischen Deutschland und Rumänien, die deutsche Minderheit und die deutsche Sprache prägen diese zauberhafte Region. Aus diesem Grund ist es mir ein besonderes Anliegen, dass der deutschen Sprache als Muttersprache heute und auch in Zukunft ihre gerecht werdende Bedeutung zugemessen wird. Deshalb bin ich überzeugt, dass die Charlotte-Dietrich-Schule für viele Kinder zu einer wichtigen Stätte der Wissens- und Herzensbildung werden wird.”

MdB Brähmig sprach auch über die Aufbesserung der Gehälter der deutschsprachigen Lehrer in Rumänien, für die seit dem Vorjahr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt wurden, und verprach, sich in seiner Funktion „auch in der Zukunft mit meinen Kollegen für ihre Anliegen hier in Rumänien engagiert einzusetzen.”

Judith Urban, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt, die „die Entstehung der Schule seit dem Anfang begleitet hat”, wie Kilian Dörr erklärte, fragte, ob man „gebildete Menschen oder ausgebildete Menschen haben will.” Kindern sollte man „Bildung vermitteln, im besten Sinne des Wortes”, wobei die Schule den Kindern die „Vorfreude geben sollte auf die Person, die sie einmal werden möchten.”

Nach den Reden wurden die   Gäste in die Aula eingeladen, wo Schuldirektor Rafael Mahl über die Schule sprach. Dem Plan nach sollen hier eine Vorbereitungsklasse und eine erste Klasse gegründet werden, doch gab es für die Vorbereitungsklasse wenig Interesse, dafür aber Anfragen für die Bildung einer zweiten Klasse. Nicht nur der Lehrplan soll dem deutschen Lehrplan gleich sein, sondern auch die Schultage: in Deutschland gehen Schüler 180 Tage in die Schule, in Rumänien 169, so dass man auch eine unterschiedliche Schuljahresstruktur haben wird, zum Beispiel fallen die Herbstferien aus, allerdings werden die rumänischen Feiertage berücksichtigt.

Nachmittags kommen weitere zehn Schüler aus Hermannstadt in die Schule, für die Nachmittagsbetreuung, allerdings sind alle Plätze des After-School-Angebotes besetzt.

Nach der Vorstellung waren wieder die Schüler an der Reihe, die witzig Infos über Deutschland und Rumänien präsentierten, um das Programm mit einem Lied zu beenden.

Die Charlotte Dietrich-Schule soll nach baden-württembergischem Lehrplan als deutsche Auslandsschule funktionieren und hat als Partnerschule die Friedrich Wilhelm Raiffeisen-Schule Wetzlar. Die Schulgebühr beträgt 18.900 Lei pro Jahr.

Die Namenspatronin, Charlotte Dietrich von Hermannsthal (1834-1916) war, wie auf der Internetseite der Schule (http://www.charlotte-dietrich-schule.ro) zu lesen ist, „Vorsitzende des Allgemeinen evangelischen Frauenvereins und machte sich um das Bildungs- und Sozialwesen in Hermannstadt verdient. Insbesondere kümmerte sie sich um das Waisenhaus und die Krankenpflegeanstalt.”

Ruxandra STĂNESCU

Die 19 Schüler der Charlotte-Dietrich-Schule empfingen ihre Gäste mit Liedern. Offiziell wurde die deutsche Schule in Hammersdorf am 4. Oktober eröffnet.                                                      

Foto: Ruxandra STĂNESCU

 

 

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