„Geschichten verbinden Menschen”

Lesung mit Kinder- und Jugendbuchautorin Eva Seith im Kulturzentrum
Ausgabe Nr. 2501
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Die deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin Eva Seith kam auf Einladung des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt nach Siebenbürgen, um aus ihrer Lily-Brown-Trilogie zu lesen. Nach den beiden Lesungen sprach HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u mit der Autorin.

 

Sie ermutigen die Kinder zu schreiben. Wie lange schreiben Sie schon?

Ich schreibe ungefähr seit meinem 14. Lebensjahr, am Anfang hauptsächlich Gedichte und Kurzgeschichten. Viele Jahre habe ich dann nur für meinen Sohn und mich geschrieben, weil ich hauptsächlichberuflich mein Geld mit Marketing verdiene, und jetzt, da mein Sohn in einem Alter ist, in dem ich mehr Zeit für mich haben kann, habe ich vor zwei Jahren die erste Thrillogie im Jugendbuchbereich veröffentlicht.

Kinder sollen allerdings schreiben, nur wenn sie das möchten und wenn sie merken, dass eine Geschichte sie anfliegt. Dann sollen sie sich das von niemandemd auf der Welt schlecht reden lassen, sondern einfach losschreiben.

Geschichten verbinden die Menschen sozial und emotional ganz stark miteinander, und ich glaube, dass das auch wichtig ist, gerade im Zeitalter der Elektronik.

Das erste Buch der Lili-Brown-Trilogie haben Sie vor zwei Jahren veröffentlicht. War es schwer, ein Buch zu publizieren?

Nein, eigentlich nicht. Es gibt heutzutage viele Wege, ob man das jetzt im Selbstverlag oder im Publikumsverlag machen möchte, in einem großen oder kleinen… Für mich war es allerdings ein langer Weg, weil ich mich schon vor zehn Jahren erstmal entschlossen habe, den ersten Band der Lili-Brown-Trilogie herauszugeben, damals in einem Publikumsverlag. Die Verlegerin ist aber sehr schwer erkrankt und musste den Verlag schließen, das war ein kleiner Rückschlag, dann habe ich erstmal weiter geschrieben, den zweiten und den dritten Band. Mein Sohn hat mir mit 16 erklärt, dass er schon groß genug ist – ich bin alleinerziehend – und mich aufgefordert, mit meinen Geschichten an die Öffentlichkeit zu gehen.

Wird die Lily-Brown-Serie weitergeführt?

Eigentlich sollte es bei der Thrillogie bleiben, aber ich habe jetzt so viele Anfragen von Eltern, Lehrern und Schülern erhalten, dass es auf alle Fälle noch einen vierten Band geben wird.

Planen Sie auch Bücher für Erwachsene zu schreiben?

Im Moment nicht, auch wenn der nächste Roman, an dem ich arbeite, für eine etwas höhere Alterstufe, ab 14 Jahren wird, aber ich sehe mich jetzt nicht im Krimi-Belletristik-Bereich. Eigentlich liegen mir die Jugendbücher am Herzen.

Wer ist ihr erster Leser?

Der erste Leser ist eigentlich immer mein Sohn gewesen, ich habe ihm immer wieder etwas vorgelesen. Wärend ich schrieb war es ganz lustig als er kam – er war in der passenden Altersgruppe – und sagte ,Mama, da hast du Wörter gebraucht, die benützen wir nicht mehr, das musst du umschreiben‘. Dann kommen Freunde und Verwandte zum Lesen, wobei man mit dem Urteil sehr vorsichtig sein muss, weil es dir keiner sagt, wenn er es blöd findet. Insofern sind Lektor, Korrektor und Verlagsmenschen wichtig, genauso Buchhändler, die man kennt, und Lehrer, die man anspricht. Die sagen schon einem knallhart, was sie meinen. Daran kann man reflektieren, aber nur so lernt man dann einfach auch. Es nutzt ja gar nicht, wenn jeder sagt ,Ah ja, tolle Geschichte!‘ und hinterher kommt sie gar nicht an.

Kann man vom Schreiben leben?

Es kommt darauf an. Im Kinderbuchbereich ist es sehr schwierig, weil das die kleinste Zielgruppe ist und besonders im deutschsprachigen Raum die Geburtenrate sinkt. Dann hängt es von den Eltern ab, ob die Kinder an Büchern herangeführt werden, aber besonders im Zeitalter von Smartphones, Playstation und Internet nimmt das Buch immer mehr ab. Man kann vom Schreiben leben, wenn man hauptberuflich schreiben kann, wenn man also die Zeit dafür hat und ein gewisses finanzielles Polster dat, so dass man losschreiben kann und nicht nebenher Geld verdienen muss. Es gibt in Deutschland sehr viele Jugendbuchautoren und nur eine Hand voll können davon leben.

Wer Geld verdienen will, sollte also keine Geschichten schreiben. Harry Potter ist ein seltener Einzelfall, das ist schon Geschichte, aber nicht das, wovon man ausgehen sollte. Man sollte schreiben, weil man den Drang fühlt und weil die Geschichten zu einem kommen und einfach erzählt werden wollen.

Ich war selber über den Erfolg der Trilogie überrascht.

Das Leben eines Autors besteht nicht nur aus Schreiben. Sind Lesungen wichtig?

Ja, erstmals weil Lesungen das meiste Geld bringen. An den Büchern selber verdient man ja so gut wie nicht, zwischen 35 Cent und 1,5 Euro pro Buch. Um überhaupt davon leben zu können, muss man schon viele Bücher über Jahre auf den Markt haben. Lesungen sind aber wichtig auch weil man den Kindern das Besondere, die Freude und Spannung am Besten selber vermitteln kann.

Ich habe mich sehr über die Einladung des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt gefreut, die Anfrage hat mich ganz arg überrascht und ich würde mich freuen, noch einmal zu kommen. Hermannstadt ist auf jeden Fall eine Reise wert, das habe ich bereits gepostet.

Vielen Dank.

 

Eva Seith liest im Kulturzentrum.

Foto: die Verfasserin

 

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