Ein mittelgutes Storchenjahr

Storchzählung 2016 erfolgte in 103 Orten im Kreis Hermannstadt
Ausgabe Nr. 2489
 
 

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Immer wieder werde ich von interessierten Laien gefragt, ob ich die Störche im Kreis Hermannstadt schon gezählt hätte und wie die Zählung in diesem Jahr denn ausgefallen sei. Das lässt sich schwer in einem Satz beantworten, da Zählungsergebnisse erst im Vergleich etwas aussagen können. Darum gebe ich gerne hier in kurzer Form die diesjährigen Ergebnisse bekannt. Eine Woche lang war ich wieder mit den Brüdern Anselm und Matthias Ewert aus Brandenburg unterwegs, in der zweiten Woche habe ich dann noch einige Orte in der Umgebung von Hermannstadt aufgesucht und aus abgelegeneren Orten von gutwilligen Helfern per Telefon erfahren können, ob und wie viele Jungstörche bei ihnen zu sehen sind.

 

So konnten wir in 103 Orten 183 besetzte Horste zählen, von denen aber nur in 137 Nestern (also in 75 Prozent) Nachwuchs festzustellen war. Nur ganz selten hatten wir in den 28 Jahren der Zählung noch mehr Nester ohne Nachwuchs (z. B. 1998 Nachwuchs nur in 71 Prozent), dafür gab es aber manchmal sogar in über 90 Prozent der besetzten Horste Jungstörche zu sehen (1993 in 91 Prozent). Besonders ungünstig war die Situation in diesem Jahr in Grossau, wo zwar wieder 30 Storchenpaare nisteten (2 weniger als im Vorjahr), von diesen aber nur 18 auch erfolgreich brüteten (8 Paare weniger als im Vorjahr, also nur rund 66 Prozent). Aber auch diese erfolgreichen Paare hatten viel weniger Jungstörche großgezogen (38) als im Vorjahr (83), also ein Rückgang der Jungenzahl um 45 Prozent. Dazu haben wahrscheinlich mehrere Faktoren geführt: Ein Teil der Störche kam relativ spät aus den Winterquartieren in Afrika zurück. Was sie alles auf diesem langen Flug erlebt haben, kann sich auch ausgewirkt haben. Und wahrscheinlich stellen sich in der Umgebung von Hermannstadt auch durch die intensivere Landwirtschaft immer ungünstigere Nahrungsverhältnisse für die Störche ein.

Denn auch in Hermannstadt hatten wir in den drei Storchennestern (davon ein von Beatrice Ungar entdecktes neues Nest neben dem Landwirtschaftslyzeum) in diesem Jahr nur zwei Jungstörche als Nachwuchs (auf dem Schornstein der ehemaligen Manutanţa). Nur im Jahr der Feuerwerke 2007 gab es weniger Nachwuchs, nämlich gar keinen! Dabei hatten wir im Jahr 2004 noch 7 Nester in Hermannstadt, in denen 21 Jungstörche heranwuchsen.

Im ganzen Kreis zählten wir 394 Jungstörche, also 59 weniger als im Vorjahr. Der für die Zukunft der Storchpopulation wichtigste Kennwert einer solchen Zählung ist aber der durchschnittliche Bruterfolg erfolgreich brütender Paare. Der lag in diesem Jahr bei 2,88 also nur leicht unter dem langjährigen Mittel von 2,95 Jungstörchen pro erfolgreicher Brut. Also ein mittelgutes Storchenjahr!

Wenn man die Ergebnisse der einzelnen Orte betrachtet und diese in die drei landschaftlichen Gebiete unseres Kreises zusammenfasst, zeigt sich, dass es da Unterschiede gab. In der Hermannstädter Senke waren es in diesem Jahr nur 2,52 Jungstörche pro erfolgreicher Brut, in der Fogarascher Senke 2,82 und im Harbachtal 3,14.

Die meisten Jungstörche zählten wir aber doch in Großau (38), es folgen Orlat (21), Coveş (14), Mergeln (12), Freck (11), Leschkirch (11) usw. Schon bei der Einfahrt in den Kreis Hermannstadt wurden meine Storchenfreunde aus Richtung Mühlbach kommend auf dem Denkmal an der Kreisgrenze von fünf Jungstörchen begrüßt! Aber auch in Kleinscheuern, Ighişul Vechi, Rothberg, Agnetheln, Mergeln, Gura Râului und Braller sind in je einem Nest fünf Jungstörche großgezogen worden! Und wir finden immer wieder auch neue Nester, die außer dem oben genannten aus Hermannstadt alle auf Masten gebaut wurden (Bürgisch, Alzen, Kerz, Mergeln, Poplaca, Coveş). Es lässt sich auch beobachten, dass die Tendenz weitergeht, dass die Nester zunehmend mehr auf Masten errichtet werden. Im Vorjahr waren das 65 Prozent aller Nester, in diesem Jahr sind es schon 68 Prozent. Auch verlagern sich diese neuen Nester immer öfter auf Masten am Rand der Ortschaften, in die Nähe der Einfahrt.

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Und immer noch werden in unserem Kreis von dem für die Strommasten zuständigen Unternehmen keine Nisthilfen auf die Masten gesetzt! Das bleibt der Initiative von Privatpersonen überlassen, wie der von Frau Gritu in Großau und einigen anderen. Fährt man dagegen bei Arpaş über die Kreisgrenze in den Kreis Kronstadt, so kann man auf fast allen Masten in den Ortschaften solche Nisthilfen sehen. Ebenso in anderen Kreisen!

Im Kreis Hermannstadt dagegen werden störende Nester einfach abgenommen (obwohl der Storch ein geschützter Vogel ist) und statt dessen über dem Mast je zwei senkrecht den Mast überragende Holzlatten gebunden, um einen erneuten Nestbau zu verhindern. So zu sehen in Orlat, wo in einem Fall in das fertige Nest auch noch mitten hinein ein Pfahl angebracht wurde, um die Störche fern zu halten.

In den nächsten Tagen werden die Jungstörche ausfliegen, dann ist eine Zählung nicht mehr möglich. Die Storcheneltern haben ihre Pflicht getan und können sich für den um den 23. August beginnenden Rückflug vorbereiten.

Friedrich PHILIPPI

 

In dem Storchennest auf einem Schornstein der ehemaligen Brotfabrik Manutanţa wurden zwei Jungstörche gezählt.    

Foto: Beatrice UNGAR

 

In ein fertiges Nest in Orlat wurde mitten hinein ein Pfahl angebracht.

Foto: der Verfasser

 

 

 

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft.