Im August kommt der Jazz aus China

Streiflichter vom 46. Internationalen Hermannstädter Jazzfestival
Ausgabe Nr. 2483
 
 

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Eine logistische Leistung war es auf alle Fälle: Das 45. Jazzfestival ist vor knapp einem halben Jahr über die Bühne gelaufen und nun fand schon das 46. statt. Simona Maxim von der Stiftung Sibiu Jazz Festival versprach am Samstag: „Wir bleiben beim Mai“. Und sie kündigte ein Sonderkonzert am 3. August im Gong-Theater an, mit Jazzmusikern aus China.

 

Nach dem gelungenen Auftakt mit dem von der rührigen Direktorin Liliana Popescu im Gong-Theater mitveranstalteten Studentenwettbewerb an den ersten drei Tagen des Hermannstädter Jazzfestivals ging es ab Donnerstag regelrecht ans Eingemachte: Das Publikum wurde nach Strich und Faden mit gutem Jazz verwöhnt, von Musikern aus Europa und Afrika, die allesamt bestätigten, dass sie sich in Hermannstadt gut aufgehoben und betreut fühlen. Das merkte man auch bei den Konzerten. Bei allen Auftritten der drei Abende spielte nicht nur die Freude an der Musik mit sondern auch ein gewisses Wohlbefinden, das sich auf das Publikum übertrug.

Mit Unterstützung der Botschaft Israels eröffnete das Projekt „The Diaspora House“ am Donnerstag den Reigen. Die beiden israelischen Musiker Guy Sion (Saxophon) und Udi Shlomo (Schlagzeug) leben seit 2010 in Norwegen und haben gemeinsam mit dem Pianisten Kjetin Jerve und dem Bassisten Aksel Jensen (beide Norwegen) jüdische Musik aus aller Welt gesammelt und bearbeitet. Eine lauschige Mischung von Jazz, Blues und Klezmer kam dabei zu Gehör. Und zum Schluss widmete Guy Sion dem 1991 verstorbenen Ausnahmemusiker Miles Davis, der an diesem Tag, dem 26. Mai, seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte, den Standard „Star Eyes”.

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Ein Tribute an Miles Davis stand auch im Programm der Bigband Modern Art Orchestra aus Budapest, ein Orchester der Meisterklasse, das der Trompetist Kornel Fekete-Kovács 2005 gegründet hat. Im Saal anwesend waren dabei der Botschafter Ungarns in Rumänien, Zaponi Botond , sein Erster Berater Nagy Karolyi und Kósa András László vom Balassi-Institut. Das Orchester besteht ausschließlich aus Berufsmusikern aus dem „Ungarischen Musikimperium“, wie es der Festivalsdirektor Konstantin H. Schmidt formulierte, der zwar aus Gesundheitsgründen nicht ansagen konnte, diese Präsentation aber dem Ansager Radu Boțian zum Verlesen übergeben hatte. Diese Musiker können nicht nur fabelhaft improvisieren sondern auch komponieren. Das Publikum war von dem großartigen Sound begeistert und es gab den ersten Stehapplaus des Festivals. Das Orchester dankte mit einer Zugabe: „Mr. Hyde“ von Kornel Fekete-Kovács.

Während auf dem Kleinen und Großen Ring die Blaskapelle „Fanfara Chindia“ aus Târgoviște musikalisch für das Jazzfestival warb, ging es am Freitagabend im Thaliasaal mit Tango-Rhythmen weiter. Die zwei italienischen Musiker Luca Aletta (Klavier) und Stefan Carillo (Bass) präsentierten ihr Projekt „Tangostinato“, eine Mischung aus Tango Nuevo und Jazz Tango, die es in sich hat. Als dritter im Bunde erwies sich der Saxophonist Carmelo Coglitore als unverzichtbar für den Gesamteindruck.

Stehapplaus erntete auch das verspielte Trio Reijseger/Fraanje/Sylla (Niederlande/Senegal), das frei improvisierte. Der Cellist Ernst Reijseger und der Pianist Harmen Fraanje haben übrigens u. a. Soundtracks für Filme von Werner Herzog komponiert. Der Senegalese Mola Sylla setzte seine Stimme wie ein Instrument ein und legte sich zum Schluss auf die Bühne und stellte sich schlafend. Der gewitzte Cellist ließ daraufhin Konfetti aus dem Resonanzkasten seines Instruments auf den vermeintlich Schlafenden regnen.

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Das Publikum hatte noch die Musik des Freitagabends im Ohr und füllte am Samstagabend den Thaliasaal bis zum letzten Platz, war doch der Grammy-Gewinner Sekou Kuyate (Guineea) angesagt, der als „Jimmy Hendrix der Kora“, ein afrikanisches Saiteninstrument, gilt. Aber zunächst gab es verträumten, zuweilen romantischen Jazz-Rock mit dem Trio „Dock in Absolute“, gebildet aus dem Pianisten Jean-Philippe Koch (Belgien), dem Bassgitarristen David Kintziger (Dänemark) und dem Schlagzeuger Michel Meis (Luxemburg). Die drei berichteten der Hermannstädter Zeitung, dass sie es richtig genossen hätten, in Hermannstadt auf der Bühne zu stehen.

Der krönende Abschluss war das Konzert von Sekou Kuyate und seiner Band: Henrik West (Bassgitarre, Dänemark), Carl Winther (Klavier und Keyboards, Dänemark) und Francis Kweku Osei (Schlagzeug, Ghana), die das Publikum zum Tanzen brachten.

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Das Trio Reijseger, Fraanje und Sylla begeisterte das Publikum am Freitag, allen voran der Cellist Ernst Reijseger, der wirklich alles aus dem Instrument herauszuholen wusste: Mal spielte er es wie eine Gitarre, dann wieder verwendete er den Resonanzkasten als Trommel oder er rubbelte mit angefeuchteten Fingern daran.                                                  

 

Foto 2: Der Grammy-Gewinner Sekou Kuyate schaffte es, zum Schluss die Zuhörer von den Stühlen zu holen und alle tanzten mit.      

 

Foto 3: Bigband und Kammerorchester in einem: aus Budapest angereist war das Modern Art Orchestra mit dem Gründer und Leiter Kornel Fekete-Kovács (außen links), derzeit die Nummer 1 unter den Trompetisten in Ungarn.

Fotos: Fred NUSS

 

 

 

 

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